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DAS WEBLOG

Das Langzeitgedächtnis - die Multilinguale Schwester

Silvia Tijero Sanchez am 06.08.2012, 12:20 | 0 Kommentare

Im Verlauf der Demenz ist nur noch die Vergangenheit präsent. Einst erlernte Fremdsprachen werden nach und nach „ausgelöscht“. Frau Ernst-Tijero berichtet von ihren Erfahrungen.

Frau Perez spricht wenig und leider nur auf Spanisch. Herr Clinton spricht zurzeit nur auf Englisch, Frau Thylakoidlumen spricht außer ein paar Wörtern auf griechisch fast nichts mehr. Alle anderen sind Deutsche aber auch sie sprechen nicht deutlich und nicht klar.

Die Station, wo diese Bewohner wohnen, ist eine besondere Station.
Die Betreuung, die Begleitung und Versorgung der Bewohner sind sehr gut aber Schwester TES wünscht sich ab und zu „multilingual“ zu sein. Sie sagt: “Wenn ich die Möglichkeit hätte verschiedene Sprachen verstehen oder sprechen zu können, wäre die Begleitung der Bewohner besser - außer meiner Muttersprache kann ich leider keine andere Sprache sprechen.“

Die Situation, die oben beschrieben wurde, könnte Fantasie sein, auf der anderen Seite entspricht sie der zukünftigen Realität bei der Betreuung von Migranten mit Demenz.

Was soll man machen, wenn Migranten mit Demenz nur noch ihre Muttersprache sprechen. Hier ist nicht nur die Sprache beeinträchtigt, sondern andere kulturelle Prägungen werden wieder auftauchen dank des Langzeitgedächtnisses.

Gedächtnis, was bedeutet das? Das Gedächtnis hat eine Speicherfunktion, diese Speicherfunktion hat eine begrenze Kapazität. Deswegen selektiert das Gedächtnis, bzw. wählt Dinge aus. Das Gedächtnis hat eine besondere Fähigkeit. Es kann sich Erlebnisse merken, speichern und als Erinnerung wieder abrufen. Diese Fähigkeiten werden als „Merkfähigkeit“ bezeichnet.

Die Merkfähigkeitfunktion besteht aus drei Gedächtnisformen:
Das Ultrakurzzeitgedächtnis (rapides Gedächtnis)
Das Kurzzeitgedächtnis (primäres, aktuelles Gedächtnis, es wählt aus, was in das
Langzeitgedächtnis gespeichert wird).
Das Langzeitgedächtnis (hier wird alles gespeichert, was das Kurzzeitgedächtnis selektiert hat und kann wieder abgerufen werden).
Dank, des Langzeitgedächtnisses sind Frau Perez, Herr Clinton, Frau Thylakoidlumen und Frau Özdemir noch einmal zu ihrer Muttersprache zurück gekehrt.

Es wird schwierig, Pflegepersonal zu finden, das viele Sprache spricht. Die Versorgung der Migranten mit Demenz kann aber verbessert werden, wenn wir das Langzeitgedächtnis unterstützen können.

Dafür brauchen wir Information über das frühere Leben der Migranten. Diese Information können wir durch Biografiearbeit erreichen.

Silvia Ernst-Tijero

Foto der Weblogautorin Silvia Elizabeth Tijero Sanchez
Foto: Silvia Elizabeth Tijero Sanchez

Silvia Elizabeth Tijero Sanchez ist examinierte Altenpflegerin, Lehrerin für Pflegeberufe und Berufspädagogin - Fachbereich: Pflege. Die Peruanerin absolvierte u. a. eine Fachweiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie und arbeitete mehrere Jahre in verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege im stationären und ambulanten Dienst. Zurzeit arbeite sie als Lehrkraft in der Aus- und Weiterbildung.

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