Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

DAS WEBLOG

Meine Oma hat Demenz Teil 2 - Gemeinsame Freizeitgestaltung

Elisabeth Philipp-Metzen am 29.05.2012, 14:00 | 0 Kommentare

Kinder sollten einige Grundregeln im Umgang mit Menschen mit Demenz kennen, wenn sie etwas mit demenzkranken Großeltern unternehmen oder dabei helfen, sie zu betreuen. Auch kleinere Kinder lernen diese schnell, wenn Eltern in Ruhe mit ihnen darüber sprechen oder wenn sie es modellhaft vorgelebt bekommen.

Regeln im Umgang mit den Großeltern

Grundsätzlich ist es wichtig, demenzkranken Menschen geduldig und einfühlsam zu begegnen. Das gilt auch für Kinder, denn Menschen mit Demenz brauchen etwas länger, um reagieren zu können. Bei Missgeschicken sollten auch junge Menschen verständnisvoll reagieren ("Das ist doch gar nicht schlimm, Oma, ich verschütte auch schon mal etwas…"). Hilfreich ist, langsam und deutlich zu sprechen und dabei einfache und kurze Sätze zu bilden. Zur Verständigung können die Kinder begleitend auf Gegenstände oder in Richtungen zeigen. Generell sollten sie immer auf Blickkontakt achten. Sagen Sie Ihren Kindern, dass sie unnötiges Verbessern vermeiden, aber ausgiebig loben und wertschätzen sollten ("Das ist ja super!").
Junge Menschen brauchen unsere Unterstützung, damit sie immer wieder auf die erkrankten Großeltern zugehen und ihnen Aktivitäten anbieten ("Hast du Lust, in den Garten zu gehen?"), auch wenn dies teilweise abgelehnt wird. Für Kinder ist es wichtig, über ihre positiven und enttäuschenden Erfahrungen sprechen zu können und Verständnis zu erhalten ("Schade, dass der Opa nicht mit dir spielen wollte; ich kann gut verstehen, dass du nun enttäuscht bist. Vielleicht geht es ihm ja morgen besser.")

Fußball, Malen, Spazierengehen – Ideen für die gemeinsame Freizeit

In einer frühen Phase der Demenz, in der die Großeltern vorrangig Assistenz und Begleitung benötigen, gilt es, gemeinsame Interessen zu finden. Gibt es zwei Fußballfans? Dann können sie zusammen im Garten kicken, oder sich gemeinsam Spiele anschauen.  Wenn der Nachwuchs Stricken als neues Hobby entdeckt hat, können Tipps und Anregungen ausgetauscht werden ("Oma, Stricken ist wieder hip. Zeigst du mir, wie man Maschen aufnimmt?") Es gibt auch Strickclubs für Alt und Jung.
Kinder können Großeltern dabei unterstützen, soziale Kontakte zu pflegen, z. B. durch "eine Begleitung zum Maifest." Sie können zusammen einkaufen gehen, Spaziergänge machen, wandern oder Fahrrad fahren. Beliebt sind auch einfache handwerkliche Tätigkeiten, zum Beispiel draußen im Schuppen. Möchten demenzkranke Großeltern gerne über frühere Zeiten sprechen, können die Enkel mit ihnen Fotoalben betrachten oder zusammen eines anfertigen. Ein Dauerbrenner sind Gesellschaftsspiele. Aber Achtung: Hier gilt es, flexibel mit den Regeln umzugehen.
Ein besonders guter Zugang zu demenzkranken Großeltern ist Musik, hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten: Selber singen, Musik hören, beliebte Musik-Sendungen anschauen, usw. Für Kinder und Jugendliche kann dies ein Ausflug in Richtung "Volksmusik und Schlager" bedeuten und somit ihren musikalischen Horizont erweitern.
Die Liste der Aktivitäten ist lang. Kinder im Kindergartenalter haben oftmals Freude daran, mit den Großeltern zu malen. Ältere können den Großeltern aus der Zeitung vorlesen.

Wenn Erwachsene Kinder darauf ansprechen, merken sie schnell: Kinder sind sehr einfallsreich und kompetent im Umgang mit demenzkranken Menschen.

Foto der Weblogautorin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen
Foto: Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen

Die Gerontologin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen ist Fachberaterin für Pflege und Demenz und langjährig Zweite Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Münster e. V. Sie ist Moderatorin des Senioren-Programms sicher-mobil beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat e. V. und sie hat ihre Doktorarbeit über die Erfahrungen der Enkelgeneration mit dem Krankheitsbild Demenz geschrieben und führt dazu Workshops durch. Seit 2013 ist sie Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen für das Seminar „Soziale Arbeit für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“.

Grafik BriefumschlagGrafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker

Diesen Artikel kommentieren

Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet und müssen ausgefüllt werden.