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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wie würden Sie entscheiden?
17.06.2019 | 19:59
sohn

Danke, hanne63,

aber die Diskussion Betreuung ja oder nein führt am Thema vorbei. Auch eine Betreuungsperson (ob ich oder jemand anders) kann nur gegen den Willen meiner Mutter handeln und damit wäre ich nicht weiter als jetzt auch. Wenn ich skrupellos genug wäre, könnte ich auch jetzt Maßnahmen durchsetzen, die sie fürchterlich fände. Aber das will ich nicht; noch nicht. Da sie sich immer noch irgendwie durchwurschtelt. Und im Moment ist sie auch wieder friedlich; sie nervt nicht mehr täglich wegen Ec-Karte und Kontoauszügen und Geld, rennt nicht mehr ständig zur Bank und zur Stadtverwaltung wegen ihrer Rente usw.. Das heißt, mein Leidensdruck der letzten Wochen, als sie in permanentem Alarmzustand war, hat erheblich nachgelassen.

Was wir bräuchten, wäre jemand, der/die sich an Mutter anpassen kann und ihr nützlich zur Hand geht UND der/die von Mutter akzeptiert wird. Haben wir aber nicht; soeben erhielt ich eine Nachricht von einer Person, die ich dafür vorgesehen hatte, daß der von mir erstellte Aufgabenkatalog nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehört und daß sie deshalb davon absieht, aktiv zu werden. Jetzt sind wir also schon so weit, daß sich die Alten und Kranken nach dem Angebot der zu ihrer Unterstützung einzusetzenden Kräfte zu richten haben und nicht umgekehrt! Und das bei einer Person, die mir vom Amt für Senioren der Stadtverwaltung empfohlen wurde. Verkehrte Welt.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 17.06.2019 um 20:02.]

19.06.2019 | 08:04
martinhamborg

Hallo Sohn, es freut mich, dass sich die Situation etwas entspannt hat. Viele Teilnehmer*innen dieses Forums haben lange den Spagat zwischen Aushalten und Eingreifen (müssen) ausgehalten.

Häufig erlebe ich es, dass sich eine Situation mit einem ablehnenden demenzkranken Elternteil entspannt, wenn der "Plan B" steht. Sie haben die Vor- und Nachteile einer rechtlichen Betreuung für sich geklärt. Sie haben die fachliche Einschätzung vom sozialpsychiatrischen Dienst, dass sie und Sie (leider) noch nichts tun können außer abwarten und aber dann schnell, kompetent und konsequent bei einem Krankenhausaufenthalt entscheiden. (Viel häufiger als erwartet lösen sich dann übrigens alle Probleme in Luft auf, weil der oder die Angehörige im Heim plötzlich heimisch wird und interessante Kontakte findet).

Vermutlich haben Sie sich auch schon Heime oder WG`s angesehen und eine Prioritätenliste für den Notfall erstellt.

Aber Ihre Erwartungshaltung gegenüber anderen im Hilfesystem erstaunt mich immer wieder neu.
Sie haben doch umfangreich beschrieben, wie schwierig und ausweglos das Verhalten Ihrer Mutter ist. Was erwarten Sie von einer Behörde oder einer Betreuungskraft? Haben Sie Ihr Aufgabenprofil mit dem verglichen, was dieser Mensch mitbringt. Bei jeder Dienstleistung ist es so, dass Erwartungen und Angebot miteinander abgestimmt werden. Dies gilt auch bei sozialen Dienstleistungen und zum Glück leben wir in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen bewusst für eine Aufgabe entscheiden können und nicht alles annehmen.

Gerade bei Aufträgen gegen den Willen eines Beteiligten ist absolutes Fingerspitzengefühl und intensive Kooperation auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten nötig.
Diese Kompetenzen wünschen wir uns bei Topmanagern genauso wie im Billiglohnbereich der Pflege und Betreuung. Deshalb entfachen Sie bitte keinen neuen Sturm zu diesem Thema. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie eine Betreuungskraft finden, die 100% zu Ihnen und Ihrer Mutter passt. Das wäre aber ein Glücksfall und kein Anspruch.

Und natürlich wünsche ich ganz viele der beschriebenen kleinen glücklichen Momente mit Ihrer Mutter. Diese haben eine große Kraft für eine Veränderung.
Dass sich unsere Handlungssicherheit positiv auswirkt habe ich ja schon geschrieben.

Aber Menschen mit Demenz haben bis zum Schluss ein sehr feines Gespür für die Atmosphäre, die Erwartungen und die Beziehungsdefinition Ihrer Gegenüber.

Es macht dabei einen großen Unterschied, ob Sie eine ablehnende Haltung ausstrahlen („Meine Mutter sollte Suizid machen, weil Ihr Leben hat keinen Sinn und eine Belastung ist“) oder ob Sie eine positive Ausstrahlung zeigen, die übrigens moderne Manager als kleines 1x1 in therapeutischen Selbsterfahrungstrainings lernen („Ich achte und teile die kleinen Glücksmomente mit Dir, ich meine es gut mit Dir und will Dir nichts Böses, auch wenn ich Entscheidungen gegen Deine jetzigen Wünsche und Vorstellungen treffen muss usw.)
Ihr Martin Hamborg

19.06.2019 | 09:10
sohn

Guten Morgen Herr Hamborg,
danke für Ihre erneuten Worte!

Meine von Ihnen erwähnte Erwartungshaltung empfinde ich selber gar nicht so hoch; jedenfalls erwarte ich hoffentlich nicht mehr, als ich selber zu geben imstande und gewillt bin.

Konkret auf die sich verweigernde Hilfsperson für meine Mutter bezogen: diese Person war letztens "einfach so" mit meiner Mutter spazieren gegangen, was nicht so gut ankam, da in dem Moment etwas anderes angesagter gewesen wäre. Es fehlte das Fingerspitzengefühl für eine in der Situation angebrachte Beschäftigung.

Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht und eine Liste erstellt, was erstens gut ankommen müßte und zweitens die Defizite meiner Mutter kompensiert. Weil das erstens meiner Mutter helfen würde und zweitens bei eintsprechendem Erfolg natürlich auch die Tätigkeit der Hilfsperson erleichtern und der Hilfsperson ein gutes Gefühl geben würde, was wiederum hoffentlich zu einer längerfristigen Verbindung führen würde.

Punkt 1 meiner Liste war gemeinsames Einkaufen und Kochen (und Essen, wenn die Dame gewollt hätte).
Punkt 2: meiner Mutter mit ihrem Terminkalender helfen und der Koordination des Anstehenden.
Punkt 3: ein wenig im Haushalt den Überblick behalten und schon mal dies oder das ausmisten etc.. Eine Aufgabenliste, um die nächste Wochen langsam gemeinsame Aufgaben zu haben und ein Zueinanderfinden zu ermöglichen, da meine Mutter ihr ganzes Leben viel gearbeitet hat und deswegen die einfachste Methode, ihr nahe zu kommen, die gemeinsame Arbeit in ihrem Haus und Garten ist. Daran hat Mutter Freude und sinnvoll ist es obendrein, ihre Defizite dadurch ausgeglichen zu bekommen.

Ist das zu viel von einer Frau verlangt, die sich um Alte und Kranke kümmern will, um denen zu helfen?? Ich meine, nein.

Jedenfalls fahren wir gleich wieder zu Mutter hin, damit sie etwas Gesellschaft hat.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 19.06.2019 um 09:11.]

