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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Senizid
28.05.2019 | 07:57
sohn

Wie lauten die unterschiedlichen Meinungen zu diesem Stichwort?

28.05.2019 | 09:15
hanne63

Hallo Sohn,
Senizid ist ein Begriff für die kulturelle Altentötung (Selbstötung oder Fremdtötung), z.B. bei Eskimos, Japanern, Indianern etc in früheren Zeiten.......sie sicherte das Überleben des restlichen Stammes.....

Meine demente Mutter fragte mich vor 1 Jahr, warum man Leute wie sie (also Vater und Mutter beide dement), nicht einfach einschläfern würde. Und zwar war es eine ernstgemeinte Frage. Ich war sehr überrascht und antwortete ihr wahrheitsgemäß: weil das in Deutschland gesetzlich verboten ist.
Zum Verständnis muß ich noch sagen, dass meine Eltern immer einen Hund und Katze hatten, und diese Tiere immer wegen hohen Alters oder schwerer Krankheiten dann eingeschläfert werden mußten.

Ich selbst befürworte die Sterbehilfe, die ja in Deutschland verboten und umstritten ist. Aber wenn ein alter (und/oder) kranker Mensch sterben möchte, sollte ihm das ermöglicht werden....(ohne dass er sich vor einen Zug werfen muß oder ähnliches)...ich habe kürzlich im Fernsehen einen Bericht über einen begleiteten Suizid einer dementen Frau im Kreis ihrer Familie gesehen in den Niederlanden oder Belgien...die Frau konnte tags zuvor durchaus noch Auto fahren und sich normal unterhalten etc......wollte aber aufgrund ihrer Demenzerkrankung sterben..und zwar zu einem Zeitpunkt, wo sie es noch selbst entscheiden kann...und es wurde ihr ermöglicht.

es zählt doch sonst hier immer die berühmte Willensfreiheit .....

für mich selbst wünsche ich später im Falle des Falles, dass ich eine solche Möglichkeit haben werde.....

Ich fürchte jetzt wird gleich hier eine riesige Diskussion losgehen und wir werden viel Kritik ernten etc...ich werde vermutlich derzeit nicht die Energie haben, da mit zu streiten ;-)

28.05.2019 | 15:48
sohn

Hallo Hanne,

danke, daß Sie sich so schnell geäußert haben! Mit Ihrer Vermutung, daß hier eine Riesendikussion losgeht, liegen Sie bis jetzt jedenfalls noch daneben. Viele Aufrufe, aber niemand äußert sich dazu. Schauen wir mal ...

Inhaltlich bin ich voll und ganz bei Ihnen, will aber noch eine Spitzfindigkeit loswerden: die demente Frau aus Ihrem Beispiel, die Suizid begangen hat, wollte bestimmt nicht sterben, sondern wollte nicht mit Demenz leben und immer weiter ins Elend absacken. Aber da der einzige Ausweg aus dem Dilemma das Sterben bzw. der Tod ist, hat sie sich dafür entschieden (wie unzählige andere auch). Trotzdem halte ich es für wichtig herauszustreichen, daß auch solche Leute nicht wirklich STERBEN wollen, sondern demenzfrei sein möchten. Und da das im Leben unmöglich ist, bleibt nur der Tod als unausweichliches Übel.

28.05.2019 | 22:33
Elisabetha

Hallo Hanne63,

ich finde es sehr bemerkenswert von Ihnen dieses Thema anzusprechen.

Vor einiger Zeit habe ich eine Dokumentation aus der Schweiz gesehen, in der man von der Anfrage bei einer entsprechenden Organisation bis zur Freitodbegleitung die einzelnen Schritte nachvollziehen konnte.

Mir wurde plötzlich bewußt, wie sehr ich am Leben hänge und ich stellte mir die Frage, hätte ich wirklich den Mut mich zu diesen Schritt zu entschließen? Nein, als gesunde Frau kann ich diese Frage nicht beantworten. Es wäre vermessen, mir vorzustellen, was denn passieren müsste, damit ich diesen Weg für mich wählen würde. Wie Sie selbst schreiben, dass humanes Sterben im Falle eines Falles ein Option sein kann, ist wirklich ein tröstlicher Gedanke.


Hallo Sohn,

als ich Ihren Aufruf zu dem mir bis heute unbekannten Begriff "Senizid" entdeckte, erinnerte mich das eher an eine Quizsendung, als an ein Forum, in dem sich Menschen mitteilen und sich gegenseitig unterstützen können.

Was soll die Bemerkung an Hanne63: "Mit Ihrer Vermutung, daß hier eine Riesendikussion losgeht, liegen Sie bis jetzt jedenfalls noch daneben. Viele Aufrufe, aber niemand äußert sich dazu. Schauen wir mal ..."

Sammeln wir hier Follower, oder worum geht es Ihnen eigentlich? Aufmerksamkeit, Wertschätzung oder Unzufriedenheit loswerden? Ich empfinde Ihre Präsenz in diesem Forum mittlerweile als sehr anstrengend. Dass sich hier fremde Menschen in aller Offenheit austauschen können, ohne missverstanden zu werden, sollte bei allem gebotenem Respekt nicht permanent durch Ihr "profundes Wissen" überschattet werden.

29.05.2019 | 08:47
hanne63

Guten Morgen an Euch alle,
um nicht mißverstanden zu werden, schreibe ich nochmal zu dem Thema:
Es geht mir ausschließlich um den Willen des betroffenen demenzerkrankten und/oder alten oder schwerkranken Menschen......er soll entscheiden können....niemand anders...allein die Wahlmöglichkeit zu haben, kann schon weiterhelfen, auch wenn man sie nicht in Anspruch nimmt dann.

Palliativmedizin und palliative Versorgung ist ein Segen.

Die Naziverbrechen und systematische Vernichtung von Menschen verabscheue ich selbstverständlich auch und hoffe sehr, dass sich solche Zeiten niemals wiederholen werden.

31.05.2019 | 11:57
martinhamborg

Hallo an die Runde, in den letzten 30 Jahren habe ich unzählige Gespräche zu Suizidgedanken, Suizidversuchen und zum Thema "ich will nicht mehr" geführt. Aber noch viel häufiger habe ich die Sterbegegleitung von Menschen unterstützt, die sich diese Gedanken gemacht haben und dann fast immer ihren Frieden ohne Gewalt gefunden haben. Einige Erkenntnisse möchte ich gern zu dieser Diskussion beisteuern.
Aber zunächst einen Gedanken zum Senizid oder Gerontozid. Wir sollten eine ideologische und eine persönliche fast intime Ebene unterscheiden.
Auch in meiner täglichen Arbeit erlebe ich dieses ideologische Gift, mit dem der Wert des Lebens an Leistung oder andere Attribute geknüpft wird. Wie oft hören wir, es habe keinen Sinn mehr, weil ich nicht mehr so gesund oder leistungsfähig bin und den anderen nicht zur Last fallen möchte, das sich niemand mir gegenüber verpflichtet fühlen soll oder ich der liebevollen Hilfe und Abhängigkeit anderer nicht wert sei. Sehr oft ist es auch die Angst davor, von finanzieller Hilfe, von der Stütze abhängig zu sein oder die Kinder und Enkel nicht mehr durch ein schönes Erbe zu erfreuen und dann doch lieber auf eigentlich notwendige Pflege zu verzichten.

Viele dieser Antworten sind depressiven Gedanken oder mit einer Depression verknüpft und mit oder ohne Antidepressiva gut zu behandeln. Es gibt den stillen Bilanzsuizid, aber das ist die Ausnahme. Bei der Demenz denken eher die Außenstehenden darüber nach, sich in dieser Lage das Leben zu nehmen, während mir der oder die Erkrankte oft erzählen was er oder sie nicht mehr will (Einsamkeit, Ausgrenzung, Schmerzen, Zweifel) und wie wichtig es ist, in seinem oder ihrem Selbstwert von außen bestätigt zu werden. Die Aussage "ich will nicht mehr" ist also fast immer der Einstieg in diese Themen, in die Trauer und in die Suche nach einem neuen Sinn im Alter mit Vergesslichkeit.

Nach meiner Information ist der "Senizid" in der Geschichte viel seltener, als sich dies in Gesprächen so anhört. Es wurde darüber auch früher gesprochen, aber fast nie gemacht. Wie es manchmal heute zynisch heißt "das sozialverträgliche Ableben" gab es nur in allergrößter Not: Bei den Inuit das letzte Mal bei einer Hungersnot 1939. Wir hatten in den letzten Jahrzehnten einige Tabubrüche mit schwerwiegenden Auswirkungen und ich denke da nicht nur an die Nazigreul. Deshalb habe ich Angst vor den Menschen, die so offenherzig und beim Stammtisch verkünden, sie würden sich umbringen, wenn sie dement würden. Meine Erfahrung ist, sie machen es nicht, aber sie setzen damit andere unter Druck, weil sie ihre wichtige fast intime Frage auf andere übertragen. Wie sehr dies wirkt, habe ich ja bereits geschrieben und ich spare mir weitere Beispiele.

Das persönliche Gespräch zu dem letzten Lebensabschnitt und die potenzielle Möglichkeit das Leben zu beenden ist wertvoll und eine hohe philosophische Errungenschaft. Es gehört fast zu Krisen dazu, dass die Gedanken an eine Grenze kommen, als Hilferuf an sich selbst und die anderen. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die sich Zyankali besorgt haben, als letzten Mittel, wenn es überhaupt nicht mehr geht. Keine hat es gebraucht und manche haben noch gekämpft, als es wirklich zu Ende ging. Ich respektiere die Todessehnsucht und die depressive Verzweiflung, aber ich erlebe einen beachtlichen Rest an Lebenswillen. Dies gilt auch für Menschen, die das Essen ablehnen. Das konsequente Sterbefasten erlebe ich erst in der allerletzten Lebensphase der Demenz. Für mich bestätigt sich immer wieder der Satz: Ich will mir mein Leben nehmen heißt ich will leben und nicht sterben!

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Lebenswillen gerade bei den Menschen, die das Thema über den Umweg der Todessehnsucht ansprechen?
Ihr Martin Hamborg

31.05.2019 | 14:31
hanne63

Hallo Herr Hamborg,
ich bin direkt froh, dass Sie sich in die Diskussion eingeschalten haben und finde Ihren Beitrag gut...insbesondere der Gedankenanstoß: sich das Leben nehmen wollen....könnte auch bedeuten...es behalten und leben zu wollen.
Ich kann zu Ihrer Frage nach Erfahrungen beisteuern: meine Mutter hat vor ihrer Demenz immer gesagt, dass sie dann auf jeden Fall nicht mehr leben möchte.....jetzt im Heim, als sie nach ihrem Sturz dort im Bett lag, hatte sie Angst, dass sie jetzt bald sterben muß und eigentlich noch etwas da bleiben möchte.....dabei weinte sie sogar.
Auch mein Vater, der ebenfalls sehr dement ist, sagte kürzlich angesichts der Heimunterbringung meiner Mutter: dann lieber tot....und er selbst wollte auch nicht leben mit Demenz....aber jetzt zeigt er erstaunlichen Lebenswillen und genießt es stundenlang in der Sonne zu liegen und läßt sich keineswegs davon abbringen.

01.06.2019 | 20:15
sohn

Hallo Elisabetha,

ich kann Ihren Gedankengängen nicht folgen.

Nun zu Ihren Fragen: meine von Ihnen zitierte Anmerkung an Hanne war ein Ausdruck meiner Zweifel, ob hier in dem von mir erhofften und von Hanne vermuteten Ausmaß eine Diskussion losbrechen würde. Wie ich inzwischen sehe, ist das eher nicht der Fall. Wenige Äußerungen und nichts in der von mir erhofften Richtung.

