"Quiero irme a casa", sagte Frau Sanchez* immer wieder. Das ist Spanisch und bedeutet "Ich möchte nach Hause gehen." Stellen Sie sich vor, eine Bewohnerin mit Migrationshintergrund, die mit Ihnen immer auf Deutsch gesprochen hat, lebt in Ihrer Einrichtung. Von heute auf morgen aber beginnt sie, mit Ihnen auf Spanisch zu sprechen. Sie verstehen sie kaum, weil Sie Spanisch nicht beherrschen. Sie reagieren genervt und wundern sich, warum die Patientin Ihre Sprache nicht mehr spricht. So ging es mir zunächst mit Frau Sanchez.
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Es wäre natürlich einfacher für alle gewesen, wenn Frau Sanchez wieder ins Deutsche gewechselt hätte. Das war aber nicht der Fall. Frau Sanchez spricht kaum mit uns, aber wenn sie etwas sagt, äußert sie das Bedürfnis, nach Hause gehen zu wollen. Sie leidet an Alzheimer in fortgeschrittenem Stadium. Bei Demenzkranken mit Migrationshintergrund kommt es oft vor, dass sie das Deutsche vergessen und wieder ihre Muttersprache sprechen. Denn diese ist im Langzeitgedächtnis gespeichert, das oft noch lange Zeit vorhanden ist.
Die Anzahl der Migranten, die unter einer demenziellen Erkrankung leiden, steigt zunehmend, denn unsere Gesellschaft als Ganzes wird immer älter. Die wachsende Zahl der Patienten führt oft dazu, dass ihre Versorgung, Begleitung und Betreuung nur schwer durchzuführen ist. Die Sprache der Betroffenen nicht mehr zu verstehen, ist eine große Herausforderung für das Pflegepersonal. Oft sind die Pflegenden unsicher, wie sie mit den Patienten umgehen sollen.
Leider wird über das Thema Migranten mit Demenz noch viel zu wenig gesprochen. Auch gibt es zur Situation der Betroffenen in Deutschland nicht viele Erkenntnisse aus der Forschung. Eine größere Zahl qualifizierter mehrsprachiger Pflegekräfte würde das Leben der Betroffenen und der Pflegenden erleichtern.
*Name geändert
Informationen zur Autorin:

- Silvia Ernst-Tijero
Silvia Ernst-Tijero ist examinierte Altenpflegerin und Dozentin für Pflegeberufe. Die Peruanerin ist in Frankfurt am Main an einem internationalen Bildungszentrum tätig. Dort unterrichtet sie auch zum Thema Demenz. Sie absolvierte unter anderem eine Fachweiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie und arbeitete mehrere Jahre in verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege im stationären und ambulanten Dienst. Aktuell studiert sie an der Fachhochschule Münster Berufspädagogik im Gesundheitswesen mit Schwerpunkt Pflege. Sie ist ledig und hat einen Sohn.
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