19.06.2019 | 10:02
Andydreas

Hallo,
auch ich stecke in einer ähnlichen Situation wie Sohn. Ich glaube das tun die meisten von uns.
Ich habe mich bereits vor vielen Jahren (Tod des Vaters) entschlossen mit meiner Mutter zusammenzuleben. Meine persönliche Lebenssituation hat dies zugelassen, da ich beziehungs- und kinderlos war und bin.
Anfangs war es für mich Hotel Mama. Es begann 2005. Es gab zwar bereits früh Anzeichen einer beginnenden Demenz, aber die hat man ignoriert. Mama wird eben tüttelig. Sie ist ja auch schon fast 80 gewesen.
Heute weiß ich so ziemlich welche Fehler ich gemacht habe, denn es bestand sehr wohl von Seiten meiner Mutter die Bereitschaft ein eigenständiges Leben zu führen, bzw. mir meine Freiheiten zu lassen. Nun ist die Demenz wohl sehr weit fortgeschritten und es tauchen täglich neue Probleme auf, die mich immer wieder an meine Grenzen führen. Aber das größte Problem ist auch bei mir die fehlende Bereitschaft, bzw. strikte Ablehnung Hilfe von Außen anzunehmen. Ich habe schon eine Menge versucht. Es begann von ca 5 Jahren mit dem Versuch einen Pflegedienst zu installieren, was die hygienische und medizinische Versorgung sicherstellen sollte. Schließlich bin ich ja auch noch berufstätig. Die Damen betraten hoffnungsfroh und hilfsbereit unsere Wohnung und erlebten ihr blaues Wunder. Das Ergebnis war, dass wir ohne Pflegedienst auskommen müssen. Ein 2. Versuch vor ca. 1 Jahr scheiterte ebenfalls auf die gleiche Weise.
Nun habe ich bereits 2 Versuche mit Seniorenbegleiterinnen hinter mir. Auch hier die gleiche Reaktion.
Ich habe seit ca 3 Jahren meine Arbeitszeit auf Halbtags umgestellt um ab Mittag anwesend zu sein. Es klappt auch irgendwie, aber es gibt einen finanziellen Verlust von 600 - 800 Euro monatlich. Leider gehört meine Mutter zu den Menschen, die große Probleme mit ihrer Vergangenheitsbewältigung hat. Ständig fragt sich mich nach Ehemann, Mama, Papa und Oma. Alle längst verstorben. Anfänglich versuchte ich ihr zu erklären, dass diese Personen nicht mehr da seien, aber das hat zu heftigen Gefühlsausbrüchen geführt. Ich habe den Rat bekommen in diesen Fällen zu versuchen meine Mutter von diesem Thema abzulenken. Krieg ich aber selten hin. Das Problem ist ,dass sie seit einiger Zeit angefangen hat nach ihren Angehörigen zu suchen indem sie die Wohnung verlässt und sich auf den Weg macht. Ich habe ihren Schlüsselbund mit einem GPS-Tracker ausgestattet, der wirklich hilfreich ist, aber es fordert unheimlich viel Energie sie jedesmal wieder "einzufangen". Ist auch bestimmt nicht ungefährlich.
Man fragt sich immer wieder warum mache ich das.
Ich bin der festen Überzeugung, dass es meiner Mutter in einem guten Pflegeheim objektiv besser gehen würde. Aber da ich sie sehr genau kenne, weiß ich auch, dass sie dort nicht klarkommen würde. Sie ist nicht in der Lage irgendwelche Kontakte neu zu knüpfen und zu pflegen. Ich kann mir nicht vorstellen, das es den in einem Heim beschäftigten Pflegern gelingen würde sie aus ihrer Isolation zu holen.
Zum Glück gibt es in den vergangenen Wochen erste Tendenzen, die zeigen dass ich ev. zumindest eine Haushaltshilfe oder vielleicht sogar eine Seniorenbegleiterin installieren kann. Aber da ändert sich z. Z. die Meinung noch täglich.
Ich habe morgen einen Arzttermin bei einem Neurologen vereinbart. Da würde sie freiwillig nie hingehen, aber ich habe ich weisgemacht, dass es sich um einen Termin für mich handelt und versuche sie so zu überlisten.
Zu der gestellten Frage, warum ich das alles für meine Mutter machen möchte ich anmerken, dass ich fest davon überzeugt bin , dass sie es verdient hat, dass sich jemand kümmert. Es wäre natürlich leichter, wenn wir noch andere Familienmitglieder hätten, die mich bei der Betreuung zumindest etwas unterstützen könnten, aber das ist nicht der Fall.
Im Kollegenkreis werde ich natürlich nicht verstanden. Man wünscht mir süffisant einen "schönen Feierabend" wenn ich mittags gehe. Ich habe auch schon gehört. "Der soll die Alte doch ins Heim stecken" oder ähnliches und auf das Thema angesprochen erzählt mir so ziemlich jeder, dass er meine Situation auch schon erlebt hat und sie es damals auch nicht leicht hatten, aber es letztendlich doch geschafft haben, dass Mutti oder Vati in Heim konnte.
Natürlich habe ich Verständnis für Menschen, die Ihre Angehörigen nicht betreuen können, weil sie eine eigene Familie gegründet haben und deshalb eine umfassende Betreuung der alten Menschen nicht möglich zu sein erscheint. Aber man kann auch nicht alles auf die Gesellschaft abwälzen. Wenn man in der Lage ist, sollte man auch dementsprechend handeln.
Ich habe keine Ahnung ob und wie lange ich das alles noch hinkriege. Hilfe werde ich sehr bald in jedem Fall brauchen, aber ich habe mir vorgenommen so lange es irgendwie geht gebe ich nicht auf.