Worum es mir in diesem Forum geht? Um zweierlei, erstens: Antworten zu erhalten, auf die ich selber nicht komme. Zweitens: anderen durch Anregungen/Empfehlungen helfen mit Erfahrungen, die mir/uns geholfen haben.

Abschließend möchte ich offenlegen, was ich mit meiner Fragestellung erhofft habe:

eine Diskussion loszutreten über Sinn oder Unsinn dessen, wie Altsein und die letzte Daseinsphase (ich schreibe absichtlich NICHT "Lebens"phase, weil es nach MEINER Definition oftmals kein Leben mehr ist, sondern nur noch ein Leiden, Dahinvegetieren, auf Erlösung hoffen) in unserer "Kultur" praktiziert wird.

Ich hatte mal gelesen, daß anderswo alte Menschen, die gemerkt haben, daß ihre Zeit gekommen ist, sich von der Gruppe der Mitmenschen gelöst haben und z. B. auf einen Berg gestiegen sind, um dort alleine zu sterben. Oder sich in ein Kanu gesetzt haben und auf's offene Meer gepaddelt sind, auf Nimmerwiedersehen. Oder oder oder ...

Damit sie der Gemeinschaft nicht zur Last fallen und diese nicht an einem gedeihlichen Weiterexistieren hindern. Weil es eben NICHT funktioniert, daß Menschen, die Tag für Tag ein volles Aufgabenpensum zu erledigen haben, sich "nebenbei" noch um immer weiter abbauende Alte kümmern, die schließlich eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung wie ein Säugling brauchen. So etwas geht nur dort, wo durch einen unnatürlichen Eingriff in natürliche Abläufe Menschen ohne die Notwendigkeit zur Existenzsicherung permanente Freizeit haben (Sozialhilfeempfänger, Rentner, Pensionäre, ....) und diese nach Belieben nutzen können.

Ich hatte insbesondere auf eine Teilnahme derjenigen gehofft, die hier geschrieben haben, daß sie das alles nicht bewältigt bekommen, daß sie verzweifeln, daß sie befürchten, selber daran kaputtzugehen usw. .

Außerdem hätte ich gerne mal Äußerungen dazu gelesen, wie es funktionieren soll, daß bei immer mehr und immer älter werdenden Menschen Kosten von rund 4.000 € pro Monat für einen Platz im Altenheim anfallen, während ein erheblicher Teil der Bevölkerung noch nicht einmal die HÄLFTE davon als Nettoeinkommen erzielt. Also eine Antwort auf die Frage, wie es gesamtgesellschaftlich funktionieren soll, was wir in den "westlichen" Ländern für normal ansehen.

03.06.2019 | 14:00
martinhamborg

Hallo Sonnenblümchen und Hanne63, dank Ihnen für Ihre Erfahrungen und Ihren Beitrag. Es sind Erfahrungen, die bestimmt viele in diesem Forum teilen können und ich freue mich auf weitere Beiträge, in denen wir über ein wertvolles Leben mit einer Demenz erzählen.

Der Blick auf diese Erfahrungen gibt mir persönlich Kraft in meiner Arbeit und den Mut nicht nur defensiv über die Unantastbarkeit menschlicher Würde sprechen, weil allgemein erwartet wird, dass ein Leben mit Demenz eigentlich lebensunwert sei. Ich habe bisher viele hundertmal Mieterinnen, die ihren demenzkranken Mann bis zuletzt gepflegt haben, gefragt, ob ihr Mann zu früh oder zu spät gestorben sei. Keine hat mir geantwortet: zu spät – keine. In der schweren und wirklich belastenden Situation wünschten sie sich manchmal, dass der Partner einschlafen und loslassen könne, aber rückwirkend war es immer zu früh. Für mich ist dies eine wichtige Erkenntnis zum Lebenswert!

