Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Eine Gruppe Menschen unterschiedlichen Alters demonstrieren auf der Straße, sie halten ein Banner mit der Aufschrift Aktiv und selbstbestimmt mit Demenz

Demenz und Migration

Der Umgang mit der Erkrankung und den erkrankten Menschen ist bei Migrantinnen und Migranten je nach kultureller und religiöser Herkunft sehr unterschiedlich. In manchen Religionen wird die Sichtweise dadurch bestimmt, dass die Erkrankung als Wille Gottes oder als Prüfung gesehen wird.

Zum Teil ist die Auffassung sehr stark ausgeprägt, dass der Umgang mit der Erkrankung primär als familiäre Aufgabe betrachtet wird. Hilfe von außen wird kaum und in manchen Fällen gar nicht akzeptiert.

Kulturelle Probleme erschweren zudem die Kommunikation. Diagnosen sind oft schwierig oder Betroffene und deren Familien verzichten wegen sprachlicher Probleme, aus Scham, Angst, Hemmung und Unwissen auf eine Diagnose.

Hinzu kommt, dass es bundesweit nur wenige Versorgungsangebote gibt, die speziell an die Bedürfnisse demenziell erkrankter Menschen mit Migrationshintergrund angepasst sind. Vorhandene Angebote sind oft nicht bekannt und/oder werden nicht oder kaum in Anspruch genommen.

Das Projekt „Nasch Dom“ soll dazu beitragen, die kultursensiblen Versorgungs- und Pflegeangebote auszubauen. Das Projekt will interkulturelle Kompetenzen fördern und richtet sich im Kern an die Gruppe der russischsprachigen Migranten und Migrantinnen sowie deren Migrantenorganisationen.

Daten und Fakten

Im Jahr 2012 betrug die Zahl der in Deutschland lebenden über 64-jährigen Menschen mit Migrationshintergrund etwa 1,6 Millionen. Die Zahl wird nach Schätzungen bis zum Jahr 2030 auf circa 2,8 Millionen anwachsen. Unter den älteren Menschen mit Migrationshintergrund bilden derzeit Spätaussiedler und Migranten aus Mittel- und Osteuropa die mit Abstand größte Gruppe. Die Anzahl der über 65jährigen russischsprachigen Migrantinnen und Migranten ist deutlich größer als die der älteren türkischstämmigen Migrantinnen und Migranten.

Nasch Dom

Um an Demenz erkrankte Menschen betreuen, versorgen und pflegen zu können, muss der erkrankte Menschen als Individuum vor dem Hintergrund seiner Biografie gesehen und die Pflege auf seine Bedürfnisse abgestimmt werden. Man nennt das kultursensible Versorgung und Pflege. Das gilt für Menschen mit Migrationshintergrund genauso wie für Menschen ohne.

Da Menschen mit Migrationshintergrund aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen und oft eine andere Muttersprache erlernt haben als die deutsche - in die sie mit fortschreitender Erkrankung häufig zurückfallen - sind bei ihrer Versorgung interkulturelle Kompetenzen, Sprachkenntnisse, Neugier und Toleranz wichtige Voraussetzungen.

Hier setzt das Projekt „Nasch Dom“ an. Es richtet sich im Kern an die Gruppe der russischsprachigen Migranten und Migrantinnen sowie deren Migrantenorganisationen. Ziel des Projektes ist die Professionalisierung und Qualifizierung der Migrantenselbstorganisationen im Bereich Seniorenarbeit und Pflege. Auch die Vernetzung mit anderen lokalen Angeboten ist Teil der Projektarbeit. Dies ist erforderlich, um bestehende Versorgungsstrukturen für an Demenz erkrankte Migrantinnen und Migranten besser zugänglich zu machen und kultursensible bedarfsgerechte Angebote aufzubauen. Dabei ist die Einbindung von seit Jahren bundesweit erfolgreich arbeitenden Organisationen unverzichtbar. Migrantenorganisationen sind das unverzichtbare Bindeglied zu den Migrantenfamilien. Sie genießen in aller Regel ein hohes Maß an Vertrauen und haben Einblicke in die Lebensrealität älterer Migrantinnen und Migranten sowie ihrer Familien.

Der Abbau von Barrieren und der Aufbau passender Angebote können jedoch nur durch die aktive und verantwortliche Einbeziehung von Migrantinnen und Migranten erfolgreich sein. Um den Prozess der kultursensiblen Versorgung voranzutreiben, fördert das Bundesfamilienministerium das Projekt „NASCH DOM“.

Rat und Hilfe von Gleichgesinnten

Der Kontakt zu Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, mit der eigenen Situation besser zurechtzukommen. Vernetzung spielt eine ebenso große Rolle wie professionelle Beratung. Beratungsstellen, lokale Alzheimer-Gesellschaften oder Wohlfahrtsverbände bieten häufig Selbsthilfegruppen für Angehörige von Demenzkranken an. Unser Angehörigen-Weblog bietet hier eine Plattform für den persönlichen Austausch, der hilfreich sein kann.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Rat und Hilfe erhalten Sie hier:
Rat und Hilfe

Grafik BriefumschlagGrafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker