Eine Demenzerkrankung in der Familie führt oft dazu, dass Angehörige nicht mehr so häufig in die Öffentlichkeit gehen. Der so genannte "Teufelskreis des sozialen Rückzugs" beginnt. Sie nehmen nicht an gewohnten Veranstaltungen teil und pflegen dadurch Bräuche und Rituale nicht mehr, die sonst Bestandteil des Alltags waren.
So ist es zum Beispiel auch mit den Gottesdiensten: Wenn Demenzkranke in der Kirche nicht mehr still sitzen wollen und können und vielleicht dazwischenrufen, meiden ihre Angehörigen den gemeinsamen Besuch. Recht schmerzlich wird das, wenn es sich dabei um den gewohnten Gottesdienst am Sonntag handelt, bei dem man auch alte Bekannte und Freunde treffen konnte.
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"Von Gott will ich nicht lassen …" – Gottesdienste für Demenzerkrankte und deren Angehörige
Nach guten Erfahrungen in anderen Regionen werden nun auch zwei Gottesdienste für Demenzerkrankte in Sennfeld und Schweinfurt ausgerichtet. Die evangelischen Kirchengemeinden, die Diakonie und eine Beratungsstelle für Angehörige stellen diese gemeinsam auf die Beine. Unter dem Motto "Von Gott will ich nicht lassen …" sind zu beiden Veranstaltungen nicht nur evangelischen Christen eingeladen, sondern alle, die gerne einmal wieder mit ihrem Demenzerkrankten an einem Gottesdienst teilnehmen wollen.
Organisiert werden sie von erfahrenen Pfarrern und Diakonen. Zum Einsatz kommen viele Lieder und Themen, die von früher her bekannt sind und den demenzkranken Besuchern die Widererkennung erleichtern.
Ein Stück Normalität
Auch wenn eine Integration in die "normalen" Gottesdienste langfristig sinnvoller wäre – die Angebote sind ein erster Schritt. Sie vermitteln den Angehörigen die Sicherheit, sich wieder in die Öffentlichkeit "trauen" zu können. Zu wissen, dass der Banknachbar in der Kirche zu Hause ähnliche Probleme bei der Pflege und Betreuung des an Demenz erkrankten Partners bzw. der Partnerin hat, kann helfen, die neue Normalität "Demenz in der Familie" zu akzeptieren und damit umzugehen.
Das Angebot richtet sich vor allem an Familien, die die Betreuung und Pflege ambulant, also zu Hause übernommen haben. Um den Angehörigen Organisationsaufwand zu ersparen, wurde der Gottesdienst auf die gleiche Zeit gelegt, zu der auch die Betreuungsgruppe für Betroffene vor Ort stattfindet. So handelt es sich für sie nicht um einen zusätzlichen Termin. Im Anschluss an den Gottesdienst haben sie die Möglichkeit, sich mit anderen Angehörigen und mit den Demenzerkrankten noch einmal gemütlich zusammenzusetzen. Auch Fachleute stehen für Gespräche bereit.
Wenn Sie sich über ein solches Angebot in Ihrer Region freuen würden, sprechen Sie beispielsweise einen Vertreter Ihrer Kirchengemeinde oder der örtlichen Diakonie darauf an.

- Matthias Matlachowski
Informationen zum Autor:
Matthias Matlachowski (35) ist Diplom-Sozialwissenschaftler und Mitarbeiter im Diakonischen Werk Schweinfurt. Er leitet das Projekt "Gerontopsychiatrische Vernetzung in der Region Main-Rhön". Außerdem ist Matlachowski Lehrbeauftragter an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Internet-Links
- Modellprojekt
Der Gottesdienst in Schweinfurt findet am 20. Juni 2011 statt. Im Veranstaltungskalender des Modellprojekts "Gerontopsychiatrische Vernetzung in der Region Main-Rhön" kann der Termin eingesehen werden. - Beratungsstelle
Die Fachstelle für pflegende Angehörige im Stadt- und Landkreis Schweinfurt ist Mitinitiator der Gottesdienste. Sie bietet Beratungen und Schulungen für Angehörige an und vermittelt Hilfskräfte.
Weitere Beiträge von Matthias Matlachowski:
Projekt zu Demenz im Krankenhaus
Demenz-Schulungen für Polizisten, Friseure und Co.
Umgang mit Konflikten und Herausforderungen
Urlaub trotz Demenz
Adressdatenbank
Herzlich Willkommen beim Wegweiser Demenz
Grußwort von Bundesfamilienministerin
Kristina Schröder
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