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DAS WEBLOG

Tiere sind kein Betreuungsersatz

Uschi Kraus am 18.04.2011, 00:00 | 1 Kommentar

Ich besuche regelmäßig einen Stammtisch für Menschen mit Demenz. Neulich erzählte die Mitarbeiterin einer Sozialstation mir von einem ihrer Patienten, einem älteren, dementen Herrn, den sie seit längerem betreute. Dieser hatte von seinen Angehörigen einen Hund geschenkt bekommen. Die Angehörigen hatten wohl vermutet, dass der Erkrankte noch in einem Stadium der Demenz war, in dem er keine ständige Betreuung brauchte und es reicht, wenn ab und zu jemand nach ihm schaut. Wahrscheinlich meinten sie es gut und dachten, mit einem Hund würden sie ihm das Leben verschönern: Er wäre nicht so alleine und hätte Beschäftigung. Vielleicht hatten die Angehörigen auch nicht genug Zeit, sich um ihn zu kümmern und sahen den Hund als eine Art Ersatz.

Leider war der Beschenkte jedoch gesundheitlich nicht mehr in der Lage, sich um das Tier zu kümmern. Auch früher, in gesunden Zeiten, hatte er noch nie direkten Kontakt mit Hunden und war somit zusätzlich zu seiner Krankheit mit dem Tier total überfordert – was sich in Missmut und Verdruss ausdrückte. Dementsprechend sah dann auch nach kurzer Zeit seine Wohnung aus. Als die Pflegerin der Sozialstation kam, saß der demenzkranke Herr ratlos in der Ecke auf einem Stuhl. Sie musste dann erst einmal die Zimmer, die der Hund verunreinigt hatte, von dem Schmutz und Gestank befreien; Der Patient war mit ihm nicht Gassi gegangen und hatte dem Tier kein Wasser und kein Futter gegeben. Der arme Hund hatte bei dem erkrankten Menschen kein geregeltes und würdiges Leben und wurde wieder ins Tierheim zurückgebracht.

Ein Tier zu haben, heißt Verantwortung dafür zu übernehmen bzw. übernehmen zu können: regelmäßig spazieren gehen, füttern, pflegen, Tierarztbesuche usw. Der ältere Herr konnte dies alles aufgrund seiner Demenz nicht mehr. Die Angehörigen hatten daher weder dem Patienten noch dem Tier einen Gefallen getan, im Gegenteil. Der Erkrankte war überfordert, die Pflegerin war überfordert und das arme Tier musste leiden.

Sollte ein erkrankter Mensch Tiere lieben, kann zum Beispiel ein Besuch im Tierheim oder im Zoo, aber auch ein Tierbesuchsdienst viel Freude bringen. Sollte man trotzdem ein Tier anschaffen, dann nur, wenn noch jemand bei dem erkrankten Menschen wohnt, der es genügend versorgen kann. Pflegende Angehörige sollten sich zudem darüber im Klaren sein, dass die Anschaffung eines Tiers für den erkrankten Menschen einen Mehraufwand an Zeit und Zuwendung für sie selbst bedeutet. Hinweisen möchte ich auch darauf, dass Personen, die ein Tier aus dem Tierheim holen, sich vertraglich dazu verpflichten, dieses nicht an Dritte weiterzugeben, sondern die volle Verantwortung für das Tier zu übernehmen.

Informationen zur Autorin:

Foto der Weblogautorin Uschi Kraus
Foto: Uschi Kraus

Uschi Kraus ist Industriekauffrau, ausgebildete Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeitet als psychologische Beraterin für Erwachsene - Kinder und Jugendliche, MPU-Vorbereitung in eigener Praxis. Sie ist Entspannungstrainerin, hat den Seminarleiterschein für Stressmanagement und ist Dozentin für Gesundheit und Soziales. Zudem ist sie lizenzierte Übungsleiterin für Ganzheitliche Gymnastik und Bewegung im TVA Aschaffenburg und bewegt Senioren und Menschen mit Demenz in deren zu Hause. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn. Ein lieber Golden Retriever Rüde Zappo gehört ebenfalls zur Familie.

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1 Kommentar

Katja am 03.05.2011, 15:16 Ein wirklich bedenkenswerter Punkt. Vielen Dank für diese Einsichten.

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