Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Was sollen wir mit unserer Omi machen?
03.06.2019 | 09:26
Schokiloki

Hallo liebes Forum. Ich habe mich hier angemeldet, weil wir einfach nicht mehr weiter wissen mit unserer Oma (bzw. Mutter)

Sie zeigt bereits eine beginnende Form von Demenz, genau kann das aber nicht festgestellt werden, weil sie sich vehement weigert, einen Arzt aufzusuchen (das schon seit Jahren). Sie jammert aber immer, dass ihr schwindelig ist, das sie nichts mehr machen kann, dass sie nicht alleine aufstehen kann und so weiter und sofort. Dabei hat sich schon öfter gezeigt, wenn man auf das Jammern nicht so eingeht, dann schafft sie es sehr wohl allein und das ohne große Anstrengung. Sie hat ihr Leben schon total aufgegeben, sitzt nur noch zuhause, war aber auch seit zwei Jahren nicht mehr im oberen Stockwerk, geht maximal bis zum Gartentürchen raus. Bewegt sich kaum, jammert aber wie ihr die Muskeln und alles wehtut.
Wenn man ihr versucht logisch zu kommen oder generell einen Vorschlag zur Verbesserung zu machen tut sie so als habe sie es nicht gehört und wechselt dann sofort das Thema. Meine Mama hat erzählt, wenn die Oma schlecht drauf ist, wirft sie auch schonmal mit Gegenständen nach einem.
Körperpflege ist auch ein schlimmes Thema bei ihr. Sie wäscht sich nicht mehr die Hände, wäscht sich generell nicht mehr, kämmt sich nicht mehr, trägt wochenlang dieselbe Unterhose... meine Mutter und ihre Schwestern versuchen jedesmal, wenn sie zu Besuch sind, etwas für sie zu machen, aber oft weigert sie sich einfach. Als ich jetzt mit meiner Mutter wieder dort war, hat sie sich total geweigert, sich mal abduschen zu lassen.
Mein Opa, der zwar älter, aber insgesamt noch fitter ist müsste da mal ein Machtwort sprechen, aber der resigniert glaube ich oder ist zu weich oder es ist ihm egal, keine Ahnung.
Mir tut es einfach weh, die Frau die mir als kleinem Mädchen die blutenden Knie verbunden und mir Geschichten erzählt hat, so vor sich hinverwahrlosen zu sehen.
Das Problem das wir haben ist auch, dass wir alle relativ weit weg wohnen. Am nächsten ist noch die eine Tante von mir mit ca. 2 Stunden Entfernung. Die andere Tante, Mama und ich leben ca. 4 Stunden Autofahrt weit weg und bei keinem ist ein Umzug möglich.
Wir hatten über eine Pflegekraft nachgedacht, die so einmal, zweimal die Woche kommt, aber davon wollten die beiden nichts hören.

Wir wissen echt keinen Rat mehr...

03.06.2019 | 14:56
martinhamborg

Hallo Schokiloki, ablehnen von Hilfe und fehlende Einsicht ist ein ganz großes Thema und Sie finden in diesem Forum viele Beispiele und Lösungsmöglichkeiten. Manchmal dauert es lange, aber es meistens gab es gute Ideen und Lösungsversuche.
So wie Sie schreiben, ist vielleicht ein erster Schritt, dass Sie an einer vertrauensvolle Beziehung arbeiten, denn Ihre Großmutter hat Vertrauen verloren, hat sich aufgegeben, ist zu stolz, Hilfe anzunehmen usw. Enkel finden da manchmal besser den Zugang.

Können Sie sich mal richtig Zeit nehmen, ermals ganz ohne die Reizthemen?
Es geht erstmal darum die Tür zu öffnen bevor wir uns in die Intimsphäre einmischen dürfen. Ich lasse mir in den ersten Gesprächen die Erlaubnis dafür geben, einem Menschen beizustehen und in den Dingen zu unterstützen, die schwierig und belastend sind. Kaum jemand möchte aus freiem Willen verwahrlosen, aber viele wehren sich gegen Bevormundung. Am Ende meiner Gespräche stehen dann möglichst Absprachen, Versprechen und Vereinbarungen. Auch wenn sie vergessen sind, kann ich später daran ohne jeden Vorwurf erinnern.

Der Arzt würde vielleicht neben der beginnenden Demenz eine Depression diagnostizieren und medikamentös gegensteuern. Ist dies so, wird Beharrlichkeit, langer Atem und freundliches Aushandeln immer wichtiger, ("weil ich es gut mit Dir meine").
Ich bin sehr gespannt, ob es im Forum weitere Enkel*innen gibt, die mit einem guten "Enkeltrick" die besondere Generationsübergreifende Beziehung zur Annahme von Hilfe nutzen konnten. Viel Erfolg und schreiben Sie bitte wie es weitergeht! Ihr Martin Hamborg

03.06.2019 | 16:11
klauspawletko

Hallo Schokiloki,
Sie sollten bei alledem Ihren Großvater nicht vergessen. Auch wenn er sich nicht äußert oder tätig wird - man kann davon ausgehen, dass er unter der Situation leidet und wahrscheinlich überfordert ist.
Sie sollten versuchen heraus zu finden, wie sie ihn unterstützen können. Unter Umständen kann er dann auch (wieder) positiv auf die Oma einwirken.
Von ihm wird es jedenfalls abhängen ob - und wie lange - die Oma noch zu Hause bleiben kann.

Viel Erfolg wümnscht Ihnen

Klaus-W. Pawletko



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker