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Ein Mann unterhält sich mit einer älteren Frau in der Küche, es ist eine weitere ältere Frau zu sehen

Medizinische Behandlung

Jeder Mensch hat das Recht, über seine Krankheit aufgeklärt zu werden. Gleichzeitig darf er oder sie entscheiden, ob er oder sie die Diagnose mitgeteilt bekommen möchte oder nicht. Auch bei medizinischen Eingriffen ist der Wille der Demenzkranken oder ihrer rechtlichen Vertretung maßgeblich. Ärztinnen und Ärzte dürfen nicht gegen die Wünsche ihrer Patienten handeln.

Menschen, die mit Verdacht auf Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz zu ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin gehen, haben das Recht, mit ihren Sorgen und Nöten ernst genommen zu werden. Dazu gehört zu allererst die Diagnose. Einer Vergesslichkeit muss medizinisch genau auf den Grund gegangen werden. Erhärtet sich der Verdacht auf Demenz, müssen die Ursachen genau geklärt und die Kranken gegebenenfalls an Fachärzte überwiesen werden. Auch Gedächtnisambulanzen sind eine gute Anlaufstelle. Sie bieten Spezialsprechstunden zu Gedächtnisstörungen, aber auch die komplette Diagnostik an. Hier können Betroffene eine Diagnose nochmals überprüfen lassen.

Recht auf Wissen und Nichtwissen

Demenzpatienten haben das Recht auf Diagnose und umfassende Aufklärung. Ebenso dürfen sie darauf bestehen, nichts oder erst nach und nach mehr über ihre Krankheit zu erfahren. Grundsätzlich gilt: Angehörige dürfen nur mit Einverständnis der Betroffenen informiert werden. In keinem Fall sollten Demenzkranke mit der Diagnose alleingelassen werden. Jeder gute Arzt und jede gute Ärztin wird sich die Zeit nehmen, ausführlich zu beraten und auf unterstützende Angebote hinzuweisen.

Dem Recht auf Diagnose folgt das Recht auf angemessene medizinische Behandlung. Ein dahingeworfenes "Da kann man nichts machen" sollten Betroffene auf keinen Fall akzeptieren. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, alle Behandlungsmöglichkeiten samt Risiken und Erfolgschancen zu erläutern. Dabei dürfen Demenzkranken keine Maßnahmen aufgezwungen werden, nur weil die Mediziner sie für richtig halten. Oberste Priorität hat immer der Wille des Patienten. Allerdings dürfen Ärzte und Ärztinnen gewünschte Behandlungsformen ablehnen, wenn sie diese nicht vertreten können. Demenzkranke sollten dann eine andere Praxis aufsuchen oder – wenn akuter Behandlungsbedarf besteht – eine Überweisung verlangen.

Der Wille der Kranken zählt

Im Verlauf der Krankheit wird es für Demenzkranke immer schwieriger mitzuteilen, wie sie behandelt werden wollen. Mediziner müssen dennoch vor jeder Behandlung die Einwilligung der Betroffenen einholen. Sie dürfen nicht einfach im Alleingang entscheiden, sonst machen sie sich schlimmstenfalls der Körperverletzung strafbar. Mit einer Patientenverfügung können Demenzkranke ihren Willen im Vorfeld schriftlich festhalten. Im Ernstfall sind Ärztinnen und Ärzte allerdings dazu verpflichtet abzuwägen, ob die dort geäußerten Wünsche noch mit dem mutmaßlichen aktuellen Willen der Betroffenen übereinstimmen. Außerdem müssen sie die Entscheidung der bevollmächtigten Vertreter oder rechtlichen Betreuer berücksichtigen. Können sich die Beteiligten nicht über den Willen der Patienten einigen, muss das Betreuungsgericht entscheiden. Es muss gefragt werden, wenn Behandlungen anstehen, die einen gesundheitlichen Schaden hervorrufen können.

Palliativmedizin

Die Palliativmedizin hilft Kranken in einem fortgeschrittenen, unheilbaren Stadium. Sie unterstützt vorrangig deren Lebensqualität, indem sie Schmerzen und andere Beschwerden lindert. Ihr Ziel: ein Sterben in Würde und mit menschlicher Zuwendung statt Lebensverlängerung um jeden Preis.

Lebenserhaltende Maßnahmen

Lehnen Betroffene lebenserhaltende Maßnahmen ab, können Ärzte in Konflikt mit ihrem hippokratischen Eid geraten. Akut wird dies beispielsweise, wenn Demenzkranke ohne Magensonde (PEG) kein Essen mehr aufnehmen können. Ohne rechtswirksame Einwilligung dürfen Ärzte solche Eingriffe nicht vornehmen – auch wenn sie die Zwangsernährung für medizinisch notwendig halten. Sie können jedoch versuchen, ihre Patienten und deren bevollmächtigte Angehörige zu überzeugen – auch indem sie ausführlich auf deren Fragen eingehen.

In Würde sterben

Wenn Demenzkranke im Sterben liegen, verschieben sich die Gewichte. Statt ihr Leben um jeden Preis zu verlängern, dürfen Ärzte, wenn es dem Willen des Patienten entspricht, dazu übergehen, vorrangig Leiden zu lindern – auch wenn der Tod dadurch eher eintritt. Um den Betroffenen ein möglichst sanftes Sterben zu ermöglichen, verabreichen Ärzte dann nur noch Medikamente gegen Symptome wie Schmerzen, Angst, Atemnot und Verwirrtheit.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Grundsätzlich haben Demenzkranke das Recht auf eine fundierte Diagnose.
  • Sie haben auch das Recht auf eine (fach-)ärztliche Behandlung.
  • Der Wille der Kranken hat immer Priorität vor dem Willen der Ärzte oder den Wünschen Angehöriger.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Lebenserhaltende Maßnahmen finden Sie im Weblog-Beitrag Kein Druck, kein Zwang, keine Tricks.

 

 

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