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Mit Demenz leben: Was kann die Beziehung entlasten?

Synan Al Hashimy am 29.09.2016, 13:42 | 0 Kommentare

Wie entlastet man Angehörige, die sich um einen Menschen mit Demenz kümmern und mit ihm leben?

Mit Demenz leben: Was kann die Beziehung entlasten?

Entlastung ist etwas, das ein Angehöriger dringend braucht, wenn er sein von Demenz betroffenes Familienmitglied betreut und versorgt – das wissen wir inzwischen alle. Entlastung kann jeder von uns aber ganz unterschiedlich empfinden. Sie kann auch auf unterschiedliche Weise erfolgen und von jedem Belasteten anders empfunden werden: Einige Zeit am Tag nur für sich zu haben, kann entlasten. Mit dem Demenzkranken unbeschwerte Erlebnisse zu haben, kann entlastend wirken. Ebenso, Aggressionen, Launenhaftigkeit oder Traurigkeit nicht fortwährend ertragen oder auffangen zu müssen. Ein kleiner Beitrag zur Verbesserung der eigenen Lebensqualität kann für viele schon Entlastung bedeuten.

Die pflegenden Angehörigen, die eine Rehabilitation

Dient dazu, den Gesundheitszustand mithilfe von Physio- und Ergotherapie und klinischer Psychologie zu erhalten oder verbessern. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen.
Rehabilitation
bei uns durchführen, haben oft ganz bestimmte Vorstellungen davon, was für sie Lebensqualität im Zusammensein mit ihrem demenzkranken Partner oder Elternteil bedeutet. Manche davon klingen für Außenstehende fast schon banal oder geradezu bescheiden: Ich wünsche mir, dass mein Vater nicht gleich zuschlägt, wenn ich ihm das Gesicht waschen möchte. Ich will nicht mehr ständig die Gute-Laune-Tante spielen, auch wenn mir gerade zum Heulen ist. Wäre mein Mann doch nur ein bisschen ausgeglichener, dann würde mir alles schon viel leichter fallen. Ich ertrage dieses Auf und Ab der Gefühle kaum noch.

Eine Form der Entlastung also kann sich darin zeigen, dass man versucht, die enge Pflegesituation zu entspannen, in der sich der von Demenz betroffene Mensch und sein Angehöriger tagtäglich und rund um die Uhr befinden. Wie das gelingen kann, darüber haben sich bereits viele Experten jede Menge Gedanken gemacht. Ein Forschungsteam um Prof. Elmar Gräßel an der Uni Erlangen z. B. hat für Tagespflegeeinrichtungen eine nichtmedikamentöse Aktivierungstherapie namens MAKS entwickelt und in zwei wissenschaftlichen Studien deren positive Wirkungen auf die kognitiv eingeschränkten Teilnehmer nachweisen können. Die Abkürzung MAKS fasst die Bereiche zusammen, in denen die Fähigkeiten der Teilnehmer gefördert werden: motorische, alltagspraktische, kognitive und soziale. Die Aktivierungstherapie soll nicht nur den Betroffenen selbst helfen, Fähigkeiten zu erhalten, sondern auch gezielt ihre Stimmung heben, ihr soziales Verhalten fördern und herausforderndes Verhalten mindern. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich dies auch positiv für die Angehörigen auswirkt.

Die bisher ausgewerteten Daten zeigen eindeutig, dass unter Anwendung der MAKS-Therapie eine Stabilisierung der kognitiven (Denk-)Fähigkeiten eintritt, im Vergleich zu Gruppen ohne MAKS, wo ein - dem Krankheitsbild entsprechender - weiterer Abbau der kognitiven Fähigkeiten eintritt.  Weitere Auswertungsschritte stehen noch aus.

