Projekte der Bundesregierung
Die Zahl der Menschen, die an Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz erkranken, nimmt stetig zu. Sie alle sollen bestmöglich behandelt, betreut und versorgt werden. Diese immense Herausforderung kann die Gesellschaft nur bewältigen, wenn innovative Ansätze und Konzepte Lösungen aufgezeigt werden. Die Bundesregierung stellt Fördermittel für Projekte und Studien zur Verfügung.
Seit Jahren fließen hohe Summen in wissenschaftliche Projekte, die die Situation Demenzkranker und ihrer Angehörigen verbessern helfen. Vor allem die Bundesministerien für Gesundheit (BMG), für Bildung und Forschung (BMBF) sowie für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) engagieren sich für Demenzkranke und ihre Angehörigen. Allein das Bundesfamilienministerium hat zwischen 2006 bis 2009 rund 3,4 Millionen Euro ausgegeben. Für die Jahre 2010 bis 2012 sind weitere drei Millionen Euro geplant.
Was die Bundesregierung fördert:
Kompetenznetz Demenzen
Vierzehn psychiatrische Universitätskliniken und ihre Gedächtnissprechstunden bilden das Kompetenznetz Demenzen. Gemeinsam wollen sie Frühdiagnostik, Therapie und Versorgungsstrukturen für Demenzkranke verbessern und die breite Öffentlichkeit, Fachkräfte sowie Betroffene über Demenzerkrankungen informieren. Um den Austausch zwischen Forschung und Praxis zu verbessern, sind auch regionale geriatrische Klinikabteilungen, niedergelassene Fach- und Allgemeinärzte, Selbsthilfegruppen pflegender Angehöriger und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft am Kompetenznetz beteiligt. Das BMBF hat das Projekt von 2002 bis 2009 gefördert.
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen
Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in der Helmholtz-Gemeinschaft (DZNE) erforscht die Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen und sucht nach Möglichkeiten der Prävention und Behandlung. An seinen bundesweit acht Standorten kombiniert das DZNE Grundlagenforschung, klinische Forschung sowie Versorgungs- und Pflegeforschung. Das Zentrum hat seine Arbeit im April 2009 aufgenommen und wird vom BMBF gefördert.
Leuchtturmprojekt Demenz
Damit Menschen mit Demenz die bestmögliche medizinische und pflegerische Versorgung erhalten, hat das BMG das "Leuchtturmprojekt Demenz" ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, hervorragende Versorgungsangebote auszuwählen und weiterzuentwickeln. Außerdem geht es darum, pflegerische und medizinische Versorgungsformen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist, auch anzuwenden. Weiterbildungen sollen die in der Versorgung Engagierten und beteiligte Berufsgruppen erreichen. Vertreter relevanter Fachinstitutionen von Interessenverbänden, Bundesministerien sowie aus den Ländern sind über ein Plenum eingebunden. Die 29 Einzelprojekte des Leuchtturmprojekts Demenz sind zwischen 2008 und 2009 mit insgesamt 13 Millionen Euro gefördert worden und werden bis zur Abschlussveranstaltung am Welt-Alzheimertag 2010 weiter unterstützt.
Rahmenempfehlungen bei herausforderndem Verhalten
Häufig stellt schwieriges Verhalten Demenzkranker das Pflegepersonal vor große Herausforderungen. Aggressionen, Umherwandern oder Orientierungsprobleme erschweren den Umgang mit den Betroffenen. Im Auftrag des BMG haben das Institut für Pflegewissenschaften der Universität Witten/Herdecke und die KDA Forschungs- und Beratungsgesellschaft für Altenhilfe mbH Rahmenempfehlungen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz in der stationären Altenhilfe entwickelt. Diese stellen Demenzkranke in den Mittelpunkt des Pflegeprozesses und stehen Pflegekräften zur Qualitätssicherung der Pflege zur Verfügung.
Auswertung der Besonderen stationären Dementenbetreuung
In Hamburg wurden 1999 750 Plätze in Pflegeeinrichtungen so umgestaltet, dass sie den Bedürfnissen verhaltensauffälliger schwerstdementer Menschen Rechnung tragen. Die Unterbringung erfolgt dabei nach zwei Prinzipien: Im Domusmodell leben nur Demenzkranke in entsprechend gestalteten Räumen zusammen, im Integrationsmodell leben sie mit Nichtdemenzkranken zusammen, gehen aber tagsüber für einige Zeit in spezielle Betreuungsgruppen. Die Arbeitsgruppe Psychogeriatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim hat die Situation von Menschen mit Demenz in beiden Hamburger Einrichtungen mit der in traditionell integrativen Mannheimer Pflegeheimen verglichen Die Ergebnisse der Auswertung der Besonderen stationären Dementenbetreuung (BestDEM) zeigten unter anderem, dass das Integrationsprinzip die Demenzkranken aktiver werden lässt als im Domusmodell oder den traditionellen Wohngemeinschaften. In allen Hamburger Einrichtungen waren, im Vergleich zu den traditionellen Mannheimer Einrichtungen, die Stimmung und die Versorgung gerontopsychiatrischer Patienten besser, das Personal weniger gestresst.
