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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Aufenthalt nach Krankenhaus, kein Essen oder Trinken möglich, aggressiv
02.06.2019 | 15:11
Djarna

Guten Tag,
ich wende mich an Sie, damit ich vielleicht erfahre, welche Möglichkeiten meine Mutter und ich bei der Unterbringung meines Vaters haben.

Mein Vater ist 83 Jahre alt, hat seit über 40 Jahren schwere Herzprobleme und wir sind froh, dass er so alt werden konnte.

Seit März 2019 geht es ihm sehr schlecht, sein Kreislauf und sein Herz machen nicht mehr mit. Schon damals war er akut Herzinfarkt gefährdet - leider haben wir das erst später herausgefunden, da er den Arztbrief abgelegt hat.

Ende März 2019 hatte er eine schlimme Bronchitis und kam mit dem Notarzt ins Krankenhaus, weil er unter Atemnot litt. Er war dann insgesamt 3 Wochen im Krankenhaus und hat sich total verändert, er hat sehr viel geschlafen und war zu schwach um zu sprechen oder aufzustehen. Am Karfreitag wurde er nach Hause geschickt, in einem Zustand, bei dem ich sage, dass die Ärzte ihre Sorgfaltspflicht verletzt haben. Mein Vater konnte nichts mehr, nicht sprechen, nicht schlucken, nicht trinken, nicht essen, nicht aufstehen, nicht gehen. Meine Mutter und ich haben versucht, ihn zu pflegen, aber nach 5 Tagen habe ich den Notarzt geholt, er kam wieder ins Krankenhaus, wir sollten mit dem Schlimmsten rechnen. Er lag daraufhin 2 Wochen auf der Intensivstation und jetzt seit nunmehr 2 Wochen in einer anderen Klinik, auf einer neurologischen Station.

Ihm geht es deutlich besser, er kann sich äußern, sitzt im Rollstuhl, kann Arme und Beine bewegen, aber noch nicht wieder gehen. Leider ist es nach wie vor nicht möglich, dass er isst oder trinkt - er würde sich verschlucken und dann wieder eine Lungenentzündung bekommen.

Er bekommt Infusionen, damit er nicht vertrocknet oder verhungert, aber er reißt sich die Nadeln raus. Er soll eine Magensonde bekommen.

Er will nach Hause und ist aggressiv zu uns, weil wir ihn ins Krankenhaus gebracht haben. Er kann nicht verstehen, dass wir ihm bei Besuchen nichts zu trinken oder essen geben können. Er erpresst meine Mutter, dass sie ihn mit nach Hause nehmen soll, sonst bringt er sich um. Er sucht nach Wegen, dort wegzukommen.

Meine Mutter ist selbst über 80 Jahre alt, sie ist ebenfalls schwer herzkrank und muss sich wegen Diabetes 4 x täglich spritzen und kann wegen Schmerzen kaum noch laufen. Als er die 5 Tage zu Hause war, hat sie ständig vergessen, sich zu spritzen und regelmäßig ihre Medikamente zu nehmen. Sie hat eingesehen, dass es mit meinem Vater zu Hause nicht gehen wird, da sie sich nicht 24 Stunden um ihn kümmern kann. Ich wohne 350 km weit weg, gehe ganztags arbeiten und habe auch ein Kind, um das ich mich kümmern muss. So fahre ich alle 2 Wochen zu meiner Mutter, um sie mit dem großen Garten zu unterstützen.

Wir hatten überlegt, dass es gut wäre, wenn mein Vater nach dem Krankenhaus zunächst in ein Pflegeheim kommt. Doch das will er überhaupt nicht. Auch steht noch nicht fest, ob gerade jetzt ein Platz für ihn in der Nähe frei wäre. Wenn er nach Hause zu meiner Mutter kommen muss, habe ich Angst um sie, denn mein Vater war früher schon gewalttätig, wenn ihm etwas nicht gepasst hat, ist er jähzornig auf sie losgegangen.

Ich bin in der Zwickmühle und weiß nicht, was ich machen soll.

Vielen Dank für das Lesen meines - nun doch - längeren Textes.

02.06.2019 | 23:36
sohn

Guten Abend Djarna,

da Sie noch keine Antwort erhalten haben, schildere ich Ihnen meine - allerdings nur einmaligen - Erfahrungen.

Mir scheint, daß Sie die Chance, Ihre Probleme zu lösen bzw. erst gar nicht so gravierend werden zu lassen, verpaßt haben. Daher kann ich Ihnen keinen Rat für Ihre Situation geben, sondern nur anderen, die das hier lesen, eine Warnung mit auf den Weg geben in der Hoffnung, daß die sich RECHTZEITIG und VORHER mit der Thematik auseinandersetzen.

Was Sie bzgl. der letzten Zeit schreiben liest sich für mich schon fast wie die Sterbephase. Allerdings wurde verpaßt, Ihrem Vater ein schmerz- und angstfreies Sterben zu ermöglichen; stattdessen wurden seine und Ihre Probleme gravierend aufgebauscht, indem seine Existenz auf Erden entgegen dem natürlichen (Sterbe-)Prozeß verlängert wurde. Das scheint nichts Ungewöhnliches zu sein; ich habe mal ein Buch darüber gelesen, was unser medizinisches "Fach"personal so alles falsch macht während der Sterbephase (z. B. Flüssigkeitsgabe, was zu Wassereinlagerung in der Lunge des Sterbenden führt und damit zu Atemnot, Erstickungsgefühlen, Panik). Der totale Horror.

Wichtig ist daher, daß die Angehörigen zumindest rudimentär Bescheid wissen und Fehlentscheidungen der Mediziner unterbinden.

Habe ich bei meinem Vater auch gemacht: keine Einweisung mehr ins Krankenhaus, keine Nahrungs- und auch keine Flüssigkeitszufuhr mehr. Nur Mundhöhle mit feuchten Stäbchen auswischen, Angst- und Schmerzlinderndes verabreichen. Alles in Absprache mit dem zuständigen Arzt, verschiedenen Personen vom Altenheim und der diensttuenden Nachtschwester (um mich abzusichern, richtig zu entscheiden und meinem Vater Leid zu ersparen). Im Einklang mit der Patientenverfügung. Ging "reibungslos", wenn ich das Wort hier verwenden darf. Ohne sichtbares Leiden, ruhig und friedlich, kein K(r)ampf. Nach zwei Nächten war Schluß.

Beachten Sie bitte, daß ich LAIE bin und dies meine EINZIGE Erfahrung im Umgang mit Sterben; wen auch immer es betrifft, sollte sich UMFANGREICH und RECHTZEITIG im VORAUS damit befassen, um, wenn es so weit ist, nicht die gleichen Fehler machen wie sie Ihnen vermutlich unterlaufen sind.

MEINER Meinung nach sollten sich Angehörige fragen, wozu noch Maßnahmen wie die von Ihnen geschilderten ergriffen werden (Intensivstation, künstliche Ernährung usw.), die den normalen Lauf der Dinge (das Sterben) bis auf weiteres verhindern und sowohl den Sterbenden sowie den Angehörigen nichts als Leid bringen, und dementsprechen entschlossen handeln. Voraussetzung ist natürlich, per Patientenverfügung und Vollmacht etc. vorbereitet zu sein !!!!!!

03.06.2019 | 00:23
hanne63

Hallo Sohn,
genau das ist der Punkt: man muß vorbereitet sein...und dann entschlossen bei seiner Meinung den Ärzten und Pflegepersonal gegenüber bleiben...das ist bestimmt nicht einfach...und steht mir noch bevor...aber ich habe es bereits im Pflegeheim meiner Mutter deutlich geäußert....Patientenverfügung beider Eltern liegt Gott sei Dank schon seit langem vor....aber dennoch ist es unbedingt nötig, dass man sich selbst auch informiert.....und zwar bevor die Sterbesituation beginnt....

03.06.2019 | 07:37
sonnenblümchen

Guten Morgen Djarna,
Sie schrieben, dass Ihr Vater weder aufstehen,gehen ,sprechen,schlucken noch essen konnte. War dies bedingt durch die Bronchitis? Jetzt ist er in der Neurologie und kann wieder sprechen ,gehen und aufstehen. Waren dieses Ausfallserscheinungen bedingt durch eine Demenz, bzw. evtl. einen Schlaganfall oder Schlappheit durch die Bronchitis?
Betr. der Ess-und Schluckstörung gibt es in den meisten Krankenhäusern Logopäden, die Schlucktraining anbahnen. Verdickte Flüssigkeiten, später Pudding oder Suppe. Sie schauen wirklich,was motorisch noch beim Schluckvorgang möglich ist. Die Logopädin gibt im Normalfall an die Krankenschwester Rückmeldung was der Patient in welcher Form wie essen darf. Angehörige sollen in dieser Phase wirklich kein Essen anreichen. Patienten mit Schluckstörung können auch zu Hause von einer Logopädin besucht weder (Verordnung durch den Hausarzt oder Neurologen ist möglich).
Wenn ihre Mama mit der Versorgung Ihres Papas überfordert ist und dies auch äüßert wäre bei einer Pflege zu Hause auch ambulante Pflege möglich. Sie wenden sich am Besten jetzt schon an die Krankenkassen Ihrer Eltern, dass beide durch den Medizinischen Dienst mit einer Pflegestufe eingestuft werden. Der Hausarzt kann dann auch ambulante Pflege für Ihre Mutter verordnen (Körperpflege, Tablettengabe und Insulinverabreichung).
Zu Klären wäre,ob ihr Papa es wirklich mit ihrer Mama noch zu Hause hinbekommen würde und sie müssen sich klar werden,welchen Weg sie gehen möchten. Mit dieser Entfernung von 350km können Sie nicht mal eben nach Ihren Eltern schauen. Wenn Sie an ein Altenheim denken wäre ja auch die Überlegung,ob Ihre Eltern nicht zusammen in eine Einrichtung gehen möchten?! Wenn Sie ein Heim suchen,würde ich eins in Ihrer Nähe Ihres Wohnortes suchen,damit Sie nicht die weite Fahrerei haben. Sollte sich Ihr Papa in der letzen Phase befinden helfen auch ambulante, palliative Pflegedienste bei der Sterbebegleitung in den eigenen Räumen.
LG

03.06.2019 | 15:16
martinhamborg

Hallo Djarna, Sonneblümchen hat eben ganz viele wichtige Möglichkeiten zusammengetragen. besprechen Sie dies bitte mit dem Sozialdienst der Klinik, denn die Pflege ist so wie Sie schreiben zuhause nicht sichergestellt und nicht verantwortbar! Notwendig wäre dazu eine anschließende Reha oder eine Kurzzeitpflege in der ,wenn möglich, eine stabile häusliche Versorgungssituation hergestellt werden müsste. Alternativ besteht oft die Möglichkeit dort zu bleiben.

Aber das Hauptproblem ist möglicherweise der starke Lebenswille Ihres Vaters und sein Kampf zurück nach Hause zu kommen. Dabei würde eine Patientenverfügung nicht helfen, denn die Selbstbestimmung bleibt das höhere Gut. Können Sie sich eine Liste machen, was alles geklärt und vereinbart sein muss, damit Ihr Vater zurück kann. Dies gilt auch für die potenzielle Gewalt.

Die Klinik sollte dabei effektiv helfen, denn sonst werden Sie Ihren Vater immer wieder in die Klinik einweisen müssen. Und dies wäre für die Klinik richtig teuer. Unterstützung bekommen Sie auch beim Pflegestützpunkt.
Soweit erstmal, Alles Gute Ihr Martin Hamborg

03.06.2019 | 15:24
Djarna

Hallo Sonnenblümchen,
es wird angenommen, dass der Zustand, in dem er nichts mehr konnte, aufgrund einer Entzündung im Gehirn bestand - da ein 3. Schlaganfall von unterschiedlichen Ärzten in 2 Kliniken aufgrund zweier CTs ausgeschlossen werden konnte.

Eine Logopädin war schon zweimal bei ihm, sie hat probiert, dass er Essen und Trinken schlucken kann - leider geht das nicht. Es sollte durch Röntgen ausgeschlossen werden, dass er eine Einsackung oder einen Tumor in der Speiseröhre hat - die Untersuchung verweigerte er.

Ja, er kann wieder sprechen, Arme und Beine bewegen, aber weil er im Rollstuhl sitzt und weil er keine Nahrung zu sich nehmen kann, ist er verzweifelt. Ich versuche, ihn zu ermuntern, denn wenn er irgendwie Essen zu sich nehmen kann, würde er wieder kräftigen und könnte vielleicht mit Gehhilfen wieder laufen. Er kann sich das nicht vorstellen.

Bei meinem Vater war für die 5 Tage ein ambulanter Pflegedienst, trotzdem war die Zeit hart, da er zu dieser Zeit schon nicht schlucken konnte.

Ich nehme an, dass mein Vater auf keinen Fall in ein Pflegeheim, sondern nach Hause will - nur da habe ich Bedenken, wie das gehen soll, selbst wenn der Pflegedienst 5x am Tag kommt, muss meine Mutter allein noch die Nacht und restliche Zeit ihn versorgen.

Er befindet sich nicht in der Sterbephase, auch darüber habe ich mit unterschiedlichen Ärzten gesprochen.

Viele Grüße

03.06.2019 | 15:31
Djarna

Hallo Sohn, hallo hanne63,

mein Vater befindet sich nicht im Sterbeprozess, auch darüber habe ich mit mehreren Ärzten auf der Intensivstation und 2 Neurologen gesprochen.

