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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wohnungsfrage für Ehepaare
25.05.2011 | 18:42
Speedy

Hallo!
Mein Opa ist leider an Demenz erkrankt und außerdem sehr schlecht zu Fuß. Er und meine Oma leben noch in ihrem Haus, allerdings wird es für meine Oma immer schwerer ihn zu betreuen. Er steht zum Beispiel oft in der Nacht auf, weil er denkt, dass es schon Morgen ist und läuft im Haus herum. Meine Oma kann dann natürlich auch nicht mehr schlafen und versucht ihn zurück ins Bett zu bekommen, doch er weigert sich. Da er öfter stürzt überlegen wir, ob vielleicht betreutes Wohnen für beide besser wäre. Wir haben nur Angst, dass Opa durch die fremde Umgebung noch verwirrter ist, Nachts weiter herumwandert und Oma damit weiter stört. Gibt es da noch andere Möglichkeiten (Pflege zu Hause wollen sie nicht) oder gibt es Möglichkeiten in gewissen Einrichtungen dafür zu sorgen, dass mein Opa schläft und meine Oma nicht mehr alleine mit dem Problem ist?
Über eine Antwort wäre ich sehr dankbar!

26.05.2011 | 14:10
klauspawletko

Hallo Speedy,
eine Lösung für das Problem Ihrer Großeltern ist gar nicht so einfach, weil fast alle Alternativen mit möglichen Nachteilen einer der beiden Großeltern verbunden sind.
Der Reihe nach: Ein Umzug in ein "Betreutes Wohnen" bringt meines Erachtens nicht die gewünschte Entlastung, weil erstens nachts in der Regel kein Personal vorhanden ist und zweitens auch im Betreuten Wohnen Ihre Großmutter in ihrer Nachtruhe gestört wird - wie auch die übrigen Bewohner. Da sind Konflikte vorprogrammiert!
Ein auf Demenz eingerichtetes Pflegeheim würde wahrscheinlich Ihrer Großmutter nicht gefallen (wenn es überhaupt möglich wäre, dort mit einzuziehen).
Wenn beide Großeltern in räumlicher Nähe bleiben wollen UND Ihre Großmutter ungestörte Nächte verbringen möchte, muss entweder eine Lösung an ihrem derzeitigen Wohnort gefunden werden oder ihr Großvater zieht allein in eine spezielle Pflegeeinrichtung und die Großmutter in die Nähe. Solche Möglichkeiten gibt es z.B. in der "Schönholzer Heide" in Berlin, wo Angehörige in unmittelbarer Nachbarschaft zu der "Demenz-Wohngemeinschaft" des Trägers wohnen können.
Bei der häuslichen Variante wäre zu überlegen, wie mit einer Mischung aus Aktivitäten tagsüber (damit der Opa nachts müde ist) und einer angemessenen Medikation die nächtliche Aktivität reduziert werden kann.
Bei dieser Variante müssten in jedem Fall andere Personen und Dienste eingebunden werden. Ambulante Dienste und ehrenamtliche Besuchsdienste kommen dabei in Frage. Hierbei gibt es auch die Möglichkeiten der Finanzierung über die Pflegeversicherung nach § 45.
Welche Variante auch immer in Betracht kommt: Sie wird mit eher hohen Kosten verbunden sein. Besonders bei einer Lösung, die mit einem Umzug für Beide verbunden ist, muss man damit rechnen, das Haus verkaufen zu müssen, damit der Erlös für die zu erwartenden Kosten eingesetzt werden kann.
Ich empfehle Ihnen daher dringend, sich mit einer Wohnberatungsstelle oder einem Pflegestützpunkt in Verbindung zu setzen, um die an Ihrem Wohnort möglichen Alternativen zu besprechen.

Soviel erst einmal für heute. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bis dahin beste Grüße von

Klaus-W. Pawletko



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