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Eine Gruppe Menschen unterschiedlichen Alters demonstrieren auf der Straße, sie halten ein Banner mit der Aufschrift Aktiv und selbstbestimmt mit Demenz

Familien unterstützen

Familien in Deutschland leisten einen unersetzlichen Beitrag, wenn es um die Betreuung und Pflege kranker, alter und gebrechlicher Menschen geht. Ohne sie wäre diese Aufgabe weder finanziell noch personell zu stemmen. Doch die häusliche Pflege Demenzkranker ist alles andere als leicht.

Lokale Beratungsstellen, ambulante Dienste, Tageseinrichtungen und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer können unterstützen und entlasten. Mehr als die Hälfte der pflegebedürftigen Demenzkranken lebt zu Hause. Meist kümmern sich dort Familienangehörige über Jahre aufopferungsvoll um sie. Menschen mit Alzheimer und anderen Demenzformen gibt ein vertrautes Umfeld in der Regel ein hohes Maß an Sicherheit und Stabilität. Angehörigen ist es oft ein inneres Anliegen, die Kranken möglichst lange zu Hause zu begleiten. Sie nehmen die damit einhergehenden Belastungen auf sich, weil sie immer wieder sehr schöne Momente der Verbundenheit erleben.

Zwei Frauen begleiten eine ältere Dame, die einen Rollstuhl schiebt, beim Überqueren eines Zebrastreifens
Foto: Michael Uhlmann

Je stärker die Demenz fortschreitet, desto umfassender benötigen Kranke Betreuung und Pflege. Dabei überfordern sich viele Angehörige. Erschöpfung und gesundheitliche Probleme sind häufig die Folgen. Betroffene sollten sich deshalb frühzeitig nach Hilfen umsehen - im familiären, aber auch im ehrenamtlichen oder professionellen Umfeld. Unterstützung gibt es von vielen Seiten. Zum Beispiel fördert das Bundesfamilienministerium eine kostenlose psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige.

Überforderung und Gewalt vermeiden

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz kann - je weiter die Krankheit voranschreitet - zur Überforderung und in manchen Fällen auch zur Anwendung von physischer oder psychischer Gewalt führen. Denn die Pflegenden, oft die ebenfalls hochaltrigen Lebenspartner oder die Lebenspartnerinnen, fühlen sich mit dem für sie belastenden Situationen allein gelassen.

Um solchen Situationen vorzubeugen, aber auch Hilfe und Unterstützung zu geben, wenn es bereits zu Gewalthandlungen gekommen ist, können entsprechende Beratungs- und Anlaufstellen Hilfe und Unterstützung geben.

Der vom BMFSFJ geförderte Themenreport „Gewaltprävention in der Pflege“ der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) informiert zum Thema Gewalt in der Pflege und kann zu deren Vermeidung beitragen.

Rat und Hilfe von Gleichgesinnten

Der Kontakt zu Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, hilft, mit der eigenen Situation besser zurechtzukommen. Beratungsstellen, lokale Alzheimer-Gesellschaften oder Wohlfahrtsverbände bieten häufig Selbsthilfegruppen für Angehörige von Demenzkranken an. Auch der persönliche Austausch in unserem Angehörigen-Weblog kann hilfreich sein.