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DEMIAN – Positive Erlebnisräume
Menschen mit Demenz verfügen bis ins späte Stadium hinein über persönliche Vorlieben und individuelle Werte. Diese sind verbunden mit der Lebensgeschichte und dem sozialen Umfeld. Gehen Pflegende auf diese Werte ein, bleiben Persönlichkeit und Autonomie der Betroffenen länger erhalten. DEmenzkranke Menschen in Individuell bedeutsamen AlltagssituationeN (DEMIAN) ist ein vom BMBF gefördertes Konzept, das dieser Tatsache Rechnung trägt. Es erfasst mithilfe der Pflegenden und Angehörigen bedeutsame Alltagssituationen, in denen Demenzkranke Positives wie Freude und Entspannung erleben können. Ziel ist es, daraus Strategien für die Pflegenden zu entwickeln, wie sie solche Situationen bewusst herbeiführen können.
H.I.L.DE. – Lebensqualität demenzkranker Menschen
Das Forschungsprojekt H.I.L.DE. (Heidelberger Instrument zur Erfassung der Lebensqualität Demenzkranker in stationären Einrichtungen) hat ein Verfahren entwickelt, um Stimmung und Erleben demenzkranker Menschen auch dann verstehen zu können, wenn sich die Erkrankten nicht mehr eindeutig verständlich machen können. Individuelle Vorlieben und Fördermöglichkeiten können gezielt genutzt werden, um Pflegenden zu helfen, die Lebensqualität Demenzkranker zu verbessern. H.I.L.DE. hat sich bereits in über 700 Einrichtungen bewährt und wurde vom BMFSFJ gefördert. Instrumente und Anwenderhandbuch sind veröffentlicht und zur Nutzung freigegeben.
CarenapD – Verbesserung der ambulanten Versorgung
Noch ist das Wissen darüber gering, wie die optimale ambulante Unterstützung für Demenzkranke aussehen sollte. CarenapD steht für "care needs assessment pack for dementia", zu Deutsch: Ermittlung des Pflegebedarfs bei Demenz. Das Verfahren erfasst mittels eines standardisierten Fragen- und Datenerhebungskatalogs, welche Hilfe eine von Demenz betroffene Familie konkret braucht. Liegen die Ergebnisse vor, werden die befragten Familien den gewonnenen Erkenntnissen entsprechend direkt unterstützt. Gleichzeitig dient die Datenerhebung dazu, generelle und möglichst repräsentative Aussagen über Personen mit Demenz im häuslichen Umfeld machen zu können. Ziel ist es, die häusliche Pflege Demenzkranker zu optimieren und so ihre Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehört auch, die potenzielle Überlastung von Angehörigen frühzeitig zu erfassen und auszugleichen. Das Verfahren stammt aus Schottland. Es ist von der Universität Witten/Herdecke in Deutschland erprobt und vom BMFSFJ gefördert worden.
ReduFix – Bewegungsfreiheit für Demenzkranke
Demenzkranke, die sich selbst oder andere gefährden könnten, werden in der pflegerischen Praxis häufig im Bett oder am Stuhl festgegurtet. Das Projekt ReduFix (Reduktion von körpernaher Fixierung bei Demenzkranken in Heimen) zeigt, dass auf diese entwürdigende Maßnahme weitgehend verzichtet werden kann, wenn Alternativen zur Verfügung stehen. Absenkbare Betten verringern beispielsweise das Risiko, dass alte Menschen stürzen, wenn sie aufstehen möchten, Hüftprotektoren schützen vor Hüft- oder Schenkelhalsbrüchen. Hilfreich ist es auch, wenn Pflegekräfte und Angehörige erkennen, warum Demenzkranke sich auf eine bestimmte Weise verhalten, und darauf eingehen. ReduFix ist ein Projekt der Evangelischen Fachhochschule Freiburg und des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart. Es wurde ebenso vom BMFSFJ gefördert wie das Folgeprojekt ReduFix Praxis, das die Erkenntnisse und Maßnahmen über ein lernendes Netzwerk verbreitet.
LEANDER – Studie zur Belastung Angehöriger
In einer Längsschnittstudie zur Belastung pflegender Angehöriger von demenziell Erkrankten (LEANDER) ist ein Fragebogen (BIZA-D) entwickelt worden, der tatsächliche, individuelle Belastungen erfasst, die durch die häusliche Pflege entstehen. Die Belastungssituation kann über eine längere Zeit beschrieben werden. Voraussagen zu Überlastungsreaktionen werden ermöglicht. So lässt sich feststellen, wo genau pflegende Angehörige Unterstützung benötigen und wie Entlastungsangebote gestaltet sein müssen. LEANDER ist ein Projekt der Freien Universität Berlin und der Universität Siegen, gefördert vom BMFSFJ.
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Qualitätssicherung in "Demenz-WGs"
Demenz-WGs erleben einen Boom. Viele sind jedoch inzwischen weniger an den Interessen der Bewohner als an denen des Pflegedienstes orientiert. Das Projekt Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz hat deshalb Qualitätskriterien für WGs aufgestellt und Verfahren zu deren Überprüfung entwickelt. Ziel ist eine bundesweite Standardisierung dieser Gütekriterien. Die in der Checkliste formulierten Fragen und Kurzdarstellungen sollen eine Hilfestellung bieten, ein "Wohngemeinschafts-Projekt" zu beraten und zu beurteilen Das bundesweite Modellprojekt der Freunde alter Menschen e.V. und der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg ist vom BMFSFJ gefördert worden. Nach Abschluss des Projekts wird der Erfahrungsaustausch der Vertreter aus den Ländern und der Praxis weitergeführt.
Wohngruppen für Menschen mit Demenz
Der Verein "Netzwerk Wohngruppen für Menschen mit Demenz" vernetzt bestehende "Demenz-WGs" im Raum Freiburg und begleitet die Gründung neuer Wohngemeinschaften. Die Grundlage dafür sind verbindliche Qualitätsvereinbarungen. Mit seiner Arbeit setzt das Netzwerk die erfolgreiche Arbeit des Freiburger Modells fort, einem Projekt der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, gefördert vom BMG und vom BMFSFJ.
Kooperation Alzheimer Gesellschaften und Mehrgenerationenhäuser Mehrgenerationenhäuser sind generationenübergreifende Begegnungsstätten, die zunehmend auch Demenzkranken und ihren Angehörigen offenstehen. Das erfordert spezielle Angebote und Schulung. Die vom BMFSFJ initiierten Mehrgenerationenhäuser kooperieren deshalb mit den regionalen Alzheimer Gesellschaften. Die Partner wollen Hilfen für Betroffene anbieten und vermitteln, das bürgerschaftliche Engagement für Demenzkranke und ihre Angehörige fördern, über Alzheimer und Demenz informieren, Begegnungen zwischen Demenzkranken und geistig Gesunden erleichtern und Betroffenen Gelegenheit geben, sich selbst einzubringen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. entwickelt dazu einen Leitfaden.
Allein lebende Demenzkranke – Schulung in der Kommune
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. möchte für die schwierige Lebenssituation allein lebender Demenzkranker sensibilisieren, damit diese länger in der gewohnten Umgebung bleiben können. Im Rahmen des vom BMFSFJ geförderten Projektes wurden Interviews mit Betroffenen geführt und Recherchen nach bestehenden Unterstützungsformen und Konzepten für allein lebende Demenzkranke durchgeführt. Aus den dadurch erkannten Problemlagen sind Schulungsmaterialien für Personen entstanden, die in ihrem Arbeitsalltag mit Menschen mit Demenz in Kontakt kommen – etwa für die Polizei, Bankangestellte, Feuerwehrleute, Einzelhändler sowie Nachbarinnen und Nachbarn, Vereins- und Gemeindemitglieder.
DeSS orientiert – Neues Wissen für die Praxis
DeSS orientiert ist das Online-Journal der Demenz Support Stuttgart und erscheint zweimal jährlich. Ziel der Publikation ist es, internationale, insbesondere englischsprachige Fachzeitschriften und Monografien auszuwerten und den aktuellen Diskussionsstand in die deutsche Versorgungslandschaft hineinzutragen. Jede Ausgabe von DeSS orientiert widmet sich einem thematischen Schwerpunkt und beleuchtet ihn mit umfassenden Berichten, Interviews mit Expertinnen und Experten sowie Praxisbeispielen. Das Journal wird vom BMFSFJ gefördert.
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