Nun zu Ihrem Beitrag, Herr Sohn. Bevor ich inhaltlich auf Ihren Beitrag eingehe...
Die folgende Textpassage wurde am 01.02.19 geändert, da Sie, Sohn, mich nach Rücksprache mit den Verantwortlichen dieses Wegweisers gebeten haben, einige Textpassagen zu löschen, da offensichtlich die Bearbeitungsmöglichkeiten von Ihrer Seite nicht mehr zur Verfügung stand. Es ist verständlich, dass Sie sich von der Bemerkung von Elisabetha angegriffen gefühlt haben, weil Sie hier Ihre Meinung kundtun wollen und kein Wissen. Die Art, wie Sie das ausgedrückt haben war jedoch für dieses Forum unangemessen. Es geht hier nicht darum einen „shitstorm“ auszulösen oder zu provozieren. Dies gilt auch für die Aussage, dass manche in diesem Forum nur bemitleidet wollen würden, ich habe alle Beiträge gelesen und teile dies in keiner Weise. Sie schreiben mehrfach respektlos über Menschen in einem Stil der m.E. im starken Konflikt zu den Grundwerten, den Menschenrechten und der unteilbaren Menschenwürde steht. Diese Aussagen habe ich stehen gelassen und mich damit auseinandergesetzt, in der Hoffnung, dass diese Erfahrungen ankommen und wir bei Niemanden das Recht zum Leben in Frage stellen dürfen, nur weil ein Heim oder eine Versorgung mehr Geld kostet als die Rente. Dieses Forum hat auch nicht zum Ziel nach politisch Gleichgesinnten zu suchen. Ich hoffe, es ist mir gelungen, Ihr Anliegen aufzunehmen, und bedanke mich für das Vertrauen, dass Sie mich der Löschung der Abschnitte beauftragt haben.

Nun möchte ich wieder inhaltlich antworten: Viele Menschen machen sich angesichts des wahrgenommenen Leidens Gedanken und stellen sich vor, mit dem Kanu ins offene Meer zu paddeln oder eine andere Form eines mehr oder weniger würdigen Abschieds zu wählen. Diese persönliche Vorstellung ist intim, das habe ich geschrieben. Es ist unredlich, diese auf andere zu übertragen. Denn wie gesagt, viele denken darüber vorab nach und kaum einer macht es, wenn es so schlimm ist, wie befürchtet.

Deshalb wünsche ich Ihnen, von Herzen, dass Sie diese Erfahrungen zulassen können.

Sie wechseln dann auf die politische Ebene und verquicken die Herausforderungen in der Finanzierung des demografischen Wandels mit der Frage nach dem Recht auf unteilbare Menschenwürde und auf Leben. Ist das Angst um das Überleben - in einer Zeit in der wir Menschen noch nie so viel Wohlstand, noch nie ein so hohes Alter, so lange keine Kriege in Europa haben? Wir leben nicht in der bitteren Hungersnot der Inuit vor 80 Jahren. Ganz und gar nicht. Noch nie ging es uns Deutschen so gut. Das macht mich fast sprachlos, in keiner erfolgreichen Gesellschaft war Senozid oder Euthanasie eine Lösung im Gegenteil, der Respekt dem Leben gegenüber war m.E. ein Erfolgsfaktor unserer Kultur und Zivilisation. Deshalb wurde es durch die Väter und Mütter des Grundgesetzes und der Menschenrechtskonvention festgeschrieben.

