Spielfilme und Dokumentationen zum Thema Demenz
Filme berühren. Das gilt insbesondere dann, wenn Menschen und ihre Schicksale im Mittelpunkt stehen. Etliche Regisseure aus Deutschland und anderen Ländern haben Arbeiten dem Thema Demenz gewidmet und die Hauptrollen zum Teil sehr prominent besetzt. Schauspielerinnen und Schauspielern wie Judi Dench, Mia Farrow oder Götz George gelingt es, lebensnah und authentisch in die Rolle von Demenzkranken zu schlüpfen. Auch Dokumentationen bringen Zuschauern auf berührende Weise die Wahrnehmungen, Gefühle und Gedanken der Betroffenen nahe. Wir haben für Sie ausgewählte Spiel- und Dokumentarfilme zusammengestellt, die sich mit einem jeweils sehr eigenen Blick dem Thema Demenz nähern – mal irritierend, mal kämpferisch, charmant oder auch traurig, aber nie langweilig.
Ausgewählte Spielfilme
An ihrer Seite, Regie: Sarah Polley, Darsteller: Julie Christie u. a., Kanada 2006.
Grant und Fiona sind seit vier Jahrzehnten verheiratet. Als Fiona an Alzheimer erkrankt, muss sie in ein Pflegeheim. Dort darf sie an den ersten 30 Tagen keinen Besuch empfangen. Als Grant endlich kommen darf, hat sie ihn vergessen und sich in einen anderen Mann verliebt.
Die Geschwister Savage, Regie: Tamara Jenkins, Darsteller: Laura Linney, Philip Seymour Hoffman u. a., USA 2007.
Die Geschwister Wendy und Jon Savage vermeiden jeden Kontakt zueinander. Doch dann verschlechtert sich der Zustand ihres Vaters, der an Demenz und Parkinson leidet. Das zwingt die beiden, aufeinander zuzugehen. Gemeinsam machen Sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Pflegeplatz für Ihren Vater.
Der Schrecken des Vergessens, Regie: Robert Allan Ackerman, Darsteller: Mia Farrow, Martin Sheen u. a., USA/Kanada 1999.
Diana ist erst Mitte 40 und steht voll im Leben, als sie beginnt, zu vergessen. Die Diagnose: Alzheimer. Nicht einmal ihrem Mann Jack mag sie sich anvertrauen. Doch bald lässt sich die Krankheit nicht mehr leugnen Der Film entstand nach der Biographie "Leben im Labyrinth" von Diana Friel McGowin, die in einer Selbsthilfegruppe gegen ihre Krankheit kämpfte.
Der Sohn der Braut, Regie: Juan José Campanella, Darsteller: Ricardo Darín, Héctor Alterio u. a., Argentinien 2001.
Rafael besitzt ein Restaurant und hat wenig Zeit, sich um seine Familie zu kümmern. Seine Mutter, die Alzheimer hat, hat er seit einem Jahr nicht mehr im Heim besucht. Da kommt sein Vater auf die Idee, sich nach 44 Jahren Ehe noch einmal mit Rafaels Mutter trauen zu lassen, diesmal kirchlich. Der alte Mann bittet Rafael um Hilfe.
Eines Tages, Regie: Iain Dilthey, Darsteller: Horst Janson, Heinrich
Schafmeister, Annekathrin Bürger u. a., Deutschland 2009.
Der Spielfilm erzählt in drei ineinander verwobenen Episoden von Menschen,
die an Demenz erkrankt sind. Den Architekten Frieder treffen die ersten
Anzeichen der Krankheit wie ein Schlag. Er distanziert sich von Familie
und Freunden. Hede befindet sich schon im fortgeschrittenen Stadium einer
Demenz. Ihre Kinder erkennen, dass ihre Mutter umfassende Pflege benötigt,
streiten aber über das Wie. Jakob ist schon lange demenzkrank. Seine Frau
Margot pflegt ihn liebevoll, gerät aber zunehmend an ihre Grenzen. Nur
langsam lernt sie, dass sie Verantwortung abgeben muss, und dass ein Platz
im Pflegeheim nicht "Abschiebung" bedeutet.
Hinweis: Der Spielfilm ist Teil des Filmratgebers Demenz für Angehörige,
den der Landschaftsverband Rheinland (LVR) herausgegeben hat. Die DVD-Box,
die auch mehrere Themenfilme mit konkreten Tipps für Betroffene enthält,
kann für 19,90 Euro online, per E-Mail oder per Post bestellt werden.
Iris, Regie: Richard Eyre, Darsteller: Judi Dench, Kate Winslet u. a., Großbritannien/USA 2001.
Das Liebesdrama "Iris" erzählt nach den Memoiren von John Bayley "Elegy for Iris: A Memoir" die Geschichte der ungewöhnlichen Liebe zwischen der gefeierten britischen Literatin Iris Murdoch und dem Literaturkritiker John Bayley. Als die Ärzte Alzheimer bei Iris feststellen, verändert sich die Beziehung. Die bislang immer bisher tonangebende Iris ergibt sich allmählich der Krankheit. Doch John ist nicht bereit, die Liebe seines Lebens kampflos aufzugeben.
Lost Memory – Killer ohne Erinnerung, Darsteller: Koen de Bouw, Werner De Smedt u. a., Belgien/Niederlande 2003.
Ein Profikiller soll ein 12-jähriges Mädchen töten, das als Zeugin einen Politiker belasten könnte. Empört jagt der Killer stattdessen den Auftraggeber. Sein Problem: Er leidet an Alzheimer. Ein doppelter Wettlauf beginnt – mit der Polizei und der Krankheit.
