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Vorlesen

„Ich lese Ihnen mal was vor“
Wer vorliest, drückt Wertschätzung aus

Frühstücksrunde in der Tagespflege. Schwester Martha hat gerade nochmal ein paar Brote für die Gäste geschmiert. Denn wenn man in der Gruppe zusammen sitzt, schmeckt es meist noch besser. „Heute morgen habe ich schon etwas Lustiges in der Zeitung gelesen“, erklärt die Schwester. „Ein Einbrecher wurde gefangen, weil er in einen Hundehaufen getreten ist. Am Profil seiner Schuhe konnte man ihn erkennen.“ Und schon zieht sie die Zeitung hervor, sucht den Artikel – und liest vor. Schmunzelnd hören die Gäste zu.

Egal ob Geschichten oder Zeitungsartikel

Wer vorliest, drückt damit eine ganze Menge aus. Ohne es zu sagen, bringt er seinem Gegenüber zum Ausdruck: „Ich nehme mir Zeit für Sie.“ Oder: „Ich bin jetzt ausschließlich für Sie da.“ Oder auch: „Ich finde es schön, wenn wir mal eine Weile zusammen auf die gleiche Sache konzentriert sind.“

Beispiel aus der Geschichte: Kinderbücher

Vor einigen Jahrhunderten „gab“ es noch gar keine Kindheit. Kinder galten als unfertige Erwachsene. Sie waren in diesem Sinn noch nicht ganz fertig. Noch nicht ganz Person. Man hat sie noch nicht so ernst genommen wie heute. Weil man sie noch für nichts brauchen konnte, galten sie eher als unwichtig. Erst vor etwa zweihundert Jahren hat man das Kind so langsam entdeckt. Kinder waren es wert, dass man ihnen eine Geschichte schreibt – Bücher für sie herausbringt. Ihnen gute Unterhaltung anbietet.

Links zum Thema Kindheit und Kinderbücher:

https://www.planet-wissen.de/kultur/literatur/kinderliteratur_von_den_anfaengen_bis_heute/index.html#anfang

http://www.kinderbuch-schreiben.de/kinderbuch-schreiben/geschichte.php

https://de.wikipedia.org/wiki/Kinder-_und_Jugendliteratur

Und jetzt: Bücher für Menschen mit Demenz

Seit einigen Jahren gibt es auch Vorlesebücher für Menschen mit Demenz. Wer Menschen mit Demenz vorliest, kann damit ganz leicht auf gleiche Augenhöhe kommen, gemeinsam in eine Geschichte eintauchen und dem anderen damit zeigen: Ich nehme dich ernst. Mögen Vorlesegeschichten für Menschen mit Demenz den Zuhörern vor allem zeigen, dass sie wertvolle Menschen sind. Menschen, die man ernst nimmt. Trotz Demenz.