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DAS WEBLOG

Märchenkunsttherapie Teil 1

Claudia Büeler am 31.10.2011, 13:01 | 1 Kommentar

Meine kunsttherapeutischen Projekte sind spezielle Angebote für Demenzkranke. Ich setze sie in ihrem Umfeld als kreative Dialoge ein. Im Mai dieses Jahres war ich bereits zum siebten Mal in einem Kölner Seniorenheim zu Gast, für das ich das Projekt "Märchenkunsttherapie-Dornröschen" entwickelt habe. Durch gemeinsames kreatives Gestalten und Erleben und durch den Einsatz verschiedener Materialien und Techniken will ich die Teilnehmer anregen, sich mit dem Märchen aktiv auseinanderzusetzen. Die Kernidee für die Gestaltung sollte sein, einen Wunsch für jemanden zum Ausdruck zu bringen. Der Wunsch sollte möglichst konkret sein.

In den Vorjahren war mir in diesem Heim aufgefallen, dass die Distanz zwischen den geistig gesunden und den demenzkranken Bewohnern sehr groß ist, obwohl die Wohnbereiche nicht getrennt sind. Darum hatte ich alle Bewohner des Heims eingeladen, an dem einwöchigen Projekt teilzunehmen. Viele der Demenzkranken kannte ich inzwischen recht gut. Obwohl mein letzter Besuch ein Jahr zurücklag, war eine Art Vertrautheit gewachsen. Fünf Tage lang haben wir das Märchen "Dornröschen" wie ein Ritual vorgelesen, dann gespielt, gemalt und gestaltet. Wir bauten eine Kulisse, trugen passende Utensilien zusammen – künstliche rote Rosen, eine Schaufensterpuppe, viele schöne Kleider, Zauberhüte, ein Spinnrad, eine Babypuppe – und spielten abwechselnd die 13 Feen mit Hilfe der Puppen und Verkleidungen.

Kulisse für das Märchenkunsttherapie-Projekt "Dornröschen" im Kölner Seniorenheim
Kulisse für das Märchenkunsttherapie-Projekt "Dornröschen" im Kölner Seniorenheim

Zu Anfang mahnte mich eine der alten Damen streng, Märchen seien für Kinder und nicht für 90-jährige Alte. Meine Erwiderung: In früheren Zeiten waren es meistens alte Leute, die Märchen erzählt haben. Außerdem beinhalteten Märchen sehr viele Botschaften, die wir uns während des Projekts erschließen würden. Die alte Dame kam schließlich jeden Tag dazu. Auch Bewohner, die zunächst nur beobachtet hatten, gesellten sich zu uns. Bald saßen auch schwer demente Menschen in unserer Runde, die Beiträge im Rahmen ihrer Möglichkeiten leisteten und Freude am  Mitmachen hatten.

Foto der Weblogautorin Claudia Büeler
Foto: Claudia Büeler

Claudia Büeler leitet eine kunsttherapeutische Praxis mit Sitz in Düsseldorf. Die zweifache Mutter hat sich auf die Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen spezialisiert. Seit 2003 besucht sie Altenheime und führt Projekte vor Ort durch. Die dabei entstandenen Werke waren bereits auf Ausstellungen zu sehen. Sie arbeitet mit verschiedenen Trägern, Fachhochschulen und Bildungseinrichtungen zusammen, gibt Workshops und Beratungen.

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Märchenkunsttherapie Teil 2

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1 Kommentar

Maria W. am 18.03.2012, 17:28 hallo,
ich arbeite mit meiner gruppe in der schule an einer Facharbeit mit dem thema "psychologische Wirkung von Märchen auf Demenzkranke" ,dafür suchen wir nach einem Film (egal welcher art) oder beiträgen im internet, welche es ermöglichen die wirkung, durch ein bestimmtes vorgelesenes märchen,zu beobachten, um anhand dessen die wirkung selbst zu analysieren.
Da es eher schwer ist selbst solch ein projekt, bei dem man demenzkranken ein märchen vorliest (über einen längegeren zeitraum), durchzuführen, aufgrund fehlender psychologischer kenntnisse, wäre es sehr hilfreich, wenn sie uns nähere beobachtungen beschreiben würden, wie das märchen auf die alten Menschen wirkt. Wäre von großer Wichtigkeit für unsere Arbeit.

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