Meine Großmutter und meine Mutter hatten Alzheimer. Schon immer habe ich befürchtet, selbst einmal daran zu erkranken. Jetzt bin ich 68 Jahre alt, und die Sorge nimmt zu. Ein Grund dafür ist, dass Deutsch nicht meine Muttersprache ist. Zwar lebe ich seit fast 50 Jahren in Deutschland. Aufgewachsen bin ich aber in ehemaligen Jugoslawien, und ich weiß: Kenntnisse einer Fremdsprache gehen Menschen mit Demenz schneller verloren als ihre Muttersprache. Schon oft habe ich darüber nachgedacht, wie sich deutschstämmige Helfer dann mit mir verständigen würden.
Das Weblog
Muttersprachliche Entlastungsangebote für Migranten fehlen
Menschen mit Migrationshintergrund, die an Demenz erkranken, profitieren derzeit wenig von den Versorgungsstrukturen der Altenhilfe. Es fehlt an betreuerischer und beraterischer Versorgung, insbesondere an niederschwelligen Angeboten in der Muttersprache der Demenzkranken.
Wenn Migranten krank werden, erwarten sie Hilfe und Entlastung vor allem innerhalb der Familie oder von Menschen aus dem eigenen Kulturkreis. Die Basis einer adäquaten Versorgung kann also nur durch das bürgerschaftliches Engagement von Menschen aus ihren Reihen abgesichert werden. Migranten, die anderen helfen wollen, brauchen aber eine Anlauf-, Informations- und Ausbildungsstelle sowie Aussichten auf einen späteren Einsatz.
Netzwerk für Migranten
Ich habe viel über verschiedene Angebote für Migranten gelesen und mich im November 2009 entschlossen, ein Migranten-Netzwerk im Raum Ansbach aufzubauen. Träger dieses Projekts ist die Alzheimer Gesellschaft Stadt und Landkreis Ansbach e. V. Unterstützung fand ich außerdem beim Integrationsbeirat der Stadt Ansbach, bei der Ansbacher Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften und beim Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft Ansbach.
Schulungsstelle für Ehrenamtliche
Mit Hilfe dieser Organisationen gründete ich eine neutrale, trägerunabhängige, konfessionsfreie Anlauf- und Schulungsstelle für bürgerschaftlich engagierte Menschen mit Migrationshintergrund. Mich überrascht, wie viele vor allem junge deutschsprachige Migranten sich seitdem gemeldet haben. In der Schulungsstelle erhalten sie eine Ausbildung als ehrenamtliche Helfer. Eingesetzt werden die Freiwilligen zur häuslichen Versorgung demenzkranker Migranten und zur Entlastung pflegender Angehöriger.
Helfer und Institutionen zusammenbringen
Um zu verhindern, dass diese Helfer sich anderen Aufgaben widmen, wenn sie nicht sofort eine Einsatzstelle finden, habe ich neben der Schulungsstelle eine Laienhelfer- Vermittlungsbörse gegründet. Hier finden alle Helferkreise der Stadt und des Landkreises kostenlos ausgebildete Ehrenamtliche. Ich freue mich sehr, dass dieses Angebot bereits erste Erfolge erzielt. Die ersten Migrantenfamilien nehmen die muttersprachliche Hilfe gerne an. Auch die anderen Helferkreise aus dem Landkreis beginnen, unsere Vermittlungsbörse zu nutzen.
Neben der Ausbildung für den häuslichen Einsatz haben wir auch bereits einige Schulungen für Helfer organisiert, die nach § 87b I SGB XI als Betreuungshelfer (Demenzbetreuer) in Alten- und Pflegeheimen arbeiten können. Alle geschulten Demenzbetreuer mit Migrationshintergrund haben bereits Anstellungen in Heimen gefunden. Dies zeigt, wie groß der Bedarf in der Region ist. Deshalb ist die nächste Schulung schon für Herbst dieses Jahres geplant.
(Anmeldung: koeppl.susanne(at)an.bfz.de)
Informationen zur Autorin:

- Ivanka Perisic
Ivanka Perisic ist Vorstandsvorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Ansbach. Zuvor leitete die Diplompsychologin und Psychotherapeutin die gerontopsychiatrische Rehabilitation des Bezirkskrankenhauses in Ansbach. Die gebürtige Kroatin pflegte ihre Mutter und ihre Großmutter, die beide an Alzheimer erkrankt waren. Heute engagiert sich die Rentnerin vor allem in Projekten für Demenzkranke mit Migrationshintergrund. Sie leitet ehrenamtlich eine Demenz-Fachberatungsstelle in Ansbach und hat eine Anlauf- und Schulungsstelle für ehrenamtliche Hilfskräfte gegründet.
2 Kommentare
am 29.08.2011, 10:15 Schön, dass es so engagierte Menschen wie Sie gibt, Frau Perisic. Vielen Dank dafür.
am 22.09.2011, 18:28
I am an Australian trained occupational therapist with a special interest to work with older people and people with dementia and other chronic conditions. I am English speaking and trying to learn German! I would love to volunteer my services/ help to you and your program.
I am living in Berlin with my husband.
I am an EU citizen and therefore have null restrictions to live and work in Germany.
I look forward to hearing from you.
Catherine Witney
cstoove@hotmail.com
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