Er will nicht mehr leben, weil er nichts essen und trinken kann und im Rollstuhl sitzt.

Meine Eltern haben eine gegenseitige Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung, diese greift aber erst im Sterbeprozess.

Aber natürlich muss ich mir eingestehen, dass ich auf DIESE Situation nicht vorbereitet war und bin. Er hat täglich mit uns telefoniert und das, was jetzt passiert ist, war nicht absehbar.

VG

03.06.2019 | 15:38
Djarna

Hallo Herr Hamborg,
vielen Dank für Ihre Antwort.

Ich mache mir viele Gedanken darüber, aber Sie schrieben den richtigen Satz "Aber das Hauptproblem ist möglicherweise der starke Lebenswille Ihres Vaters und sein Kampf zurück nach Hause zu kommen."

Dieser erfasst unser Problem, er denkt an sich und er möchte nach Hause. Vermutlich weiß er, wenn er im Rollstuhl sitzt und nicht essen und trinken kann, wird es nicht gehen, denn ihr Haus ist nicht behindertengerecht (überall viele Stufen).

Bei meinen Eltern gibt es leider keinen Pflegestützpunkt, aber eine Anlaufstelle, von denen habe ich eine Liste mit Pflegeheimen und eins für Kurzzeitpflege bekommen.

Vielen Dank und viele Grüße

03.06.2019 | 18:20
sohn

Hallo Djarna,

daß Ihr Vater JETZT nicht mehr in der Sterbephase ist, habe ich wohl verstanden. Aus Ihren Schilderungen entnehme ich aber, daß er auf der Schwelle zwischen Leben und Tod gestanden hat und überall auf der Welt, wo die medizinische Versorgung nicht so "gut?" wie bei uns ist, bereits erlöst wäre.
Ihre jetzige Situation ist das, was niemand braucht; ich drücke Ihnen die Daumen, daß Sie eine Lösung finden! Was mir allerdings noch unklar ist: mal steht hier, Ihr Vater wolle nicht mehr leben, und mal steht da etwas von starkem Lebenswillen. Was ist nun richtig?



Hallo Hanne,

um Ihnen ein klein wenig Ihre Sorgen zu nehmen: für mich war ALLES im Umgang mit den für meinen Vater zuständigen Personen im Seniorenheim EINFACH. Warum, weiß ich nicht; eine Schwägerin von mir hingegen hatte wiederholt große Probleme mit Krankenhauspersonal bei der Versorgung ihres Sohnes. Ich nehme an, daß das mit dem Auftreten zusammenhängt, also ob man souverän und selbstsicher erscheint oder nervös und unsicher. Falls Sie zu letzteren Personen gehören sollten, empfiehlt sich vermutlich, bei Gesprächen mit Medizinern etc. eine geeignete Begleitperson dabei zu haben.

Und noch etwas, um Ihre Sorgen zu reduzieren: bevor mein Vater starb, war es für mich eine Horrorvorstellung, beim Sterben (einer anderen Person oder auch bei meinem eigenen Tod) dabei zu sein. Bisher kannte ich nur den Tod, den ich als Autofahrer unzähligen Insekten, einigen Vögeln und einer Katze bereitet hatte, und das war mir schon unangenehm genug. Deshalb hatte ich immer gehofft, ich würde irgendwann die Nachricht bekommen, mein Vater sei bereits gestorben, und ich müßte nur die Abwicklung danach erledigen.

