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Demenz – Wenn die Koordination und das Erinnerungsvermögen nachlassen, leidet auch die Nahrungsaufnahme

Sonja Mannhardt am 12.09.2016, 15:57 | 0 Kommentare

Weblogautorin Sonja Mannhardt zeigt Möglichkeiten auf, wie an Demenz erkrankte Menschen an das Trinken erinnert werden. Es gibt Hilfen beim Essen, die nach Außen nicht gleich offensichtlich sind. Durch diese Hilfen bleibt der an Demenz kranke Mensch autonom.

Demenz – Wenn die Koordination und das Erinnerungsvermögen nachlassen, leidet auch die Nahrungsaufnahme

Die Angst isst mit.
Während kleine Kinder die etwas nicht können hochmotiviert bleiben, weil sie wissen, dass sie ihr Können durch Anstrengung verbessern, so ist das bei Senioren und zunehmend dementen Menschen anders. Sie fürchten sich davor, etwas nicht mehr zu können und wissen, dass es durch Anstrengung und Üben nicht besser wird, sondern höchstens nicht schlechter.
Die Sehkraft lässt nach, das Gehör lässt nach, die Kraft lässt nach, die Koordination lässt nach. Dinge, die man ganz nebenbei machte und die man einfach konnte, fordern immer mehr die ganze Konzentration ab, oder es gelingt einfach nicht mehr.
So ist teilweise auch der komplexe Vorgang der Nahrungsaufnahme von zunehmender Verunsicherung und Ängsten betroffen.
Angst, etwas zu verschütten, Angst, dass etwas zu Boden fällt, Angst, dass man mit der Gabel nichts mehr anzufangen weiß, Angst, sich zu verschlucken, oder die Sorge und Angst von Angehörigen, dass die Betroffenen einfach vergessen, etwas zu sich zu nehmen u.v.m.

Zu Diensten - Viele kleine nützliche Helfer
Der kluge Suppenteller
Wie gelingt es nur, die letzten beiden Suppenlöffel aus dem Teller auf den Löffel zu bekommen? Viele von uns kennen es, dass wir den Suppenteller kippen, um besser an die Reste zu kommen. Doch wie bewerkstelligt das ein Senior, der Mühe mit der Koordination hat?
Hier helfen Suppenteller, die einerseits mittels eines Gummis unter dem Teller einen festen Stand haben und andererseits in der Suppenfläche bereits eine Neigung eingebaut haben. Man braucht den Teller folglich nicht zu kippen, sondern lediglich den Rest Suppe auf den Löffel zu bewegen.
Ein weiterer Vorteil: Senioren haben nicht das Gefühl, auf eine hilfreiche Hand angewiesen zu sein. Der Teller gibt Ihnen das Gefühl es alleine zu schaffen.

Der kluge Getränkeeinfüller
Speziell für Senioren gibt es einen sensorischen Füllstandanzeiger. Er wird ins Glas gehängt und gibt ein akustisches Signal von sich, sobald er mit der Flüssigkeit, die ins Glas geschenkt wird, in Berührung kommt. So gelingt es ohne den Finger ins Glas zu tauchen, ein Getränk so einzufüllen, dass weder zu wenig, noch zu viel eingeschenkt wird.
Der konisch zulaufende Becher
Wer aus einem Glas oder Becher trinken will, muss in der Lage sein ein sehr komplexes Bewegungsmuster zu kennen. Das Glas halten, zum Mund führen, gleichzeitig den Mund so öffnen, dass aus einem Behältnis ein Schluck entnommen werden kann und den Kopf dabei so nach hinten zu kippen, dass der Schluck  nicht wieder rausläuft. Und schließlich so im Mund zu formen, dass der Bolus ohne sich zu verschlucken, geschluckt werden kann. Viele Senioren schaffen das nicht mehr, so dass es häufig dazu kommt, dass Flüssigkeiten an den Rändern des Mundes wieder herauslaufen oder es zu verschlucken oder verschütten kommt.
Der konisch zulaufende Becher hilft Senioren, den Bewegungsablauf zu vereinfachen. Der Becher leert sich kontinuierlich ohne dass ein ganzer Schwall von Flüssigkeit zu laufen kommt. Er leert sich sanft auch ohne dass der Senior den Kopf nach hinten legt und durch den Schnabel wird ein Verschlucken ebenso verhindert, ebenso wie ein Verschütten. Auch dieser Becher hilft Betroffenen so lange wie möglich das Gefühl zu geben, es noch alleine zu schaffen.

Der Trinkerinnerer
Wir wissen, dass viele Stürze auch darauf zurück zuführen sind, dass Senioren zu wenig trinken und wir wissen, dass sich eine mangelnde Flüssigkeitszufuhr auch auf die Gehirnleistung auswirkt. Doch was tun, wenn die Betroffenen einfach keinen Durst empfinden? Auch da gibt es einen kleinen technischen Helfer, der Senioren daran erinnert, etwas zu trinken.
Der Trinkerinnerer wird als Armband am Handgelenk getragen und gibt ein Vibrationssignal in regelmäßigen Abständen ab, immer dann, wenn der Senior etwas trinken soll. Es kann bei fortschreitender Demenz aber auch von Angehörigen oder Haushaltshilfen getragen werden, um sich selbst daran zu erinnern, dass der von Demenz betroffene Senior etwas trinken sollte. Ein guter Anlass, auch als Gesunder für eine ausgeglichene Trinkbilanz zu sorgen.
Es gibt 1001 dieser kleinen Helferlein, die Betroffenen und Angehörigen das Leben erleichtern. Man muss sie nur kennen.

Foto der Weblogautorin Sonja Mannhardt
Foto: Sonja Mannhardt

Sonja M. Mannhardt ist studierte Diplom Ernährungswissenschaftlerin und Inhaberin der Praxis für psychologische Ernährungstherapie. Einer ihrer Schwerpunkte ist Seniorenernährung und Ernährung bei Demenz, sowie das Wohl der pflegenden Angehörigen.   „Expertin für Demenzerkrankungen“ wurde sie durch Erfahrungen mit ihrer Mutter und das Vertrauen, das ihr durch Pflegende und betroffene Angehörige in „schwieriger Zeit“ geschenkt wurde.

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