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Typische Merkmale FTD

Tanja Kallweit am 10.04.2017, 14:54 | 0 Kommentare

Auch zur Frontotemporalen Demenz stellen sich immer wieder viele ungeklärte Fragen, vielleicht weil sie zu den selteneren Demenzformen gehört. Die Menschen, die an ihr erkranken sind bedeutend jünger als Alzheimerpatienten. Oftmals wird von psychischen Störungen ausgegangen, weil sich Betroffene auffällig und unsozial verhalten können. Auch hier gilt die Regel: Klären Sie Ihr Umfeld auf und reden darüber.

Typische Merkmale FTD

Das durchschnittliche Alter, in dem die Erkrankung festgestellt wird, liegt im Vergleich zu einer Alzheimer-Demenz viel niedriger. Es gibt Fälle, in denen die Betroffenen bereits mit Mitte zwanzig an dieser Demenz-Form erkranken. Der größte Teil der Menschen mit einer FTD ist zwischen 50 und 60 Jahre alt.

Die Symptome einer FTD sind, wie die einzelnen Betroffenen, sehr unterschiedlich. Viele Angehörige bemerken zu Beginn, dass sich der geliebte Mensch vor allem im sozialen und emotionalen Bereich verändert. Menschen die sich immer um die Belange der Familie und des Umfelds gekümmert haben, verlieren plötzlich das Interesse daran und vernachlässigen ihre familiären Pflichten. Arbeitgebern fällt bei den betroffenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auf, dass sich z. B. bei dem sonst so sorgfältig und konzentrierten Arbeitnehmer Fehler häufen. Menschen mit einer FTD spüren, dass sich etwas verändert und verlieren ihr selbstsicheres Auftreten. Sie ziehen sich häufig zurück und vernachlässigen Freund- und Bekanntschaften.

Doch woran liegt es, dass bei der FTD gerade diese Bereiche so stark in Mitleidenschaft gezogen werden?
Kurz erklärt: Die Nervenzellen werden bei einer FTD vor allem im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns zerstört. Da sich im Stirn-(Frontal)lappen der Sitz der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens befindet, sind vor allem Defizite in diesem Bereich erkennbar.

Viele Betroffene verlieren durch diese Erkrankung ihre natürliche Hemm- und Schamschwelle. Wenn sich auch manch Betroffene/r eher zurückzieht, so werden andere Menschen mit FTD zunehmend aggressiver oder taktloser. Nicht selten empfinden gesunde Menschen dieses Verhalten als anstößig. Vor allem, wenn dazu noch die Neigung zu sexuellen Anspielungen kommt.

Wichtig ist es deshalb, Menschen im persönlichen Umfeld über die Erkrankung des Partners/ der Partnerin zu informieren. Nachbarn, Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Freunde können sich dadurch diese "Ausreißer" besser erklären und ihnen so vielleicht langfristig eine Unterstützung bieten.

Stimmt es, dass viele Bekannte sich nach Bekanntwerden der Diagnose zurückziehen und den Kontakt meiden?
Ja, dies erfahre ich leider häufiger in meinen Sitzungen mit meinen Klienten und Klientinnen. Ich rate dann immer dazu, sich der Situation zu stellen und aktiv auf diese Menschen zuzugehen.

Thematisieren Sie die Erkrankungen auch mit Ihren Kindern. Bereits Kindergartenkinder können mit kindgerechten Erklärungen schon an die Erkrankung herangeführt werden.
Was spricht dagegen, das Thema in den Schulalltag zu integrieren? Einfühlsame MitschülerInnen und LehrerInnen spüren die Belastung Ihrer Kinder. Sprechen Sie mit Ihren Sprösslingen und den Lehrern/Lehrerinnen über geeignete Möglichkeiten. So fühlen sich auch Ihre Kinder im Klassenverbund verstanden und erhalten im besten Fall wertvolle Unterstützung für diese schwierige Situation.

Bedenken Sie: Die Frontotemporale Demenz ist vielen Mitbürgern und Mitbürgerinnen unbekannt. Wenn Sie aktiv in die Rolle des Aufklärers gehen, stoßen Sie häufig auf mehr Verständnis. Und unabhängig davon: Sagt nicht sogar der Volksmund, dass sich nur in den schwierigen Lebenslagen zeigt, wer wirklich ein/e gute/r Freund/in ist?

Foto der Weblogautorin Tanja Kallweit
Foto: Tanja Kallweit

Tanja Kallweit ist Inhaberin der ZeitGefühl-Demenzberatung in Essen/Ruhr. Sie ist Mitglied des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW e. V. und des Vereins „Wir pflegen e. V.“ Mit Ihrem Unternehmen bietet sie deutschlandweit eine – Demenzberatung_Coaching_Schulung ONLINE an.
Ziel: Pflegenden Angehörigen wieder mehr Zeit für die schönen Momente im Leben zu schenken und Menschen mit Demenz ins (Stadtteil-)Leben zu integrieren.

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