Viel zu lesen, aber das musste mal von der Seele.

Ich wünsche allen Forumsmitgliedern viel Kraft.

21.06.2019 | 10:27
martinhamborg

Hallo Sohn, danke für die Rückmeldung. Ihre Liste ist auch aus meiner Sicht völlig plausibel und nachvollziehbar, da bleibt die Frage, was wirklich hinter der Absage steckt.

In Konflikten sind z.B. viel seltener die Inhalte, d.h. was gesagt oder geschrieben wird von Bedeutung, als das was ankommt, was der andere von mir denkt. Dabei ist die Beziehungsbotschaft viel stärker vom Empfänger abhängig, als vom Sender. Oder ganz einfach, wenn die Chemie für die andere Seite nicht stimmt, können Sie machen was Sie wollen, es kommt zumeist schräg an. Aber auch die Chemie lässt sich bekanntlich beeinflussen. In den Klärungsprozess üben wir deshalb die Rückmeldungen zu dem was ankommt und nicht zu dem was gesagt wurde. Das ist manchmal mühsam, aber so entsteht aus zwei sehr unterschiedlichen Wahr-nehmungen manchmal eine gemeinsame Wahrheit.

Mitarbeiter*innen sind manchmal ganz beeindruckt, wie sie so auch private Konflikte besser lösen können.
Besonders gut kommt (mein Lieblings-) Engel Meta an, kennen Sie sie? Meta ist bei Konflikten immer im Raum und flüstern den Streitenden ins Ohr „Wie redet Ihr eigentlich miteinander?“ Da Meta allen unbekannt ist, die nicht das Standardwert zur Kommunikation gelesen haben … (Miteinander reden 1, Friedemann Schulz von Tuhn) …, hört sie natürlich keiner, sie hat Psychologie studiert und meterweise Bücher zur Metakommunikation geschrieben.

Dahinter steckt die einfache Erkenntnis: Es ist sehr hilfreich, eine Streitpause einzulegen und die Form des Gesprächs zu ergründen – oft sind die unterschiedliche Wahrnehmung und die unterschiedlichen Beziehungsdefinitionen Auslöser…

Bei Menschen mit Demenz funktioniert diese Reflexion oft nicht mehr, weil der Erkrankte einen anderen inneren Bezugsrahmen hat und somit die aktuelle Situation umso schwieriger einordnen kann, je mehr die eigene Wahrheit in Zweifel gestellt wird. Ein einfacher Selbstschutz, der in der Demenz immer wichtiger wird, deshalb sind Diskussionen richtig falsch und eskalieren immer schneller in Rückzug oder verbaler/tätlicher Gewalt.

