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DAS WEBLOG

Aus dem Pflegealltag fürs Leben lernen

Hanni Alberts am 02.05.2012, 00:00 | 0 Kommentare

Ich kenne den oft zermürbenden Pflegealltag mit seinen zahlreichen Tiefen und den wenigen Höhen aus eigener Erfahrung: Ich habe meine demenzkranke Mutter gepflegt, erst zu Hause und nach einem Jahr unterstützend in einem Pflegeheim, bevor sie starb. Ich kann sie noch immer spüren, die Wut und den Groll über die Tatsache, dass meine Mutter irreparabel geistesverwirrt war und die vielen Momente der Verzweiflung. Doch diese harte Zeit hat mich auch vieles gelehrt, was mein Leben grundlegend veränderte. Aus heutiger Perspektive war die Pflege meiner Mutter ein Meilenstein für meine persönliche Entwicklung.

Ich war damals 45 Jahre, beruflich erfolgreich und alles lief in geordneten Bahnen, ich fühlte mich sozusagen erwachsen, körperlich und geistig. Meine Schwächen waren mir, bis auf meine Ungeduld, nicht offensichtlich und ich hatte auch keinerlei Motivation, mein Denken und Handeln in Frage zu stellen.

Erst die Demenzerkrankung meiner Mutter öffnete mir die Augen für die wirklich wichtigen Dinge, wie zum Beispiel im "Hier und Jetzt" zu leben. Meine eigenen Lernfelder wurden mir bewusst – ich werde davon noch berichten. Heute möchte ich über das Leben im "Jetzt" schreiben, den einzigen Moment, der wirklich stattfindet.

In Gedanken meist im Gestern und Morgen, statt im Heute

Durch meine Erfahrung in der Pflege meiner Mutter habe ich gelernt, mehr im Heute zu leben. Wenn meine Mutter mal einen ihrer klaren Momente hatte, war ich ganz aufmerksam und habe diesen kurzen Zeitraum ganz bewusst wahrgenommen, da im nächsten Moment schon alles wieder vorbei sein konnte. Eine Änderung der Gefühlslage oder ein weiterer Krankheitsschub konnten abrupt einsetzen und ihr Verhalten komplett ändern.

Früher war ich meistens gedanklich unterwegs, mit der Problembewältigung von Gestern oder der Planung des Morgens, beschäftigt. In der Gegenwart verweilte ich nur kurzzeitig. Diese Handlungsweise wurde mir erst mit der Demenzerkrankung meiner Mutter bewusst. Sie lebte nur für diesen einen Moment und gab sich diesem total hin. Für sie gab es kein Gestern und Morgen, es zählte nur das Jetzt.

Ich habe von ihr gelernt, meine Aufmerksamkeit mehr den Dingen, die gerade geschehen, zu widmen und achtsam mit meiner Zeit umzugehen. So lebe ich heute viel präsenter in meinem Alltag und gehe auch so mit meinen Mitmenschen um. Es gibt schließlich keine Zeit für uns, die nicht Jetzt ist!

Hanni Alberts ist Diplom-Ökonomin und arbeitet als freie Autorin in Hessen. Ihre Erfahrungen mit der Pflege ihrer demenzkranken Mutter und deren Tod hat sie in einem autobiographischen Ratgeber für Angehörige von Menschen mit Demenz niedergeschrieben.
Wenn Sie mehr lesen wollen: www.HanniAlberts.de

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