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Unser Glück mit Paulina

Jürgen Günter am 01.12.2014, 13:58 | 1 Kommentar

Wenn an Demenz erkrankte Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag zu bewältigen, müssen die Angehörigen oftmals eine Lösung finden. Nachdem bei Joachim Demenz diagnostiziert wurde, machte sich die Familie Sorgen wie es weitergehen soll. Die Familie entschied sich für eine 24-Stunden-Pflege.

Unser Glück mit Paulina

Onkel Joachim war gerade 72 geworden, als wir erste Veränderungen an ihm wahrnahmen. Er vergaß anfangs nur unbedeutende Kleinigkeiten. Er konnte sich nicht mehr an soeben gehörte Namen erinnern oder vergaß auch schon mal das zu erledigen, was man ihm auftrug. Aber schließlich stellt man sich darauf ein, denn man hört ja dass im Alter das Kurzzeitgedächtnis allmählich nachlässt.
Aber drei gute Jahre später wurde es deutlich schwieriger. Als er am Ende nicht mehr seinen Tagesablauf bewältigen konnte, befürchteten wir, dass er unter Demenz leiden müsse. Ein Arzt bestätigte uns die Diagnose wenig später. Sowohl für meinen Onkel als auch uns begann eine sehr schwierige Zeit. Er vergaß die einfachsten Dinge. So etwas wie Händewaschen, sich dem Wetter entsprechend anzuziehen, aber auch die Erinnerung daran, dass er sich kurz zuvor etwas zu essen gemacht hatte. Meine Mutter fand oft bei ihm, ihrem Bruder, mehrere Kochtöpfe vor. In allen war etwas zu essen, aber es war unberührt.
An dem Punkt wussten wir, dass wir Onkel Joachim nicht mehr allein lassen konnten. Ihn rund um die Uhr versorgen, konnten wir allerdings auch nicht. Schließlich sind wir alle berufstätig und meine Mutter hat zudem noch einen Hof zu bewirtschaften.
Eine ambulante Pflege kam uns zuerst in den Sinn. Wir fanden auch rasch einen guten Anbieter und soweit machten die Pflegerinnen ihre Arbeit sehr gut. Das Problem war eben, dass sie nur ein- bis zweimal am Tag kamen. Das reichte nicht aus.
Eine dauerhafte Pflege musste her. Auch über ein Pflegeheim wurde viel diskutiert. Aber weder wir hatten ein gutes Gefühl, noch unser Onkel, den wir schon zur ambulanten Pflege hatten überzeugen müssen. Außerdem befürchteten wir bei einem Pflegeheim, dass die Umstellung zu groß sein könnte. Wir hatten Sorge, dass er beginnen würde, sich aus dem Pflegeheim verwirrt zu entfernen, auf der Suche nach etwas Unbestimmten.
Dann stießen wir während unserer Recherche immer wieder auf die sogenannte 24-Stunden-Pflege. Schließlich, nach langem Hin und Her und nahezu stundenlangen Diskussionen, entschieden wir uns, es einfach einmal mit dieser Art der Pflege zu probieren.
Wir haben ein Unternehmen gefunden, das Pflegekräfte vermittelt. Die Vermittlung ging schneller als gedacht von statten. Schon bald hatten wir eine liebevolle und sehr gut ausgebildete Pflegekraft namens Paulina bei uns in der Familie. Sie bekam ein eigenes Zimmer in der Wohnung meines Onkels und war rund um die Uhr ansprechbar.
Trotz ihres lieben Auftretens hatten sie und Onkel Joachim einige Startschwierigkeiten. Obwohl er zuvor noch sein Einverständnis gegeben hatte, war er bei Paulinas erstem Besuch kaum wiederzuerkennen. Impulsiv und richtig wesensverändert war er anfangs nicht zu beruhigen. Er wollte keine Pflegerin und damit basta. Wir ließen allerdings auch nicht locker, da die Alternative Pflegeheim bedeutet hätte, und das wollte schließlich auch niemand.
Am Ende konnten wir ihn überzeugen, dass sie sich nicht ständig und bei jeder Kleinigkeit um ihn kümmern würde. Und das ist auch gar nicht nötig, da mein Onkel noch nicht vollständig pflegebedürftig ist. Sie unterstützt ihn lediglich bei täglichen Arbeiten, bei denen er Probleme hat. Sie wäscht ihn oder sorgt dafür, dass er saubere Kleidung hat und immer ausreichend Essen im Haus vorhanden ist.
Zunächst hatten wir ehrlich gesagt nur den Pflegeaspekt im Sinn. Wir merkten jedoch schnell, dass sie für Joachim auch eine soziale Bereicherung darstellt. Schließlich schaffte sie es, ihn mit Karten spielen, „zu knacken“. Dass der soziale Aspekt bei dieser Pflege eine so große Bedeutung spielt, hatten wir ehrlich gesagt nicht gedacht oder erwartet.
Paulina ist wirklich eine Perle und bringt viel Geduld und Verständnis mit. Es ist ein schönes Miteinander, denn hier lernt einer vom anderen. Joachim brachte seiner Pflegerin beispielsweise Räuber-Rommee bei, was ihm natürlich auch zeigt, dass er noch wichtig ist. Auf der anderen Seite macht sie ihm Piroggen (Polnische Teigtaschen) oder spielt ihm traditionelle Musik aus ihrem Heimatland Polen vor. Wir wissen, dass wir ein riesiges Glück haben, dass es, trotz kleiner Startschwierigkeiten, mit der ersten Pflegerin so gut klappte. Dass die Chemie stimmt, ist bei diesem engen Kontakt mindestens genauso wichtig wie die pflegerische Leistung.
Paulina ist noch drei Wochen bei meinem Onkel, denn mehr als 3 Monate bleibt sie nicht. Dann macht sie erst einmal Urlaub und wir bekommen Ersatz. Ich muss sagen, dass die 24-Stunden-Pflege für uns eine erhebliche Erleichterung darstellt. Es ist eine gute Alternative zum Pflegeheim, da das Demenzstadium meines Onkels ihm noch erlaubt, zu Hause zu wohnen. Außerdem haben wir immer noch die Nähe zu Joachim und müssen nicht weit fahren, um ihn zu besuchen. Für meine Mutter und mich war es unter allen Alternativen die beste Lösung.

Informationen zum Autor

Jürgen Günter wurde 1960 in Ulm geboren, ist mit einer Krankenpflegerin verheiratet und hat 3 Kinder. Durch den Beruf seiner Frau und der Demenzerkrankung seines Onkels, welcher unweit von ihnen entfernt wohnt, hat er sich viel mit dem Thema Pflege beschäftigt und ist freier Redakteur geworden. Seit etwa einem Jahr ist er auch in der Redaktion der Vermittleragentur von Paulina, Ost-Profi, tätig. Mit seiner Arbeit versucht er mit den archetypischen Vorurteilen gegenüber Pflegekräften aus Osteuropa aufzuräumen. Vorrangig stützt sich seine Arbeit auf News und Recherchen rund um den Bereich Pflege, Pflegeversicherungen und Pflegeheimen. Dabei bezieht er vor allem Erfahrungsberichte von Betroffenen mit in seine Beiträge ein. Sein vielseitiges Interesse an Gesundheit, geistige und seelische Fitness runden seine redaktionelle Tätigkeit ab.

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1 Kommentar

Anonym am 03.01.2015, 17:12 Was kostet eine Pflege dieser Art?

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