Kompetente Beratung in Pflegefragen

Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen haben, laut Pflegeweiterentwicklungsgesetz, ein Recht darauf, sich von den Pflegekassen umfassend und individuell beraten zu lassen. Dies geht entweder telefonisch oder ein Pflegeberater besucht die Betroffenen zu Hause. An manchen Orten findet die Beratung auch in sogenannten Pflegestützpunkten statt. Informationen dazu gibt es bei den Kranken- und Pflegekassen. Durch das zweite Pflegestärkungsgesetz erhalten Angehörige seit dem 1. Januar 2016 einen eigenen Anspruch auf Pflegeberatung: Wer Leistungen bei der Pflegeversicherung beantragt, erhält automatisch das Angebot für eine Pflegeberatung.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Um pflegende Angehörige in ihrer oft schwierigen Situation zwischen Familie, Pflege und Beruf zu unterstützen, hat die Bundesregierung seit dem 1. Januar 2015 wichtige Neuregelungen im Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeitgesetz vorgenommen. Durch weitere Ausdehnungen des Pflegezeitgesetzes II ab dem 1. Januar 2017 ergeben sich für mehr pflegende Angehörige Verbesserungen bei Rentenversicherungsbeiträgen und der Arbeitslosenversicherung. Folgende Maßnahmen sollen dem pflegenden Angehörigen mehr Flexibilität und Sicherheit geben, um ihre Angehörigen zu pflegen und gleichzeitig im Beruf bleiben zu können:

  • Bei einem akut auftretenden Pflegefall in der Familie können Beschäftigte eine zehntägige Auszeit nehmen und bei der Pflegekasse des zu Pflegenden Pflegeunterstützungsgeld beantragen.
  • Es besteht ein Rechtsanspruch auf teilweise oder vollständige Freistellung von bis zu sechs Monaten im Rahmen der Pflegezeit mit der Möglichkeit ein zinsloses Darlehen in Anspruch zu nehmen, wenn der Arbeitgeber mehr als 15 Beschäftigte hat.
  • Im Rahmen der Familienpflegezeit können pflegende Angehörige eine 24 monatige teilweise Freistellung  bei einer Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden in Anspruch nehmen, wenn sie einen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen.

Ausführliche Informationen zu den neuen Regelungen finden Sie auf der Internetseite Wege zur Pflege.

Ambulante Pflegedienste

Viele pflegende Angehörige sind berufstätig oder haben andere Pflichten zu erfüllen. Ihnen fehlt die Zeit, rund um die Uhr für einen Demenzkranken da zu sein. Andere sind dazu körperlich nicht mehr in der Lage. In solchen Situationen können Angehörige statt Pflegegeld Sachleistungen beantragen. Zum Beispiel in Form von ambulanten Pflegediensten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen ins Haus und helfen Demenzkranken aufzustehen, sich zu waschen und anzuziehen, ins Bett zu gehen oder regelmäßig Tabletten einzunehmen.

Zeitweise Entlastung

Auch pflegende Angehörige benötigen Zeit für sich oder für einen Besuch beim Arzt, sie wollen Sport treiben oder Freunde treffen. Betreuungsgruppen, die Demenzkranke einmal oder mehrmals pro Woche für ein paar Stunden betreuen, sind hier eine gute Lösung. Wenn Angehörige in den Urlaub fahren oder im Krankenhaus sind, können Demenzkranke für einige Tage oder Wochen vorübergehend in ein Heim ziehen. Die Pflegekassen bezuschussen diese Kurzzeitpflege mit bis zu 1.612 Euro pro Jahr.

Hilfen annehmen

Pflegende Angehörige sollten sich Hilfe holen, um Demenzkranke besser zu versorgen und um sich selbst zu entlasten. Denn wer rund um die Uhr für einen anderen Menschen da ist, benötigt auch regelmäßig Zeit für sich selbst, um zufrieden und gesund zu bleiben sowie Kraft für die Pflege zu haben.

Alternative Heim

Manchmal ist die Pflege zu Hause nur eine bestimmte Zeit lang oder gar nicht möglich. Das hat ganz verschiedene und oft sehr individuelle Gründe. Nach Jahren der häuslichen Pflege sind Angehörige oft am Ende ihrer Kraft und können die Pflege nicht mehr leisten. Dann ist es besonders wichtig, ein Heim zu finden, in dem sich Pflegebedürftige und besuchende Angehörige gleichermaßen wohlfühlen. Unabhängige Beratungsstellen und Checklisten helfen dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.

 

 

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Unterstützung von Familien finden Sie im Weblog unter dem Stichwort Entlastung und in den Videofilmen Betreutes Wohnen in Kiel und Gemeinsamer Urlaub mit Demenz.

 

 

 

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