Das ist der Grund, Herr Andrydreas, warum Ablenkung bei Ihrer Mutter viel besser ist, als die Diskussion um Wahrheit oder Realität. In Pflegekursen können Sie die Validation lernen. In dieser Technik geht es darum, den Menschen in seiner eigenen Welt ganz ernst zu nehmen, seine oder ihre Gefühle und Antriebe zu verstehen und über die Vergangenheit zu reden ohne mitzuspielen.

Sie haben eine ganz wichtige Erkenntnis in Ihren Bericht eingestreut: Den Termin beim Neurologen machen Sie für sich und es ist wichtig, dass Ihre Mutter sie begleitet. Wenn Sie innerlich in die Metakommunikationsebene gehen, kann es sein, dass Ihre Mutter ganz stark die Beziehungsdefinition „fürsorgendes Mamahotel“ hat – und dafür braucht sie keine umsorgende Betreuungskraft. Aber vielleicht kann sie akzeptieren, dass Sie die Unterstützung brauchen und das ist ja auch nicht gelogen, denn so kann das gemeinsame Leben besser gelingen.
Dabei viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

21.06.2019 | 10:46
Andydreas

Hallo,
es sich in der Tat als hilfreich erwiesen meiner Mutter weiszumachen, das ich die Unterstützung/Hilfe brauche und nicht sie. Inzwischen trifft das auch immer mehr zu. Sie kann sich auch inzwischen vorstellen Hilfe von einer außenstehenden Person in Anspruch zu nehmen, was mir in Kürze sogar die Einstellung einer Haushaltshilfe ermöglichen kann. Leider war mein Besuch bei der Neurologin nicht sehr erfolgreich, was ich an einer anderen Stelle diese Forums bereits berichtet habe.
Interessieren würde mich noch die von Ihnen angesprochene Validation. Wo kann ich da mehr erfahren und wer bietet solche Kurse ggf. an ?

21.06.2019 | 18:59
sohn

Hallo Herr Hamborg,

Ihr Hinweis auf das beim Empfänger Angekommene und vom Absender Abweichende ist sicherlich in der Praxis häufig anzutreffen. Durchaus möglich, daß es auch in meinem/unserem Fall ein Grund für die Absage der Hilfskraft war, weil sie vielleicht mit dem vielen, was ich aufgeschrieben habe, überfordert war. Wie dem auch sei, ich werde (und will) es nicht herausfinden. Entweder es ergibt sich etwas Gescheites oder eben nicht.

Von Friedemann Schulz von Thun habe ich irgendwann mal was gelesen, das ist aber nichts für mich. Zu viel Theorie, zu viel Geisteswissenschaft. Ich bin stark praxisorientiert veranlagt und daher für solche Literatur nicht zu gebrauchen (wie zu Schulzeiten; da habe ich mich ebenfalls mit vielem plagen müssen, was mir nicht zugesagt hat :-) ).

Irgendwo hatten Sie übrigens geschrieben, ich hätte bestimmt schon einen "Plan B" vorbereitet, z. B. ein Heim auserkoren, wo meine Mutter zu gegebener Zeit untergebracht werden könnte. Nein, das habe ich in der Tat nicht, da meine Mutter bis zu ihrem Tod gerne in ihrem Haus verweilen möchte und das - ganz banal - auch für
mich, zumindest derzeit und bis auf weiteres, praktikabler wäre. Meistens kommt es eh anders als man denkt bzw, plant. Ich habe für genügende finanzielle Ressourcen gesorgt und den Rest müssen wir (muß ich!) dann eben regeln, wenn es soweit ist.


Andydreas: Respekt, daß Sie sich so für Ihre Mutter einsetzen! Für mich ist und wäre das nichts, auch wenn ich es als Ideal ansehe, daß man generationenübergreifend für einander da ist. Theoretisch finde ich eine gut funktionierende Großfamilie toll; dazu braucht es aber die richtigen Mitglieder und die fehlen mir. Außerdem müssen die Beteiligten mitspielen und das tut meine Mutter - wie umfangreich von mir geschildert - nicht.

Ihnen wünsche ich (wie allen anderen hier) Erfolg mit Ihrer Vorgehensweise und daß Sie selber nicht auf der Strecke bleiben dabei.

