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DAS WEBLOG

Willkommen im Café Domino – ein Beitrag von Marlis Hombergs

Marlis Hombergs am 16.08.2010, 12:00 | 0 Kommentare

Ende 2004 machte mich eine Freundin auf das Café Domino der Alzheimer Gesellschaft in Bochum aufmerksam, einen regelmäßigen Treff für demenzkranke Menschen. Wir waren davon beide angetan und beschlossen, einen Zertifikatskurs zu absolvieren, in dem uns in 60 Stunden das Wichtigste über den Umgang mit demenziell Erkrankten vermittelt wurde. Nach Beendigung des Kurses konnten wir eines der Cafés übernehmen. Zu der Zeit befand sich das Café Domino noch in der Projektphase. Es gab stadtteilbezogen mehrere davon in Bochum. Mittlerweile sind sie leider eingegangen wie die Primeln, hauptsächlich weil nach der Projektphase kein Geld mehr da war.

Unseres gibt es noch. Und in den ganzen fünf Jahren, in denen ich das Café zusammen mit einer Kollegin halb ehrenamtlich leite, ist es noch kein einziges Mal ausgefallen. Unsere Gäste, wenn wir sie erst mal für das Café gewonnen haben, kommen gerne. Wir treffen uns jeden Donnerstag von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr in der Caféteria einer Altenwohnanlage, wo wir zuerst liebevoll mit Kaffee und Kuchen versorgt werden. Zu den dort lebenden Bewohnern hat sich ein unkompliziertes Verhältnis ergeben. Sie kommen schon mal an unseren Tisch und lassen uns an ihren Alltagssorgen teilnehmen. Und sie laden uns zu all ihren Veranstaltungen ein: Karneval, Sommerfest, und was es sonst noch so zu feiern gibt.

Sport und Musik für die Gäste

Zusammenhängende Wortbeiträge sind nicht die Stärke unseres Café-Kränzchens, aber wir finden eine Menge anderes. Wir haben fast immer eine nette Überraschung vorbereitet, oft zu bestimmten Themen. Nach dem Kaffeetrinken steht zum Beispiel Sport auf dem Programm. Handtücher werden zu provisorischen Sportgeräten umfunktioniert oder Bälle und Luftballons auf Papptellern weitergegeben oder auf einer runden Tischdecke, die wir alle festhalten, zum Tanzen gebracht. Hauptsache, Musik ist dabei. Was ist in dieser Woche passiert in der Stadt, in Deutschland und der Welt? Auf vorsichtiges Nachfragen kommen erstaunlich viele zusammenhängende Antworten zusammen und ein paar Ratschläge, die sich unsere Politiker hinter die Ohren schreiben sollten. Wir sind also wie jeder andere Stammtisch.

Musik geht sofort in den Bauch. Das wird umso wichtiger, je weniger der Kopf funktioniert. Deshalb singen wir viel, meistens Volkslieder, aber auch alte Schlager, von denen wir mittlerweile eine ganze Sammlung zusammengetragen haben. Ich habe meine erwachsenen Kinder bereits aufgefordert, Beatles, Stones und andere Größen der 60-er Jahre auf Musikträgern bereitzulegen. Die Zeit wird kommen, wo man alte Leute mit den "roaring sixties" zum Mitsingen bringt! Wir bleiben aber einstweilen bei Rudi Schuricke, Fred Bertelmann und Freddy Quinn. Ich sage nur "Junge, komm …" – und jeder weiß, wie es weitergeht.

Tauchkurs in der Badewanne

In unserem Café Domino in Bochum-Grumme, Kaiseraue, haben wir regelmäßig vier oder fünf Gäste. Die meisten werden von ihren Angehörigen gebracht und abgeholt. Wenn meine Kollegin und ich mit den Demenzkranken zusammensitzen, kommen deren Familienmitglieder einmal zum Verschnaufen. Sie nutzen die Zeit, um einzukaufen, zum Arzt zu gehen oder um einen Tauchkurs in der Badewanne zu machen.

Foto der Weblogautorin Marlis Hombergs
Foto: Marlis Hombergs

Marlis Hombergs lebt in Bochum-Mitte. Sie pflegt ihre demenzkranke Mutter und leitet ehrenamtlich einen Treff für demenzkranke Menschen, das "Café Domino". Marlis Hombergs hat bis 2003 als Lehrerin gearbeitet. Sie hat drei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder.

 

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