Dann bekam ich eines Sonntags nachmittags einen obskuren Anruf eines Nachbarn meiner dementen Mutter, mein Vater läge im Sterben. Das kam mir natürlich unglaubwürdig vor, denn warum hätte dann nicht meine Mutter oder das Seniorenheimpersonal mich angerufen?! Jedenfalls bin ich unverzüglich mit meiner Lebensgefährtin hingefahren und habe selber auch sofort, obwohl ich diesbezüglich vollkommen unerfahren war, den Eindruck gehabt, daß die Sterbephase angefangen hatte (was eigenartigerweise vom Personal noch immer bezweifelt wurde). Noch auf der Hinfahrt habe ich zu meiner Lebensgefährtin gesagt, daß ich auf gar keinen Fall den Sterbeprozeß mit allem drum und dran miterleben möchte, sondern nur hinterher die Nachricht erhalten wolle, daß es vorbei ist. Aber als ich dann da war, hat sich meine Einstellung wie in einem komischen Traum um 180 Grad gedreht: auf einmal war mir klar, daß ich bei ihm bleiben würde, und dabei habe ich mich ausgesprochen wohl gefühlt. Total schräg! Ich bin also noch einmal nach Hause gefahren (während meine Mutter bei ihm blieb), habe meine Lebensgefährtin ebenfalls heimgebracht (damit sie schlafen und anderntags ihrem Beruf nachgehen konnte), mich geduscht, umgezogen, gegessen und eine Gartenliege als "Bett" für mich ins Auto gepackt und bin wieder hingefahren. Dann habe ich meine Mutter abgelöst, die zum Schlafen heimgegangen ist, und habe die Nachtschicht übernommen. Am nächsten Tag war meine Mutter wieder da, so daß ich mich um tausend Dinge außerhalb des Heims kümmern konnte
und erst zur nächsten Nachtschicht wieder im Einsatz war. Diese Zeit (zwei Nächte) habe ich als ausgesprochen angenehm und positiv in Erinnerung; wir hatten aber auch ein Riesenglück mit der diensttuenden Nachtschwester und zum Glück ist mein Vater am zweiten Morgen der Sterbephase dann auch verstorben, denn noch einen Tag und eine weitere Nacht fast ohne Schlaf hätte ich kaum durchgestanden. Was ich noch erwähnenswert finde: als meine Mutter am Abend vor seinem Tod total kaputt heimging, um zu schlafen, war ich davon ausgegangen, sie nicht vor dem nächste Morgen widerzusehen. Stattdessen stand sie aber am (sehr) späten Abend auf einmal wieder in der Tür und blieb noch eine Weile, so, als hätte ihr das Universum oder was auch immer mitgeteilt, dies seien die letzten Stunden im Leben ihres Ehemannes und so hat sie noch mal ein Weilchen bei ihm (und mir) verbracht, bevor er im Morgengrauen dann verschieden ist. Vielleicht war es ebenfalls ein Wink des Schicksals oder eine gnädige Fügung des Universums, daß ich am Ende der zweiten Nacht total übermüdet tatsächlich mal auf meiner Gartenliege eingeschlafen bin, denn ausgerechnet in dem kurzen Zeitraum ist mein Vater gestorben. Also ohne daß ich es mitbekommen hätte. Weil ich vorher immer wieder hochgeschreckt war, wenn sich seine Atmung veränderte; weil die Nachtschester reinkam, um ihn zu versorgen; weil andere Geräusche mich gestört haben usw.. Nur zu dem Zeitpunkt seines Versterbens war ich wie ausgeschaltet, also wie im Koma. Kurz darauf kam ich wieder zu mir und merkte sofort, daß die Atemgeräusche aufgehört hatten. Es folgte kurz darauf nur noch ein Entweichen von Luft aus seinen Atmewegen und das war's.

Fazit: auch wenn es sich bescheuert lesen mag, war das eine durchweg positive Erfahrung für mich, die ich durch und durch angenehm in Erinnerung behalten habe. Mein Vater konnte ohne erkennbares Leiden relativ schnell aus dem Leben scheiden und wir (meine Mutter und ich) haben die Zeit weitestgehend (immer im Wechsel) bei ihm verbracht.

Es muß also gar nicht schlimm sein, beim Sterben einer Person dabei zu sein. Ganz im Gegenteil, nach dieser Erfahrung sehe ich das ausgesprochen entspannt (sofern es ohne Leiden abgeht!).

Schon früher während meines Zivildienstes habe ich in Nachtschichten schwer leidende Patient(inn)en erlebt und diese in einer der darauf folgenden Nächte mit in die Kühlkammer gebracht, wenn sie (ohne meine Anwesenheit) verstorben waren. Schon damals habe ich es ausgesprochen angenehm und friedlich emfpunden, wenn sie so ruhig und ohne zu atmen vor mir lagen, erlöst von ihren schweren Kämpfen, ihren Ängsten, ihren Nöten.

Daher bin ich heutzutage ein unbedingter Verfechter des sanften Sterbenlassens bei Zeiten, ohne unnötiges und aussichtsloses Hinauszögern und Quälen.

03.06.2019 | 21:36
hanne63

Hallo Sohn,
danke für Ihre ausführliche Schilderung....Ihre Worte haben mir tatsächlich etwas Angst genommen. Und zudem kann ich mich gedanklich besser auf die Sterbesituation vorbereiten, auch wenn es noch nicht so weit ist.

Bzgl. Gespräche mit ärztlichem- oder Pflegepersonal:
Ich gehöre eher zu den selbstsicheren Personen, was auch gut ist, weil ich keine Begleitperson habe, die ich mitnehmen könnte. Aber die bisherigen Gespräche verliefen in der Regel gut. (Außer mit dem Hausarzt der Eltern, aber da haben andere auch ihre Problem mit dem). Ich denke, dass ich das gut hinbekomme.



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