Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

DAS WEBLOG

Essen ist mehr als sich gesund ernähren

am 05.07.2016, 17:21 | 0 Kommentare

Was soll ich denn essen und wie viel davon? Fast täglich stellt man sich selber die Frage „Was gibt es denn zum Mittag zu essen?“ Was Essen für den Einzelnen bedeutet ist sehr unterschiedlich, doch die meisten Menschen essen mit Genuss. Kommt es vor, dass Menschen keinen Appetit mehr verspüren?

Essen ist mehr als sich gesund ernähren

DIE Seniorin, den Senioren gibt es nicht – DIE Seniorenernährung auch nicht.
Wir kennen sie alle, die rüstigen alten Menschen, die mit Wanderstöcken, Wohnmobil oder Bussen unterwegs sind und auch weite Reisen mit über 80 Jahren noch auf sich nehmen. Gesund und fit, so wünschen sich alle ihren Lebensabend, von niemandem abhängig und selbstständig. Heute lernte ich eine Frau mit 87 Jahren im Zug kennen. Sie war auf ihrer Heimfahrt vom Feldberg, wo sie heute Ski gelaufen ist. Auch meine Eltern waren mit über 80 Jahren noch gemeinsam auf Auslandsreise und ich kann mich gut erinnern. Essen und Ernährung war kein Thema, weder für diese Frau, noch für meine Eltern. Man isst, man trinkt, man lebt, lacht wie mit 60, 70 Jahren, macht sich wenig Sorgen und Gedanken über Nährstoffbedarfe, Gewicht und gesunde Ernährung, sondern aß wie man es gewohnt ist und schmeckt. Alt und Senioren sind nur die Anderen.

Doch wie schnell ändern sich die Dinge. Heute ist meine Mutter Pflegestufe 3, mit zunehmender Demenz, lebt ein Leben im Rollstuhl und ist angewiesen auf die Hilfe meines Vaters, den Sozialdienst, auf die dauerhaft bei uns lebende Pflegefachkraft und uns Kinder. Ihnen beiden ein Leben zu Hause, in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich zu ermöglichen und so angenehm wie möglich zu machen, das ist das Ziel, denn raus in die weite Welt, oder in die nächste Stadt, ins nächste Restaurant, kommen sie nur noch selten. Und wie uns geht es vielen Familien und Senioren in diesem Land, insbesondere dort, wo Demenz im Spiel ist. Und wie bei uns sind Essen, Trinken ganz plötzlich zentrale Themen. der Senioren und Schwierigkeiten irgendwann, wie ich es auch aus meiner ernährungstherapeutischen Beratungspraxis kenne.

Herr K. wünscht einen Beratungstermin. Seine Mutter (84Jahre), lebt noch zu Hause, doch nimmt sie einfach nicht mehr genügend Nahrung zu sich. Sie verliert an Gewicht und er mache sich Sorgen um Ihre Gesundheit und Nährstoffversorgung. Die Demenzerkrankung von Frau K. ist zunehmend vorangeschritten. sie „vergisst“ zu essen und zu trinken.

Ebenso sorgt sich Frau Z., deren Vater zwar von „Essen auf Rädern“ versorgt wird; das Frühstück noch selbst zubereitet, aber so gut wie gar nichts mehr trinkt. Abends, wenn sie zu ihm geht, merkt sie, dass das Essen fast unberührt dasteht. Auch er hat in letzter Zeit stark an Gewicht verloren.
Frau S. hingegen sorgt sich, dass ihr Vater, der ebenfalls noch zu Hause lebt und von einer Rumänin liebevoll umsorgt wird, beim Essen so gar keine Grenze mehr findet. Er habe so sehr an Gewicht zugelegt, dass die Pflegefachkraft langsam Mühe hat, den Vater vom Rollstuhl auf den Treppenlift und von dort ins Bett zu bringen.
Es gibt eine Reihe weiterer unterschiedlicher Beispiele.

Was an dieser Stelle festgehalten werden kann, ist, dass wenn das Thema „Essen“ bei zunehmender Demenz zum Thema wird, geht es um mehr, als um Nährstoffbedarf und die Regeln einer gesunden Ernährung. Und diese Themen sind so verschieden, wie die alten Menschen selbst, die nur Eines gemeinsam haben, ihre Unterschiedlichkeit. Die EINE richtige Seniorenernährung bei Demenz kann es folglich auch nicht geben, sondern nur einen je eigenen individuellen Weg.

Foto der Weblogautorin Sonja Mannhardt
Foto: Sonja Mannhardt

Sonja M. Mannhardt ist studierte Diplom Ernährungswissenschaftlerin und Inhaberin der Praxis für psychologische Ernährungstherapie. Einer ihrer Schwerpunkte ist Seniorenernährung und Ernährung bei Demenz, sowie das Wohl der pflegenden Angehörigen.   „Expertin für Demenzerkrankungen“ wurde sie durch Erfahrungen mit ihrer Mutter und das Vertrauen, das ihr durch Pflegende und betroffene Angehörige in „schwieriger Zeit“ geschenkt wurde.

Grafik BriefumschlagGrafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker

Diesen Artikel kommentieren

Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet und müssen ausgefüllt werden.