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DAS WEBLOG

Emine und das Katzenglück Teil 1

Adolf Oppermann am 03.12.2010, 00:00 | 2 Kommentare

Es war Anfang April geworden, mein Goldstück und ich gingen nun wieder regelmäßiger mit dem Rollstuhl raus in den Garten der Sinne. Erste Aufräumarbeiten der Gärtner fanden statt. Der Gang durch die Tür ließ in Emine Unruhe aufkommen. Zwar war ich auch im Winter fast jeden Tag mit ihr unten, aber nur selten draußen, denn die Türen zum Garten waren fast nie geöffnet. Nun roch es ganz anders und die kühle Luft im Gesicht war Ihr nicht geheuer. Sie schimpfte mit mir, leider mittlerweile in einer Sprache, die ich nicht immer sofort verstehe. Es ist ein Gemisch aus Babysprache und einer Art neuer Landessprache.

Erst beim zweiten oder dritten Nachfragen, wenn dann eine Reaktion kommt, glaube ich meist zu wissen, was Sie meint. Auf meine Frage, ob es ihr kalt sei, nickte sie und ich schaute noch einmal alles nach: Die neue Mütze mit dem passenden Schal und die dazu passenden rostfarbenen Handschuhe waren gut "angepasst" – sitzt, wackelt und hat Luft. Ihre Lieblingsdecke fehlte auch nicht. Nun ging es los, ab durch die Tür.

Nach wenigen Metern bleibe ich schon wieder stehen; ich versuche immer mitzubekommen, wenn meine Frau spricht. Sie beugte sich nach vorn und griff nach etwas, Sie rief „Caddy“. Da sah ich, was Emine meinte: eine wunderschöne Katze. Ich staunte nicht schlecht. Sie hatte Tiere nie gemocht, weder Hunde noch Katzen, und nun griff Sie danach. Wie diese Krankheit Menschen doch verändert. Ich sah es in Ihrem Gesicht, die Augen waren zwar nur leicht geöffnet, doch Sie hatte Freude am Anblick der Katze.

Spaziergang mit Katze

Ob meine Frau die Katze wohl streicheln würde, dachte ich. Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, sie zu locken, wurde ich unsicher und überlegte, ob es gesundheitlich bedenklich sein könnte. Es schien eine wilde Katze zu sein, dort draußen hatte sie ja ein riesiges Jagdrevier. Aber was mache ich mir Gedanken, Emine mag Tiere ja eh nicht – so dachte ich wenigstens. Nun rollten wir weiter, meine Frau hörte Ihre Musik und brummte dazu, im Schlepptau immer noch die Katze. Sie ließ uns nicht mehr aus den Augen. Aus sicherer Entfernung beobachtete Caddy uns, und nach einer Weile war sie dann verschwunden.

Wir machten einen kurzen Stopp bei den Hühnern. Der Verschlag war zu, viele Federn lagen davor herum. Der Hausmeister erzählte mir traurig, dass der Fuchs mal wieder da war, um sich sein Frühstück zu holen. Ich erzählte ihm von der Katze. Er kannte Caddy, alle anderen nannten sie Tiger. Seit Jahren kam sie sporadisch vorbei, sah nach dem Rechten und verschwand für viele Monate wieder.
Eine gute halbe Stunde war vergangen, meine Frau hatte schon eine kalte Nase bekommen. Wir wollten gerade wieder rein gehen. Doch stopp, da war die Katze wieder. Sie ist ein herrliches Tier und es sollte eine ganz besondere Beziehung zwischen Emine, Caddy und mir entstehen. Mehr dazu im zweiten Teil.

Foto des Weblogautors Adolf Oppermann
Foto: Adolf Oppermann

Adolf Oppermann ist gelernter Koch und lebte fürher in Wuppertal. Der Frührentner war über 20 Jahren mit seiner türkischstämmigen Frau Emine verheiratet, die an Alzheimer erkrankt war. Adolf Oppermann besuchte Emine fast täglich im Pflegeheim. Sein Motto: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

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2 Kommentare

Golla, Regina am 09.12.2010, 22:14 Lieber Adolf,
du schreibst sehr gefühlsvoll und real, man mag gerne weiterlesen (man könnte sogar fast vergessen, dass es eigentlich eine traurige Krankheit für die Betroffenen ist). Ich konnte mich anhand Deiner Beschreibungen irgendwie gut in die Situation hineindenken und hatte fast das Gefühl Ermine zu kennen und habe mir ein richtiges Bild von ihr gemacht, mach weiter so, Du bist ein echter Schreiber ....
einen lieben Gruss

Regina

Dennis am 10.06.2011, 19:49 Wie oben kommentiert, beim lesen verliert man sich in den angenehmen Schreibstil.
Danke

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