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DAS WEBLOG

Kreativität und Begegnung

Christiane Rach am 11.10.2010, 00:00 | 1 Kommentar

Das Wort "Kreativität" leitet sich vom lateinischen "creatio" ab und bedeutet Schöpfung. Die Kreativität ist demnach unsere ureigene Kraft, der Welt immer wieder neu zu begegnen, sie zu gestalten und uns selbst dabei zu erfahren. Dies gilt auch für Menschen mit Demenz. Als Kunsttherapeutin arbeite ich in Einrichtungen der Tages- und Kurzzeitpflege, im vollstationären Pflegebereich und im häuslichen Umfeld. Leider finden sich kunsttherapeutische Angebote bislang eher selten.

Die Kunsttherapeutin Christiane Rach mit ihrem Patienten Heinrich Keller und einem Kunstwerk.
Foto: privat

Die Möglichkeit kreativen Ausdrucks für Menschen mit Demenz erlebe ich als sehr bereichernd. Nicht der Leistungsgedanke steht im Vordergrund, sondern der schöpferische, oft spielerisch suchende Akt, bei dem Neues entstehen kann und sich Bekanntes finden lässt. Räume öffnen sich, in denen Kontakt und Begegnung möglich werden.

"Alles wirkliche Leben ist Begegnung", formulierte der Religionsphilosoph Martin Buber. Begegnung wirkt im Inneren und im Äußeren und sie berührt die Identität, die Persönlichkeit des Menschen. Das lateinische "personare" bedeutet "hindurch klingen" oder auch "hindurch tönen". Für mich liegt es auf der Hand, dass sich unter geeigneten Rahmenbedingungen ein Raum öffnen kann, in dem unabhängig von verbaler Kommunikationsfähigkeit schöpferischer Ausdruck und auch das Anknüpfen an Identitätserfahrungen möglich werden. Durch das Anregen von Sinneserfahrungen ist ein direkter Zugang zu Gefühlsqualitäten möglich, wodurch wiederum andere Sinne belebt werden und diese dann zum Beispiel biografische Momente berühren können.

Werke voller Poesie

Manchmal gelingt in solchen Augenblicken auch die sprachliche Formulierung. Der kreative Ausdruck entwickelt sich oft sehr spontan und die entstehenden Werke beeindrucken in ihrer Authentizität. Sie sind zuweilen reich an Poesie oder Sprachbildern. Aber sie verweisen über den individuellen Horizont hinaus auch auf universelle Zusammenhänge unseres Seins.

Wenn wir unsere Sinne öffnen und neue Blickwinkel wagen, können wir den Reichtum und die Vielschichtigkeit des Lebens in seinen Facetten sehen und fühlen. Auf diese Weise nähern wir uns vielleicht einem Teil des Lebens mit und hinter der Demenz.

Informationen zur Autorin:

Foto der Weblogautorin Christiane Rach
Foto: Christiane Rach

Christiane Rach arbeitet als Kunsttherapeutin in Berlin und Brandenburg. Die ausgebildete Kunsttherapeutin lebt in Hohen Neuendorf und hat einen Sohn.

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1 Kommentar

Barbara Beuth am 16.10.2010, 11:03 Ich finde es wichtig, dass es für Menschen mit Demenz Möglichkeiten des Ausdrucks gibt, in denen sie nicht mit dem eigenen Versagen und ihren \"Unzulänglichkeiten\" konfrontiert werden. Das geschieht im Alltag oft genug, und da die Demenz durchaus auch wache Phasen hat, wird es von den betroffenen Menschen sehr bewußt erlebt. Das schmerzt sie nicht nur, sondern es macht sie verzweifelt und auch (auto)aggressiv. Wie viel Lebensqualität können sie dagegen erhalten, wenn sie sich frei und kreativ ausdrücken können! Es wäre schön, wenn diese Möglichkeit allen offen stünde.

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