Wissenschaftliche Studien
Die Risikofaktoren, die eine Demenz begünstigen, sind gut erforscht. Auch in Diagnostik und Früherkennung sowie in Therapie und Versorgung hat die Wissenschaft viele Kenntnisse zusammengetragen. Andere Herausforderungen stellen sich dagegen weiterhin, ohne dass mittelfristig Lösungen in Sicht wären. Dazu gehört unter anderem ein wirksamer Schutz vor der Erkrankung.
Aufgrund der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft wird die Demenzforschung immer wichtiger. Die folgende Übersicht listet die zentralen Themen und Ergebnisse der letzten Jahre auf und nennt aktuelle und künftige Forschungsschwerpunkte. Die in den Klammern genannten Ziffern im Text verweisen auf die in der Literaturliste aufgeführten Publikationen.
Risiken und Prävention
Geistige Aktivität schützt in gewissem Maße vor Alzheimer. Diese schon früh aufgestellte Vermutung hat die berühmte "Nonnenstudie" der Kentucky University (USA) bestätigt (20). Die Forschung ist sich weitgehend einig, dass auch regelmäßige körperliche Aktivität (1) und ausgewogene Ernährung wie zum Beispiel in der Mittelmeerkost (4, 18) einer Demenz vorbeugen. Erhöhter Blutdruck und erhöhtes Cholesterin im mittleren Lebensalter können sich dagegen ungünstig auswirken (6). Auch eine Depression (13) scheint das Risiko zu erhöhen, an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz zu erkranken.
Wirkung von Alkohol
Schwierig ist es, den Einfluss von Alkohol auf die Entwicklung einer Demenz einzuschätzen. Einige Untersuchungen haben ergeben, dass bei leichter Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten ein geringer Alkoholkonsum ab einem Alter von 55 Jahren einer Demenz vorzubeugen scheint (17). Empfehlungen sprechen die Forscher zurzeit jedoch nicht aus (14). In Zukunft müssen die Zusammenhänge zwischen einer genetischen Prädisposition und den Risikofaktoren beim Entstehen einer Demenz weiter untersucht werden.
Diagnostik
In den vergangenen Jahren beschäftigte sich die Demenzforschung intensiv damit, die Diagnostik zu verbessern, um eine frühzeitige Therapie zu ermöglichen. Dabei spielen vor allem Biomarker und genetische Untersuchungen eine Rolle. Die Bestimmung der Neurodegenerationsmarker im Liquor hilft, zwischen einer primären und sekundären neurodegenerativen Demenzerkrankung zu unterscheiden. Diese Methode hat inzwischen auch Eingang in die Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte gefunden, wenngleich sie weitere Diagnoseverfahren nicht überflüssig macht (8). Ein besonderes Augenmerk sollte auf der frühen Diagnose und Verlaufsbeobachtung leichter kognitiver Einschränkungen liegen, da die daraus resultierende frühzeitige Therapie die Entwicklung einer Demenz günstig beeinflussen könnte (15).
Therapie mit verfügbaren Medikamenten
Kein Medikament ist derzeit in der Lage, Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome bei Alzheimer und anderen Demenzformen vollständig zu beheben. Eine Reihe von Untersuchungen geht daher der Frage nach, wie wirksam die Behandlung mit Antidementiva ist (3). Memantine sowie Psychopharmaka sind weiterhin umstritten. Zwar lassen sich Wahnvorstellungen und Halluzinationen mit Antipsychotika und psychosozialen Methoden erfolgreich behandeln (2). Es hat sich aber gezeigt, dass diese Substanzen das Risiko der Sterblichkeit bei Älteren erhöhen (11). Atypische Antipsychotika führen zusätzlich zu mehr zerebrovaskulären Ereignissen (19). Zur Behandlung psychischer und Verhaltenssymptome bei Alzheimer haben sich bisher Kombinationstherapien mit Medikamenten wie Acetylcholinesteraseinhibitoren, Antipsychotika und Antidepressiva sowie psychosozialen Maßnahmen am besten bewährt (9).
Impfung
Die Forschung ist seit Längerem auf der Suche nach neuen Substanzen, mit denen sich eine Demenz oder Alzheimer-Erkrankung nicht nur symptomatisch, sondern auch ursächlich behandeln oder sogar verhindern lässt. Die Hoffnung richtet sich unter anderem auf die Anti-Amyloid-Therapie als Impfung (21).
Nicht medikamentöse Therapien
Psychosoziale Interventionen haben sich etabliert, um neurologische und psychische Symptome sowie Verhaltensauffälligkeiten zu behandeln. Verhaltenstherapie und kognitive Stimulation helfen beispielsweise bei Gedächtnis-, Konzentrations- und Sprachschwierigkeiten (10). Auch körperliches und kognitives Training (5) waren in den letzten Jahren Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Beide Methoden wirken sich positiv auf das Verhalten und die geistige Leistungsfähigkeit aus. Umherwandern als typisches Symptom einer Demenz und Möglichkeiten der Vorbeugung müssen weiter untersucht werden. Bisher hat sich hier keine Therapie als eindeutig erfolgreich erwiesen (16).
Versorgung
Große Fortschritte hat die Versorgungsforschung gemacht. Eine Untersuchung zeigte: Die Qualität der ambulanten Versorgung kann durch aufsuchende und multiprofessionelle Arbeit verbessert werden (23). Die ärztliche Versorgung in Pflegeheimen war ebenfalls Gegenstand vieler Untersuchungen. Sie wird fast ausschließlich von Hausärzten gewährleistet. In manchen Regionen gibt es Defizite und Qualitätsprobleme, da keine nervenärztliche und keine regelmäßige gebietsärztliche Versorgung sichergestellt ist (24). Häufig verläuft die Erstversorgung in Praxen nicht den Leitlinien entsprechend (22). Die Qualität der Versorgung im Krankenhaus hängt unter anderem davon ab, ob gerontopsychiatrische Abteilungen oder zumindest Konsiliar- und Liaisondienste sowie geriatrische Fachabteilungen vorhanden sind (7).
Technik
Zur Demenzforschung gehört auch, technische Hilfsmittel zu entwickeln, damit Betroffene länger selbstständig bleiben und Angehörige entlastet werden. Zahlreiche Untersuchungen bemängeln, dass die verfügbaren Hilfsmittel nicht benutzerfreundlich oder schwer zu beschaffen sind. Außerdem sei die Akzeptanz gering (12).
Downloads
Die Liste nennt sämtliche Publikationen, auf die die Nummern der Rubrik "Wissenschaftliche Studien" verweisen.
(PDF, 42 Kb)
Dr. Elmar Kaiser, Universitätsklinikum Heidelberg, über den Nutzen der Liquordiagnostik für die Früherkennung von Alzheimer.
(PDF, 159 Kb)
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