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DAS WEBLOG

Lesung im Pflegeheim

Evelyne Weissenbach am 20.08.2012, 08:02 | 1 Kommentar

Evelyne Weissenbach schreibt Gedichte und sucht so mit Fantasie den Zugang zu Demenzkranken.

Lesung im Pflegeheim

Am 12. Juni war es so weit, ich hatte meine erste Lesung vor Zielpublikum durfte mein Dementia-Poetry-Projekt in dem mir bis dahin unbekannten SeneCura Sozialzentrum Frauenkirchen präsentieren. Die Zusammenarbeit im Vorfeld war bereits höchst angenehm. Die Betreuer waren sehr interessiert und entgegenkommend. Selbstverständlich setzte ich mich nicht an einen Tisch für meine Lesung. Ich wollte beim Lesen auf die Menschen zugehen, Augenkontakt suchen, sie - wenn möglich - sogar berühren. Zu diesem Zwecke bildeten wir einen Halbkreis für die etwas fortgeschritteneren Fälle. Ich war schon ein bisschen früher dort, um alles in Ruhe vorbereiten, mich auf den Leseraum einspüren zu können. Und so waren es sehr bewegende Augenblicke für mich, als die ersten Gäste eintrafen. Von ihren Betreuerinnen im Rollstuhl hereingeschoben oder an der Hand hereingeführt wurden. Nur drei oder vier konnten noch ohne Hilfe ihre Plätze einnehmen. Ich begrüßte jeden einzeln mit Handschlag und wurde beinahe enthusiastisch aufgenommen. Nach der Begrüßung begann ich mit meinem "Walzertanz" (ich habe das Gedicht hier schon präsentieren dürfen). Und ich merkte sofort, dass der Funke sprang! Ich wiederholte den Refrain öfter als geschrieben und drehte mich zu allen Seiten. Und ja, sie wippten tatsächlich mit! Dann kam die "Pendeluhr", ebenfalls ein Gedicht mit Bewegung. Eigentlich begann ich dann erst mit der "Lesung". Aber da war das Interesse der Hörer und Höreinnen schon gut bei mir. Ich kann sagen, die Lesung war genauso, wie ich sie mir vorgestellt, mir gewünscht hatte. Ich suchte immer Augenkontakt, ging auf die einzelnen Hörerinnen zu (in der ersten Reihe saßen keine Männer - es waren überhaupt nur drei da) und las sie direkt an. Ich unterstützte mit Körpersprache. Und ich merkte deutlich, wie sehr sie dabei waren. Manchmal sagten sie auch etwas dazu. Wiederholten ein Wort oder eine Zeile. Kopfnicken war das Mindeste. Dann bekam eine der Damen Durst und verlangte nach Wasser. Da machten wir alle eine kleine Trinkpause. Gestärkt ging es dann ins Finale. Und es war wie vorher. Das Interesse war da und wir hatten einen guten Draht zueinander. Zuletzt las ich dann noch "Du bist wichtig!" und dabei ging ich bei jeder Zeile zu einer der Damen und las sie direkt an. Das war so, ja wichtig! Und unglaublich berührend. Zu guter Letzt verabschiedete ich mich wieder per Handschlag und fragte natürlich auch, wie es gefallen hatte. Und von den Antworten und Reaktionen werde ich noch lange zehren.

Foto der Weblogautorin Evelyne Weissenbach
Foto: Evelyne Weissenbach

Evelyne Weissenbach ist freie Autorin. Die Verfasserin eines Sachbuches über Selbstliebe legt ihre These nicht nur ihrem Leben zugrunde, sondern bringt sie auch in alle ihre Texte ein, seien es Romane, Gedichte oder Erlebnisberichte und Artikel. Ein 2012 erschienenes Buch beschäftigt sich mit dem Thema Demenz. Es beinhaltet Texte FÜR Demenzkranke.
Sie lebt mit ihrem Ehemann in Weiden am Neusiedlersee.

Weitere Beiträge von Evelyne Weissenbach:

Dementia-Poetry

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1 Kommentar

evelyne w. am 15.09.2012, 11:46 es gibt von dieser lesung auch einen videomitschnitt einer begleitperson. ich glaube, dass es auch interessant ist, diesen anzuschauen:
http://youtu.be/vwaWeu8l6Dc

danke für den bericht und liebe grüße
aus dem östlichen österreich

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