Mein Vater – Coming home, Regie: Andreas Kleinert/Sonja Goslicki, Darsteller: Götz George, Klaus J. Behrendt u. a., Deutschland 2002.
Im Mittelpunkt des Dramas steht die schwierige Beziehung von Jochen zu seinem dominanten Vater Richard, der an Alzheimer erkrankt ist. Jochens Frau besteht darauf, den Schwiegervater zuhause aufzunehmen und zu betreuen. Konflikte sind programmiert. Doch am Ende lernt Jochen seinen Vater lieben.
Reise in die Dunkelheit, Regie: Berthold Mittermayr, Darsteller: Peter Simonischek, Tatjana Blacher u.a., Deutschland 1997.
Nina sorgt sich um ihren Ehemann. Justus ist kaum über 50, aber seit einiger Zeit sehr vergesslich. Und er ist streitsüchtig geworden. Als Justus eines Abends den Ausgang seiner Werkstatt nicht findet, fordert Nina ihn auf, einen Arzt aufzusuchen. Doch Justus weigert sich. Er weiß längst, dass er Alzheimer hat, und schweigt.
Vergiss dein Ende, Regie: Andreas Kannengießer, Darsteller: Renate Krößner, Herrmann Beyer u. a., Deutschland 2011.
Hannelore ist ausgebrannt. Seit vier Jahren pflegt sie ihren demenzkranken Mann Klaus, der zunehmend hilfloser wird. Nach 40 Jahren Ehe erkennt er sie nicht mehr und spricht kaum noch. Eines Tages packt Hannelore ihre Sachen und flieht. "Vergiss dein Ende" ist ein sensibel inszenierter Film über den schwierigen Umgang mit Demenz in der Familie.
Wie ein einziger Tag, Regie: Nick Cassavetes, Darsteller: Ryan Gosling, James Garner u. a., USA 2004.
Allie lebt im Heim. Sie leidet an Alzheimer und kann sich weder an ihre Vergangenheit noch an ihre Familie erinnern. Ihr Ehemann Noah gibt nicht auf und liest ihr täglich aus einem verblichenen Notizbuch vor: ihre eigene Liebesgeschichte.
Ausgewählte Dokumentarfilme
Demenz verstehen, Regie: Bodo Beuchel, Darsteller: Prof. Dr. Ralf Ihl u.a., Deutschland 2011
Die ganze Bandbreite der Krankheit Demenz zu erfassen und darüber aufzuklären -das Ziel der 92-minütigen Dokumentation von Regisseur Bodo Beuchel ist ambitioniert. Für Angehörige ist es schwer sich der Demenz-Erkrankung zu nähern,
die Zusammenhänge, Ursachen und Folgen zu verstehen. Der Film enthält hilfreiche Erklärungen von Wissenschaftlern und Fachärzten, lässt Betroffene zu Wort kommen und schafft es so, den Angehörigen auch auf persönlicher Ebene nützliche Hilfestellungen an die Hand zu geben.
Der Tag, der in der Handtasche verschwand, Regie: Marion Kainz, Darsteller: Eva Mauerhoff, Deutschland 2000.
Die Regisseurin Marion Kainz beobachtet eine alte Dame, die in einem Duisburger Heim lebt und an zunehmendem Gedächtnisverlust leidet. In eindringlichem Flüsterton schildert die Alzheimer-Patientin Frau Mauerhoff die beunruhigende Welt, in der sie lebt. Sie glaubt, Opfer einer kollektiven Verschwörung zu sein.
Ilse, wo bist du? Regie: Ulrike Halmschlager, Darsteller: Ilse Halmschlager u.a., Österreich 2010.
Ilse Halmschlager hat Alzheimer. Ihre Tochter Ulrike begleitet mit der Kamera die letzten fünf Jahre ihres Lebens. Die Dokumentation gibt berührende und liebevolle Einblicke in den Alltag einer Demenzkranken und der sie pflegenden Menschen. Gleichzeitig entsteht durch ergänzende Kinder-, Jugend-, und Familienfotos sowie Super 8-Filme ein lebendiges Frauenportrait im Spiegel ihrer Zeit.
Meine Schwester Maria, Regie: Maximilian Schell, Darsteller: Maria Schell, Maximilian Schell u.a., Deutschland/Österreich/Schweiz 2002.
Der Schauspieler Maximilan Schell macht das Leben seiner berühmten Schwester Maria zum Stoff einer seiner Dokumentation. Statt Lebensstationen aneinanderzureihen, bringt sich der Bruder und Regisseur auch selbst ein, thematisiert den Prozess der Annäherung an das Phänomen Maria Schell. Dabei spart er auch die Altersdemenz nicht aus, an der Maria Schell leidet.
Villa Mathildenhöhe, Regie: Bodo Beuchel, Darsteller: Christine Wendt u.a., Deutschland 2010
Die Villa Mathildenhöhe in Darmstadt ist eine besondere Einrichtung. Dort leben demenzkranke Menschen gemeinsam in einer Wohngemeinschaft, die von ihren Angehörigen geführt wird. Die 41 Minuten lange Dokumentation rückt nah an die Villa, ihre Bewohner und die Angehörigen heran. Gemeinsames Wohnen, familiäre und freundschaftliche Nähe werden so als Garanten eines würdigen Lebens mit Demenz präsentiert. Mit Forenmoderator Klaus Pawletko kommt ein Pionier von Demenz-Wohngemeinschaften in Deutschland zu Wort.
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