Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

DAS WEBLOG

Flüssigkeitsmangel ein unterschätztes Phänomen

Sonja Mannhardt am 11.07.2016, 16:55 | 0 Kommentare

Was geschieht, wenn der Mensch nichts mehr trinkt? Er würde irgendwann verdursten. Der Körper benötigt Flüssigkeit. An Demenz erkrankte Menschen haben oft kein Durstgefühl mehr und trinken zu wenig, dadurch können weitere Symptome entstehen. Frau Mannhardt gibt Tipps, wie die Aufnahme von Flüssigkeit beeinflusst werden kann.

Flüssigkeitsmangel ein unterschätztes Phänomen

Oma Regina ist schon wieder hingefallen. Ihr war schwindlig sagt sie. Es fiel auf, dass sie in letzter Zeit auch etwas verwirrt und schwach war. Man vermutete einen herannahenden Infekt, oder dass sich ihre Demenz verschlimmert hätte. Doch Oma Regina hat ein ganz anderes Problem. Sie trinkt viel zu wenig. Viel zu selten werden Symptome wie Verwirrtheit, Schwindel, Infektanfälligkeit, Konzentrationsprobleme oder Delir

Vorübergehende Störungen des Bewusstseins und der Orientierung, die verschiedene Ursachen haben können, z. B. Flüssigkeitsmangel, Medikamentenunverträglichkeit, Entzündungen, Tumore, Blutungen oder Unterzuckerung.
Delir
, aber auch Verstopfung, Mundtrockenheit mit einer ungenügenden Flüssigkeitszufuhr in Verbindung gebracht. Das gilt auch für mangelnde Medikamentenwirkung oder sogar Stürze.
Trinken ist wichtiger als Essen, denn unser Körper besteht zu einem Großteil aus Wasser. Es dient wie ein Fluss als Transportmittel für viele Substanzen. Ist Lösungsmittel und dient der Ausscheidung schädlicher Substanzen, sowie der Regulierung der Körpertemperatur.
Sechs bis acht Gläser Flüssigkeit täglich sind nötig, um den Bedarf in etwa zu decken. Viele alte Menschen nehmen Medikamente zu sich, die zusätzlich entwässern, so dass der Bedarf noch höher sein kann. Doch wie merkt man, ob Oma Reginas Sturz ein Symptom einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr ist, oder etwas anderes?
Ist die Achsel trocken? Ist der Mund trocken? Bleibt am Schlüsselbein eine Hautfalte stehen, die man mit Daumen und Zeigefinger hochzieht, oder schnellt sie schnell wieder in die Ausgangsposition zurück? Ist der Urin eher dunkel gefärbt und stark riechend? Das wären einige Anzeichen dafür, dass ein Mensch zu wenig trinkt.

Freiwillig Trinken kann nur, wer Durst spürt
Frage ich in der Praxis Menschen: „Wo spüren Sie Durst?“ dann wird deutlich, dass auch viele junge Menschen, insbesondere Frauen Schwierigkeiten haben, Durst zu empfinden. Nicht schon, wenn die Lippen trocken sind, oder sogar noch früher wird mit Trinken auf diese Empfindung reagiert, sondern häufig erst, wenn es im Hals kratzt. So können wir nicht erwarten, dass Senioren, insbesondere Menschen mit Demenz, besser Durst empfinden können als gesunde und junge Menschen. Wir können davon ausgehen, dass Durst mit dem Alter auch physiologischer weise abnimmt. Oma Regina weiß nicht mehr was Durst ist, ihr Mund ist trocken und von sich aus möchte sie nicht zu viel trinken, denn sie möchte häufige Toilettengänge vermeiden, da sie dafür in den ersten Stock ihres Hauses gehen muss. Zu den Mahlzeiten zu trinken, fällt vielen alten Menschen, schwer, egal ob an Demenz erkrankt oder nicht. Aus ihrer Kindheit kennen sie den Satz: „Nicht zum Essen trinken, das verdünnt die Verdauungssäfte“. Menschen mit Parkinson haben Angst die Getränke zu verschütten, viele Menschen mit Demenz haben eine veränderte Sinneswahrnehmung und sehen schlichtweg durchsichtige Flüssigkeiten nicht mehr so gut. Sie alle brauchen sowohl stärkere Farb- als auch Geschmacksimpulse. Und manchmal sind die Schluckbeschwerden bei Demenz schon so fortgeschritten, dass die Getränkeaufnahme schwieriger wird.
Wie also alte Menschen unterstützen, die wenig Durstempfinden haben, die an Demenz erkrankt sind und andere Widerstände oder Schwierigkeiten eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr verhindern?

Praktische Tipps:
1. Trinken Sie mit dem erkrankten Menschen gemeinsam, denn der Mensch ist ein soziales Wesen und isst und trinkt am liebsten in Gesellschaft.
2. Stellen Sie ein abwechslungsreiches Getränkeangebot bereit (warm/kalt; süß/säuerlich/neutral; Milkshakes, Fruchtsäfte, Fruchtsaftschorle, Suppen, Tees, Wasser ohne Kohlensäure/mit Kohlensäure und vieles mehr.
3. Bieten Sie die 6-8 Gläser Flüssigkeit über den ganzen Tag und zu jeder Mahlzeit an.
4. Stellen Sie diese an einem Ort bereit, an dem sich der erkrankte Mensch häufig aufhält. Machen sie diese Stelle zum Trink-Ort.
5. Bringen Sie Farbe ins Spiel. Färben sie die Getränke mit einem Schluck Fruchtsaft, rotem Früchtetee oder Kräutertee, damit der Inhalt des Glases besser sichtbar ist.
6. Überdenken Sie die Trinkgefäße. Liegt es am Geruch nach Plastikbecher? Geht es besser mit, oder ohne Deckel? Mit Glas oder nicht?
Woraus trinkt Ihre erkrankte Person am liebsten?
7. Bei Schluckbeschwerden kann das Getränk besser geschluckt werden, wenn es leicht angedickt wird. Verdickungsmittel in Pulverform kaufen Sie in der Apotheke.
8. Vielleicht „isst“ ihr erkrankter Mensch die Flüssigkeiten lieber? Angedickte Suppen, Trinkjoghurts oder moderne, bunte Smoothies helfen ebenfalls etwas mehr Flüssigkeit und Kalorien aufzunehmen und unter Umständen auch den Stuhl zu regulieren.

Stellen Sie am Anfang des Tages bereits die gesamte Tagestrinkmenge bereit. Das gibt einen guten Überblick über die Trinkmenge und führen Sie ein paar Tage ein Trinkprotokoll um zu sehen, wie viel überhaupt getrunken wird. Schafft Ihr Senior 6-8 Gläser täglich?

Foto der Weblogautorin Sonja Mannhardt
Foto: Sonja Mannhardt

Sonja M. Mannhardt ist studierte Diplom Ernährungswissenschaftlerin und Inhaberin der Praxis für psychologische Ernährungstherapie. Einer ihrer Schwerpunkte ist Seniorenernährung und Ernährung bei Demenz, sowie das Wohl der pflegenden Angehörigen.   „Expertin für Demenzerkrankungen“ wurde sie durch Erfahrungen mit ihrer Mutter und das Vertrauen, das ihr durch Pflegende und betroffene Angehörige in „schwieriger Zeit“ geschenkt wurde.

Grafik BriefumschlagGrafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker

Diesen Artikel kommentieren

Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet und müssen ausgefüllt werden.