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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Vorsorgevollmacht, Heimunterbringung
01.05.2019 | 09:14
Helga2017

Hallo,

ich habe eine Frage bzgl. Unterbringung in einer Demenzeinrichtung gegen den Willen des Dementen mit Hilfe einer Vorsorgevollmacht, in der Miet- und Wohnungsangelegenheiten nicht ausgeschlossen sind.

Hintergrund ist, dass seine Ehefrau vor Kurzem verstorben ist und die Versorgung des dementen Vaters von einem Kind mit alleiniger Vorsorgevollmacht, es sind drei Kinder insgesamt, organisiert wird.

Mit dem Tod seiner Frau steht für den Vater nicht nur die schwierige Bewältigung der Trauer an, sondern es ist quasi auch seine Trainerin, Haushälterin, Betreuerin..., kurz sein Kompass gegangen.
Um eine 24h Betreuung wurde sich, trotz Einspruch eines der Kinder, nicht bemüht, stattdessen wurde eine nette Person für den Vormittag organisiert. Es gab Besuche und Telefonate am Nachmittag/ Abend.
In der Zwischenzeit hat der Vater wohl Fremde ins Haus gelassen und Geld geschenkt und soll gegen das Kind mit der Vollmacht handgreiflich geworden sein.
Keine 2 Monate nach dem Tod der Ehefrau soll nun der Vater in eine Demenzeinrichtung gebracht werden.
Dies wäre absolut gegen seinen Willen.
Der Mann ist noch recht mobil aber außerstande seinen Alltag zu organisieren. Eine Betreuung im eigenen Haus wäre zZt noch ohne bauliche Veränderungen möglich.

Welche Möglichkeiten hat der Vater noch?
Mir scheint, man sollte den Leuten lieber von so einer Vollmacht abraten. Zur Zeit der Unterzeichnung der Vorsorgevollmacht durch das eine Kind (1. Person zu früherem Datum nur Ehefrau), war bereits durch einen Krankenhausaufenthalt Demenz diagnostiziert worden. Der Vater ist seitdem nicht mehr in Behandlung.

Schön, dass es dieses Forum gibt!

01.05.2019 | 09:55
klauspawletko

Hallo Helga 2017 ,
Vorsorgevollmachten sollen- rechtzeitig und bei klarem Verstand erteilt - dafür sorgen, dass fūr den Fall der eingeschränkten Handlungsfähigkeit jemand Entscheidungen trifft.
Diese sollten weitgehend im Sinne des Vollmachtgebers sein.
Besonders kritisch dabei ist dabei immer die Frage des Wohnortes bzw. die einer Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung. Ob es hierbei ausreicht, solch eine Aufenthaltsbestimmung " nicht auszuschliessen ", kann ich nicht seriös beurteilen. Kritisch scheint zudem zu sein, dass die Vorsorgevollmacht zu einem Zeitpunkt erstellt wurde, an dem der Vollmachtgeber bereits nur noch eingeschränkt einsichtsfähig war.
Klären könnte dies das zuständige Amtsgericht - mit der Möglichkeit, dass eine Betreuung eingerichtet wird. Ob dies im Sinne des Betroffenen alten Herrn ist, darf man durchaus bezweifeln.
Man kann natürlich eine Person als Betreuer vorschlagen.
Sie verschweigen ja, aus welcher Position Sie Ihren Beitrag geschrieben haben. Deshalb sollten Sie kritisch prüfen, ob Sie diesen Prozess in Gang setzen wollen und auch ggf. Die Betreuung übernehmen wollen.
So viel dazu erst einmal für den Moment.
Freundliche Gruesse von Klaus Pawletko

15.05.2019 | 19:51
sohn

Guten Abend Helga2017,

soweit meine eigenen Erfahrungen reichen, ist die (Heim-)Unterbringung GEGEN den deutlich und verständlich geäußerten Willen des Betroffenen NICHT möglich (was ja in der THEORIE auch wünschenswert und richtig ist, denn wohl niemand will irgendwohin abgeschoben oder entsorgt werden). Auch ich habe eine notarielle Vorsorgevollmacht und da meine Mutter immer weniger alleine zurechtkommt, bräuchte sie eigentlich dringend Gesellschaft und jemand, der ihre Defizite kompensiert. ABER sie wehrt sich gegen alles und jeden (24h-Kraft bei ihr oder Heimunterbringung), nichts kann man ihr Recht machen und so sitzt sie mutterseelenalleine, einsam und gelangweilt in ihrem Haus. Selbst auf die eindringlichen Bitten ihrer Ärztin und Pflegedienstmitarbeiterin u. a. ist sie nicht eingegangen, sondern hat stattdessen ihren sturen Kopf durchgesetzt (wie schon ihr ganzes Leben), woraufhin mir die Ärztin sagte, gegen den Willen meiner Mutter sei nichts zu machen. Erst, wenn sie sich oder andere GEFÄHRDET (und dazu genügt wohl ein Anbrennen des Essens auf dem Herd NICHT ), ließe sich etwas machen. Wie bei der Polizei: die wird erst aktiv, wenn das Opfer ermordet wurde, nicht präventiv.

Ich habe inzwischen (in den letzten Jahren) alle Register gezogen, die sich mir boten, u. a. auch mit einer Rechtspflegerin vom Amtsgericht gesprochen. Aber wie überall in der Justiz bekommt man nur wischi-waschi-Aussagen, also niemals etwas Gescheites, keinen Klartext. Irgendwas von "PsychKG" habe ich schon öfter gehört, besitze aber kein verwertbares Wissen dazu. Damit wäre wohl eine Einweisung gegen den Willen des Betroffenen möglich.

