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DAS WEBLOG

Zweimal vier Beine und viele Flecken auf dem Fell

Katrin Hofmann-Schröder am 21.09.2016, 16:13 | 0 Kommentare

Viele Menschen mögen das weiche Fell der Tiere, so auch die meisten an Demenz erkrankten Menschen. Die Berührung des Tieres lässt sie ruhiger werden und die Freude beim Zuschauen ist groß, wenn das Tier ausgiebig herumtollen kann. Katrin Hofmann-Schröder hat nur positive Erfahrungen mit der Zusammenarbeit von Menschen und Tier machen können und schildert dies in Ihrem Weblogbeitrag.

Zweimal vier Beine und viele Flecken auf dem Fell

Die Ankündigung, dass die Besuchshunde kommen, wurde stets mit Begeisterung aufgenommen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner saßen oder standen dichtgedrängt und erzählend vor den Wandtafeln in den Wohnbereichsfluren, an denen solche Ereignisse einige Tage vorher angekündigt wurden.

Viele Bewohner mit demenziellen Erkrankungen wurden vom Sozialen Dienst für diese Art „Therapie“ ausgewählt, dafür wurden die Tagesformen und eventuelle Behandlungen, Erschwernisse oder weitere wichtige Dinge besprochen.
Wenn sich alle teilnehmenden Bewohner auf „ihrem“ Platz gut und sicher niedergelassen hatten, sangen wir ein Begrüßungslied und starteten mit einem kleinen Rätsel. Zum Beispiel: „Was hat vier Beine und bellt manchmal laut?“ Ein männlicher Bewohner war stets zu Scherzen aufgelegt und rief dann oft „Kuh“, „Elefant“ oder „Pferd“, somit lockerte sich die Spannung ein wenig. Dann war es soweit:

Lucky und Luna „stürmten“ herein. Ihre Therapietrainerin hatte sie stets gut „im Griff“, ließ die beiden temperamentvollen, fröhlichen Dalmatiner natürlich erstmal an der langen Leine. Das gehörte zum „Ritual“. Wenn die beiden in den großen Raum sprangen, war die Freude bei allen unbeschreiblich. Nach ausgiebigem „Begrüßungs-Schnüffeln“ begannen Spiele für die verschiedenen Sinnesbereiche. Die Hunde wurden gestreichelt. Wenn sich Bewohner „trauten“, bekamen die Hunde auch mal ein Leckerli, eingebaute Bewegungsübungen führten zu erstaunlichen Erkenntnissen und natürlich kam auch die Fellpflege nicht zu kurz.
„Ich bürste und bürste, aber die Flecken gehen nicht raus!“ – ein Beispiel für humorige Situationen, die immer wieder zeigten, wie wunderschön und entspannend diese Stunden für alle Beteiligten waren. Nach gut einer Dreiviertelstunde brachte ich ganz still und heimlich eine große Schüssel mit Wasser herein. Beide Tiere machten „Danke schön“-Pfötchen und durften dann genüsslich saufen. Auch das war ein wichtiges und fröhliches Ritual.

Menschen mit Demenz, die aus gesundheitlichen Gründen nicht an diesen Runden teilnehmen konnten, wurden oftmals von der Tierbetreuerin oder von uns mit einem Hund im Zimmer besucht.
Lucky, der schon etwas erfahrenere der beiden Hunde, eignete sich für solche „Privatbesuche“ besonders. An einem solchen Tag konnte ich ihn nach der „großen Runde“ zu einem Bewohner mit starkem Parkinson-Syndrom mitnehmen, der sich immer sehr freute, wenn er von mir hörte, dass „die Hunde kommen“. Auch Lucky genoss diese ruhigen Streicheleinheiten und Liebkosungen sehr.Er legte sich vor den verkrümmt sitzenden Herrn und hielt seinen Kopf nach oben, so dass es dem Bewohner keine große Mühe machte, das Fell und den Kopf zu kraulen. Er sprach mit dem Hund, als wäre es sein eigener. Einmalige Momente der Freude und des Glücks.

Tiere sind in der Betreuungs- und Beschäftigungsebene ein wichtiger Faktor, um Freude und Geborgenheit zu vermitteln. Das konnte ich immer wieder erleben und habe auch versucht, dies immer zu fördern. Natürlich müssen - und das ist die Herausforderung – viele Aspekte bedacht werden: Zum Beispiel Hygiene, Krankheitsbilder, Tagesformen..
Mit Liebe zum Menschen und zum Tier können solche Begegnungen immer Freude und soziales Miteinander fördern und vermitteln und auch die eine oder andere Verstimmung auflockern oder verhindern.
Diese geselligen Minuten oder Stunden brachten Augen zum Leuchten und Gesichter zum Lächeln, versteifte Hände zum weichen Streicheln und „verknarkste Beine“ zum Tänzeln mit dem Tier…

Foto der Weblogautorin Katrin Hofmann-Schröder
Foto: Katrin Hofmann-Schröder

Katrin Hofmann-Schröder war 1998 einige Monate ehrenamtlich als Betreuungshilfe in einem Altenpflegeheim tätig. Sie kümmerte sich schon während dieser Zeit und die nächsten Jahre um ältere Nachbarinnen und deren Wünsche, Alltagsbelange und Haushalt, u. a. mit Gesprächen, Spaziergängen, gemeinsamen Musik- und Rommè-Stunden. Nach einer Qualifzierung 2010 zur Betreuungskraft nach § 87b SGB XI (Demenz-Betreuerin) war sie 4 Jahre in einer stationären Pflegeeinrichtung als Betreuungskraft tätig. Besonders gern wurden von ihr durchgeführte Musiknachmittage mit selbst gespieltem Piano, klassischer- und Schlagermusik von den Bewohnerinnen und Bewohnern besucht. Da ihr Herz und ihre Empathie auch außerhalb der beruflichen Betreuungstätigkeit für Senioren/innen offen ist, beschreibt sie mit Humor und Mitgefühl, Toleranz und Ehrlichkeit ihre Erlebnisse im Beruf und im Alltag.

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