Wir wenden die MAKS Therapie ebenfalls an, und zwar in unserem Angehörigenbereich: Hier wohnen die demenzbetroffenen Begleitpersonen, die unsere Patienten (pflegende Angehörige) zur Rehabilitation

Dient dazu, den Gesundheitszustand mithilfe von Physio- und Ergotherapie und klinischer Psychologie zu erhalten oder verbessern. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen.
Rehabilitation
in die Klinik mitbringen können. Betreut von einem Team aus Pflegekräften und Therapeuten. Sie führen die MAKS-Therapie täglich mit den demenzbetroffenen Begleitpersonen durch, jeweils zwei Stunden vormittags und nachmittags. Auch hier haben wir schon Effekte feststellen können: Die meisten von ihnen werden umgänglicher, das heißt also, ihr soziales Verhalten und ihre Stimmung verbessert sich spürbar und auch Personen mit herausforderndem Verhalten werden zunehmend verträglicher.

Wie wohltuend sich dies auf die Beziehung zum pflegenden Angehörigen auswirkt, wenn sich auch andere Menschen mit dem Demenzbetroffenen beschäftigen, das erzählen mir meine Patienten oft schon nach wenigen Tagen in der Visite oder bei Therapiegesprächen. Tagespflegeangebote mit oder ohne MAKS, Betreuungsgruppen, ein Spaziergang oder gemeinsam Musik hören und singen – all das sind wirksame Entlastungsangebote für die Angehörigen. Wichtig ist es vor allem, pflegenden Angehörigen zuzuhören und herauszufinden, welche Form der Entlastung dazu beitragen kann, ihre Lebensqualität zu verbessern.

Deshalb bin ich davon überzeugt, dass Familienangehörige, Freunde und Nachbarn von pflegenden Angehörigen nur richtig hinhören müssen, um herauszuhören, was dem Pflegenden helfen und ihn entlasten könnte! Eine Stunde pro Woche Zeit mit dem Demenzbetroffenen? Wenn dies nur fünf Personen im Umfeld anbieten würden, wäre oft schon etwas erreicht, das helfen könnte, die Pflegesituation ein wenig zu entspannen. Mein Appell: Schauen Sie nicht weg, sondern schauen Sie hin. Überwinden Sie Ihre Unsicherheit und fragen Sie die Angehörigen, wie Sie dem Demenzbetroffenen begegnen sollen. Besuchen Sie doch einmal ein Demenz-Café oder eine Informationsveranstaltung zum Thema Demenz.

Foto des Weblogautors Synan Al-Hashimy
Foto: Lutz Roeßler

Synan Al-Hashimy leitet als Chefarzt das im Januar 2012 gegründete Alzheimer Therapiezentrum (ATZ) in Ratzeburg, Schleswig-Holstein. Hier werden pflegende Angehörige von Demenzkranken im Rahmen einer stationären Rehabilitation

Dient dazu, den Gesundheitszustand mithilfe von Physio- und Ergotherapie und klinischer Psychologie zu erhalten oder verbessern. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen.
Rehabilitation
behandelt. Demenzkranke Angehörige werden auf Wunsch mit aufgenommen, versorgt und gefördert. Mit seiner Ausbildung und Berufserfahrung zählt Synan Al-Hashimy zu einem kleinen Expertenkreis: Er verfügt über Facharztabschlüsse in Psychotherapeutischer Medizin sowie in Psychiatrie und Psychotherapie mit Zertifikat Gerontopsychiatrische Grundversorgung sowie Abschlüsse in vier anerkannten Psychotherapieverfahren. Der Fachmann für Demenzen mit psychiatrischen Auffälligkeiten kennt die besonderen Belastungen, denen Angehörige im Zusammenleben mit Demenzkranken ausgeliefert sind. Für ihn steht fest: Eine Demenz erzeugt immer zwei Patienten, den Betroffenen und seinen betreuenden Angehörigen.

Internet Links

Kontakt und Beratung Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg:
Schmilauer Straße 108, 23909 Ratzeburg, Telefon: 04541 133820

E-Mail
Webseite: www.alzheimertherapiezentrum.de

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