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DAS WEBLOG

Biografiearbeit als wichtiger Teil der Pflege

Silvia Tijero Sanchez am 05.03.2012, 11:25 | 0 Kommentare

"Dejame en paz! Usted no me comprende!" – Frau Perez ist verzweifelt, weil Schwester Andrea nicht versteht, dass Frau Perez einfach ihre Ruhe haben und an ihrem Platz sitzen bleiben möchte. Doch die Demenzkranke will schon seit sechs Stunden nicht von ihrem Stuhl aufstehen und das bereitet Schwester Andrea Sorge. Aber die Pflegerin spricht kein Spanisch und Frau Perez – gebürtige Peruanerin – fällt immer häufiger in ihre Muttersprache zurück. Das macht die Kommunikation ziemlich schwierig.

Die 65-jährige Frau Perez ist im Laufe ihrer Krankheit zunehmend desorientiert. Sie ist oft sehr aggressiv, launisch und unruhig. Am liebsten ist sie alleine, häufig beschimpft sie das Pflegepersonal. Und wenn sie merkt, dass sie sich nicht verständlich machen kann, wird die Situation noch schlimmer. Im vergangenen Jahr ist auch noch ihr Mann, ein Spanier, gestorben. Ihre beiden Kinder sind in Deutschland geboren und sprechen kaum Spanisch. Auch waren sie nie in Peru und wissen kaum, wie das Leben ihrer Mutter dort war. Frau Perez hat keine Verwandten mehr, die etwas über ihre Kindheit und Jugend erzählen könnten. In der Pflegedokumentation von Frau Perez ist daher keine Biografie (die persönliche Geschichte der Patienten) zu finden und es ist fast unmöglich, eine zu erstellen.

Die Methode der Biografiearbeit wird eingesetzt, um eine individuelle Lebensgeschichte (Biografie) zu erstellen. Sie ist gerade für Menschen mit Migrationshintergrund besonders hilfreich, um bei der Betreuung und Begleitung die Sprachbarriere und vielleicht auch kulturelle Unterschiede besser umgehen zu können. In der Biografie finden sich Hinweise auf den Lebenslauf und Lebensereignisse einer Person. Die Daten und Informationen werden im Laufe der Biografiearbeit mit Unterstützung der Familienangehörigen gesammelt. Dazu zählen Erlebnisse, Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Alltag, der Familie und dem Berufsleben. Biografiearbeit ermöglicht drei wichtige Blickwinkel auf die Erkrankten: die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

Für die Betreuung von Frau Perez wäre Biografiearbeit sehr hilfreich. Auch wenn es nicht viele Informationen zu ihrem Leben in Peru gibt, sollten ihre Kinder in Abstimmung mit Freunden, Bekannten und vielleicht sogar ehemaligen Kollegen mithelfen Informationen aus dem Leben von Frau Perez zusammen zu tragen. Zusätzlich wäre es sinnvoll, eine Pflegefachkraft als Bezugsperson einzustellen, die Spanisch sprechen kann, um auch Frau Perez selbst in die Biografiearbeit einzubeziehen.

Foto der Weblogautorin Silvia Elizabeth Tijero Sanchez
Foto: Silvia Elizabeth Tijero Sanchez

Silvia Elizabeth Tijero Sanchez ist examinierte Altenpflegerin, Lehrerin für Pflegeberufe und Berufspädagogin - Fachbereich: Pflege. Die Peruanerin absolvierte u. a. eine Fachweiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie und arbeitete mehrere Jahre in verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege im stationären und ambulanten Dienst. Zurzeit arbeite sie als Lehrkraft in der Aus- und Weiterbildung.

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