Sie haben Recht, wenn Sie auf eine kurze Phase in unserer Zukunft blicken, denn ab 2030 kommen die Babyboomer in die Pflege, aber danach entspannt es sich wieder. Dafür brauchen wir gute und mutige Konzepte, denn es fehlt an Beitragszahlern. Viele - mehr als wir brauchen - stehen vor Europas Türen, doch wir warten immer noch auf ein vernünftiges Einwanderungsgesetz, denn ich erlebe viele junge Flüchtlinge als empathische Pflegekräfte.
Mutiger war der Gesetzgeber bisher mit dem Rentenalter und es ist absehbar, dass es weiter angehoben wird, je älter wir werden. Die Beiträge der Pflegekassen werden in regelmäßigen Abständen erhöht und die Pflegeleistungen der Angehörigen seit 1995 finanziell gewürdigt. Da ist noch Luft nach oben: Derzeit geben wir in Deutschland prozentual weniger für die Pflege aus als der europäische Durchschnitt, halb so viel wie in einigen skandinavischen Ländern.

Viel mehr als diese 3 Strategien wären noch denkbar und ich wünsche mir eine offene Diskussion darüber. Aber es besteht aus meiner Sicht überhaupt kein Grund Ihre Szenarien weiterzudenken!

Abschließend bitte ich Sie, Ihren Text zu ändern, Sie haben die Möglichkeit der Bearbeitung.

Aber enden möchte mich mit einem Appell für die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen: ich freue mich über Beiträge zum Wert eines Lebens mit Demenz, zu kleinen oder großen Wundern und positiven Wirkungen auf uns persönlich und auf die Familie. Schlimme Erfahrungen schreiben Sie bitte als eigenen Beitrag, denn ich wünsche mir sehr, dass wir durch den Austausch Ansatzpunkt finden, dass es besser und sogar gut wird. Ihr Martin Hamborg

04.06.2019 | 21:33
sohn

Hallo Herr Hamborg,

mir wird hier keine Funktion zum Bearbeiten angezeigt; alleine schon das Einloggen braucht manchmal ein Dutzend Versuche, bis mir endlich die Möglichkeit geboten wird zu antworten. Keine Ahnung, woran das liegt; ich nutze verschiedene PC's und einer davon wurde erst kürzlich auf neuesten Stand gebracht; trotzdem klappt's nicht.

Zu Ihren Bitten:

1.) Ich habe weder ein Ahnung, was Sie mit persönlichen Angriffen meinen, noch wo genau diese stehen sollen.
2.) Diese Stelle habe ich gefunden, kann sie aber weder bearbeiten noch löschen.
3.) Nein, ich kann Ihren Beitrag nicht einordnen. Ich habe wiederholt konzentriert gelesen, was Sie geschrieben haben, verstehe aber viele von Ihren Formulierungen genau so wenig als wenn Sie Chinesisch geschrieben hätten. Sie sind gedanklich in einer vollkommen anderen Welt unterwegs als ich und ich kann Ihnen beim besten Willen nicht folgen.

Beispiele für Unverständliches:
"....echten Anliegens ..."
"Diese persönliche Vorstellung ist intim, das habe ich geschrieben. Es ist unredlich, diese auf andere zu übertragen."
"Deshalb wünsche ich Ihnen, ... daß Sie diese Erfahrungen zulassen können." -->Welche Erfahrungen meinen Sie?
Die über "wertvolles" Leben mit Demenz?
"...Frage nach dem Recht auf unteilbare Menschenwürde ...."

Das sind für mich Phrasen ohne Inhalt; ich verstehe nicht, was für eine Umsetzung in die Praxis damit gemeint sein könnte.

