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Noch im Beruf und schon eine Demenz? Teil 1.

Elisabeth Philipp-Metzen am 21.01.2016, 14:31 | 0 Kommentare

Eine Demenz wird in den meisten Fällen nur mit einer älteren Generation in Verbindung gebracht. Aber auch jüngere Menschen können an einer Demenz erkranken. Sie stehen noch im Berufsleben, haben vielleicht kleine Kinder. Welche Möglichkeiten haben jüngere Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind?

Noch im Beruf und schon eine Demenz? Teil 1.

Demenzielle Erkrankungen in jüngeren Jahren sind nicht so häufig wie im späten Alter. Sie werden öffentlich nur wenig wahrgenommen. Für die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen sind die Auswirkungen auf die Lebensgestaltung jedoch bedeutend. Jüngere Erkrankte stehen häufig noch im Beruf, haben jugendliche Kinder oder andere familiäre Verpflichtungen. Oftmals ist es ein langer Weg bis zur Diagnosestellung und den nötigen Hilfemaßnahmen. Angebote zur Beratung und Unterstützung bei Demenz richten sich in der Regel an ältere Personen.
Das Projekt FrühLInk dient der Stärkung der Selbsthilfe und der Verbesserung der Versorgungssituation für Menschen mit Beginn der Demenz im mittleren Lebensalter in ganz NRW. Hierzu wurden anhand von Fragebögen und Interviews vorhandene Hilfebedarfe und Möglichkeiten ausgewertet. Zentrales Ergebnis: Das wichtigste Thema für alle Beteiligten ist das Thema ‚Kommunikation‘, also der Umgang miteinander. Dabei ist jüngeren Personen mit Demenz vor allem an einem „Umgang auf Augenhöhe“ gelegen. Dies betrifft die Situation in Familie und Freundeskreis, aber auch in Gruppen. Das bedeutet ein gleichberechtigtes Miteinander, bei dem die Erkrankten ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können. Je nach Krankheitsbild und Verlauf der Demenz ist dies nicht immer eine einfache Aufgabe. Insbesondere bei fehlender Krankheitseinsicht sowie bei Selbst- und Fremdgefährdung sollten sich Angehörige frühzeitig an Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen wenden. Auch sollten sie rechtzeitig die nötigen Vorsorgebestimmungen treffen (Vollmachten, Betreuungsverfügungen, Patientenverfügungen etc.), um den erkrankten Menschen angemessen begleiten zu können.
Sind früh an Demenz Erkrankte berufstätig, ist es oft ratsam, das Gespräch mit Vorgesetzten oder Personalverantwortlichen zu führen. Hierbei kann abgeklärt werden, welche Tätigkeiten passend zu den vorhandenen Fähigkeiten ausgeübt werden können. Gemeinsam kann beispielsweise eine Reduzierung der Wochen-Arbeitszeit oder eine Veränderung der Anforderungen überlegt werden. Manchmal ist es leichter, eine solche Unterredung im Beisein eines Angehörigen oder eines Mitglieds des Kollegiums zu führen.
Nach dem Erhalt der Diagnose kann bei der zuständigen Behörde ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden, was auch einen erweiterten Kündigungsschutz bewirken kann. Sind Menschen mit Demenz nicht arbeitsfähig, werden sie krankgeschrieben. Im weiteren Verlauf der Erkrankung wird in der Regel ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt. Da diese zeitlich begrenzt geleistet wird, ist eine wiederholte Antragstellung erforderlich. Hierzu kann man sich beim Rentenversicherer beraten lassen.
Nach Beendigung der Berufstätigkeit besteht die Gefahr, sich sozial zurückzuziehen und zu isolieren. Dabei ist eine weitere Beteiligung am gesellschaftlichen Leben von großer Wichtigkeit. Es gilt nun, geeignete Angebote für jüngere Menschen mit Demenz zu finden. Davon handelt der nächste Teil.

Foto der Weblogautorin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen
Foto: Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen

Die Gerontologin Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen ist Fachberaterin für Pflege und Demenz und langjährig Zweite Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Münster e. V. Sie ist Moderatorin des Senioren-Programms sicher-mobil beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat e. V. und sie hat ihre Doktorarbeit über die Erfahrungen der Enkelgeneration mit dem Krankheitsbild Demenz geschrieben und führt dazu Workshops durch. Seit 2013 ist sie Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen für das Seminar „Soziale Arbeit für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“.

Internet Links

Angehörigengesprächskreis
Die Alzheimer Gesellschaft Münster e. V. ist offen für alle; Leiterin ist Beate Nieding.

Gerontologie – Wissen für die Praxis
Die Webseite von Dr. Heike Elisabeth Philipp-Metzen vermittelt gerontologische Handlungskompetenz in zentralen Praxisfeldern.

Kinderuni Uni Köln
Die Webseite zur Universität zu Köln

Demenz im mittleren Lebensalter - Eine Handreichung mit Alltagshilfen des Projekts FrühLInk (PDF, 2.47 MB)
Das von der Techniker Krankenkasse NRW geförderte Projekt FrühLInk dient der Stärkung der Selbsthilfe und der Verbesserung der Versorgungssituation für Menschen mit Beginn der Demenz im mittleren Lebensalter in ganz NRW. Kontaktadresse: Dr. H. Elisabeth Philipp-Metzen, Projektleitung: Kontakt

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