Sie schreiben, der Betroffene könne noch gut zu Hause bleiben, wenn er eine 24h-Betreuung hätte. Warum dies nicht erfolgt, ist für mich aus Ihrem Text nicht so richtig nachzuvollziehen. Das wäre, so würde ich behaupten, IHRE Aufgabe, dafür zu sorgen, wenn sich das mit der Vollmacht ausgestattete Kind nicht zu diesem Zwecke einbringt. Wenn aber dieses "Kind" seine Aufgabe nicht so erfüllt wie es das sollte und es sich auch nicht in die richtige Richtung steuern läßt (denn so interpretiere ich Ihre etwas diffusen Angaben), haben Sie wohl ein Problem.

Übrigens würde ich Ihnen dringend ABRATEN von dem, was Herr Pawletko bzgl. "Klärung" durch das Amtsgericht geschrieben hat. Zwar habe ich noch keine Erfahrung mit Gerichten in Betreuungsangelegenheiten, aber dafür zahlreiche andere schlechte Erfahrungen aus Gerichtsverfahren (und generell sehr schlechte und zahlreiche Erfahrungen mit Behörden). Mein Resumée daraus lautet: Gerichte behindern und schädigen und verursachen mitunter gigantische Kosten, aber KLÄREN tun sie NIEMALS etwas.

Ich rate DRINGEND davon ab, mit "Hilfe" der Behörden zu brauchbaren Ergebnissen kommen zu wollen. Entweder Sie knien sich richtig rein und versuchen es "privat" untereinander zu klären oder Sie haben, wie ich oben schon schrieb, ein ernstes Problem.

Grundsätzlich gilt, wie überall und jederzeit: ist das Kind erst in den Brunnen gefallen und ertrunken, ist es zu spät. Will heißen: wenn Ihr alter Herr wie unzählige andere auch versäumt hat, rechtzeitig alles mit den Angehörigen zu besprechen, zu klären und vorzubereiten sowie die "geeigneten" Personen für seine Vertretung auszuwählen, läßt sich das im Nachhinein nicht mehr kompensieren. Dann murkst man herum und die Ergebnisse sind und bleiben Murks.

Ihre Äußerung, man solle "den Leuten lieber von so einer Vollmacht abraten", ist GRUNDFALSCH !!!!! Ohne diese Vollmacht wäre ich bei meiner Mutter schon lange in Teufels Küche; selbst mit der Vollmacht ist es noch ein dauernder Kampf, ABER die Vollmacht ist überall der "Türöffner" für mich, ohne den ich NICHTS, aber auch rein gar nichts machen würde.

Das RICHTIGE, was die Leute tun sollen, ist, sich RECHTZEITIG mit dem Thema auseinanderzusetzen. Alles gründlich zu durchdenken, zu besprechen, sich fehlende Informationen zu beschaffen und stabile soziale Kontakte (vor allem zu den Bevollmächtigten) aufzubauen. Damit dann, wenn seitens der Betroffenen nichts mehr geht, die Bevollmächtigten im Sinne der Betroffenen handeln können und werden.

Das richtige Alter, sich mit dem ganzen auseinanderzusetzen (und dazu zählen natürlich auch Patientenverfügung etc.), ist im Grunde ab Volljährigkeit. Aber spätestens mit vierzig oder fünfzig Jahren ist es "höchste Eisenbahn". Macht zwar fast niemand, aber genau deswegen gibt es ja auch so viel Elend am Lebensende.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 15.05.2019 um 20:07.]

27.05.2019 | 07:52
martinhamborg

Hallo Sohn, zunächst möchte ich Ihnen danken, dass Sie mit Ihrern Erfahrungen dieses Forum bereichern und wir immer weniger schreiben müssen.
Allerdings Ihre Empfehlung, es besser ohne Unterstützung unseres Hilfesystems zu machen, muss ich doch aufgreifen. Die schlechten Erfahrungen kann ich nachvollziehen, denn es ist immer von den handelnden Menschen abhängig, aber ich kenne viele engagierte Fachleute in diesem Bereich, die oft nur eine begrenzte Einflussmöglichkeit haben.
So hängt das "PsychKG" aus guten Gründen die Hürde für Zwangsmaßnahmen sehr hoch, denn eine Zwangseinweisung ist immer das allerletzte Mittel. Es fordert uns auch dazu auf, alles menschenmögliche vorher gemeinsam zu probieren. In Kiel beschäftigen wir uns z.B. im Arbeitskreis gemeindenahe Strategie, wie wir die Netzwerke stärken können, um Zwang zu verhindern - für Menschen mit psychischen Krankheiten und auch für Menschen mit Demenz.
Ich stimme Ihnen zu, dass engagierte Angehörige auf jeden Fall durch Vollmachten das Heft in der Hand behalten sollten, aber bitte geben Sie den Profis eine Chance!
Ihr Martin Hamborg


27.05.2019 | 21:46
sohn

Nochmal hallo Herr Hamborg,

danke für Ihre freundliche Einleitung! Wenn Sie mich nochmal loben, fange ich an, Rechnungen zu stellen für meine Kommentare :-).

Vermutlich haben Sie etwas mißverstanden; ich habe nirgendwo etwas gegen IHR Hilfesystem eingewendet, ganz im Gegenteil!

Ich bin nur kein Freund der Behörden, und da stehen an allererster Stelle Gerichte. Aber auch Stadtverwaltungen kommen INSGESAMT bei mir schlecht weg (wobei es da durchaus positive einzelne Gegenbeispiele gibt!); Finanzämter, ......

Den Profis gebe ich auf jeden Fall eine Chance, jedenfalls in diesem Forum hier!



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