Ihre anschließend geschilderte Sicht von Wohlstand ist aus meiner Sicht mehr als blauäugig: soweit mir bekannt ist, haben wir mehr Überschuldete (nicht VERschuldete!) als je zuvor; viele Berufstätige und ganze Berufszweige werden obsolet durch die rasante Technologisierung; die Verschuldungsorgien der Regierungen in unzähligen Ländern sind beängstigend; durch das Fluten der Märkte mit immer neuem Buchgeld, dem keine Werte gegenüberstehen, werden die Sachwertpreise in astronomische Höhen und die Renditen in nie gekannte Tiefen getrieben; die jetzige Seniorengeneration wird mit Geld (Renten, Pensionen, Pflegegeld etc.) überschüttet und die Kosten dafür den nachfolgenden Generationen aufgebürdet, ohne daß irgendwer eine Ahnung hat, wie das jemals bezahlt werden kann; die Inflation steigt und steigt (weit über das offiziell angegebene Maß hinaus); die Auswirkungen von Schröders Agenda 2010 führen zu amerikanischen Verhältnissen, daß also immer mehr Werktätige so bescheiden entlohnt werden, daß sie kaum noch existieren können bzw. Zweit- oder Drittjobs annehmen; "wir", also Sie und ich und generell unsere Generation wird keine auskömmliche Rente mehr erhalten, also in Altersarmut vor sich hinvegetieren; die staatliche Kontrolle und Überwachung wird immer umfassender; Bargeld wird zunehmend abgeschafft, 500 €-Scheine bekommen Sie schon bei manchen Banken nicht mehr; in mehreren angrenzenden Ländern sind Barzahlungen über ca. ein- bisdreieinhalbtausend Euro verboten; Geldausfuhren über 12.500 € ins Ausland sind meldepflichtig; bei z. B. Goldkäufen zu bereits relativ geringen Beträgen (ca. 15 T€?) muß man sich ausweisen; ist man etwas wohlhabender als "mittellos", steht man unter Generalverdacht, illegale Geschäfte zu machen; die Einlagensicherung greift nur noch bis 100 T€ pro Kunde und BANK (nicht pro KONTO); die am 25.5.2018 in Kraft getretene Daten"schutz"verordnung unterbindet in sehr vielen Fällen einen notwendigen Informationsaustausch, der nach meiner Auffassung ähnliche Dimensionen hat wie eine Aufhebung der Pressefreiheit; usw.. Falls Sie das für Spinnerei halten, lesen Sie (nochmal?) in Ruhe nach, wie die Griechen und Zyprioten in den letzten Jahren um erhebliche Teile ihrer Ersparnisse gebracht wurden. Und schauen Sie sich mal in den südlichen Ländern die Arbeitslosenzahlen der jungen Generation an und die daraus resultierenden Abwanderungsbewegungen. Wenn einem DAS nicht die Augen öffnet, dann wohl gar nichts. Damit sind wir aber meilenweit vom Thema Demenz (nur nicht von deren Finanzierung) abgekommen.

Nun zurück zur Demenz:

Nein, ich teile auch Ihre Ansicht "zum Wert eines Lebens mit Demenz" nicht! Dafür habe ich zu viele Verwandte und Bekannte erlebt, die betroffen waren oder auch noch sind, inzwischen sogar meine Mutter. Davor meine Oma; eine Reihe Tanten; mein Schwiegervater; eine Menge Leute im Altersheim, wo mein Vater war usw..

Es mag sein, daß sich einige Angehörige aufopfernd um ihre Kranken/Alten kümmern. Daß das den Alten/Kranken unendlich gut tut, ist nicht zu bezweifeln, jedenfalls da nicht, wo es harmonisch abläuft. Ob die sich kümmernden Angehörigen allerdings nicht einen sehr hohen, vielleicht zu hohen Preis dafür zahlen, muß man im Einzelfall betrachten. Wie ich weiter oben geschrieben habe, ist auch mein Schwiegervater betroffen, und zwar massivst. Er kann mittlerweile deutlich weniger als ein frisch geborener Säugling und meine Schwiegermutter versorgt ihn seit Jahren zu Hause. An ein eigenes Leben für die Schwiegermutter ist nicht im entferntesten zu denken. Sie kann mal das Haus verlassen zum Einkaufen oder Spazieren, aber viel mehr ist nicht drin.

Nach allem, was ich bisher im Zusammenhang mit Demenz erlebt habe, ist da nichts Schönes oder Lebenswertes. Weder bei meinem Schwiegervater noch bei meiner Mutter noch bei allen anderen. Was nicht heißt, daß es nicht einzelne schöne Momente geben kann; das mit Sicherheit. Aber um welchen Preis (damit meine ich nicht das Finanzielle)?



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