22.06.2019 | 10:36
hanne63

Hallo Sohn,
bzgl Plan "B", also Vorabsuche eines Heims möchte ich beitragen:
meine Eltern wollten auch niemals in ein Heim.....meine Mutter wurde jetzt mit richterlicher Zustimmung in eine sog. beschützte Demenzstation gebracht.....
Sogar der rechtliche Betreuer hielt es vorher für nicht sinnvoll, einen Heimplatz mit Warteliste etc....zu sichern.....weil: im Akutfall dann gar nicht abzusehen ist, welches Heim (also mit oder ohne beschützende Station) benötigt wird....und ob dann gerade auch ein Platz frei ist.....denn wenn man auf der Warteliste steht und ein Platz wird frei, muß der dann auch angenommen werden....sonst ist er weg......
daraus schließe ich, wenn keine freiwillige Unterbringung im Heim möglich ist....ist eine Heimsuche vorab ziemlich ohne Nutzen......
Allerdings muß man im Akutfall nehmen, was gerade frei ist...hat also keine großartigen Wahlmöglichkeiten....das ist leider traurige Realität.....(ich hatte vorher etliche Heime besucht und angesehen....alles für die Katz sozusagen....)
Handeln wenn es soweit ist.....insoweit sind Sie sicher auf der richtigen Spur :-) .....zumal das ja sogar auch Berufsbetreuer genauso machen....

[Dieser Beitrag wurde 3mal bearbeitet, zuletzt am 22.06.2019 um 10:54.]

24.06.2019 | 13:56
Jutta60

Hallo Andydreas,
ich habe ganz aufmerksam Ihren Bericht gelesen. Sagen Sie den Kollegen doch mal beim Gehen "ich mache jetzt die 2. Schicht".
Wenn Sie an andere Familienmitglieder denken, die Sie nicht haben: das ist immer nur eine Möglichkeit, keine Gewissheit. Oft ist es so, dass sich doch nur einer wirklich kümmert, manchmal gibt es sogar noch Vorwürfe (zu teuer usw.). Es hat auch Vorteile, wenn man selbst/allein alles entscheiden kann.
Bei der Betreuung meiner demenzkranken Mutter bin ich irgendwann an meine Grenzen gestoßen. Als die Bettlägrigkeit begann, war das von einer Person allein nicht mehr zu schaffen, selbst wenn der beste Wille da war. Zu dem Zeitpunkt hatte meine Mutter ihr Haus längst vergessen, aus dem sie nie wegwollte. Ich wünsche Ihnen, dass Sie es noch lange schaffen. Im Endstadium ist es fast unmöglich aus meiner Erfahrung.
Wenn Sie Ihre Verwandten nicht jeden Tag neu sterben lassen wollen, dann versuchen Sie, das "Ausleiten" und "Validieren" zu lernen. Bestimmt gibt es irgendwo Kurse. Bei mir hat das der Arbeitgeber veranlasst, das hat mir sehr geholfen. In meiner (großen) Firma sind viele betroffen, so konnte ein Kurs organisiert werden.
Die Kosten für ein Heim sind bereits jetzt sehr hoch. Da ist die Gesellschaft unbedingt gefragt. Wir mussten über 2700€ Zuzahlung jeden Monat aufbringen, was nur ging, weil ich gut verdiene. Und gute Pflege muss für jeden bezahlbar sein. Manchmal höre ich in der Bahn, wie hoch sich die Leute die Heimkosten vorstellen und denke "Mensch, da ist aber noch viel Luft nach oben so informationsmäßig. Leute, kümmert euch rechtzeitig!"
Alles Gute für Sie und für Ihre Mutter, Sie schaffen das!


24.06.2019 | 16:25
Andydreas

Hallo Jutta60,
das ist genau die Reaktion, die von mir folgt, wenn mi rsüffisant ein"schöner Feierabend" gewünscht wird.
Ich mache das ja nicht alles um Anerkennung, Lob oder ähnliches zu erlangen. Aber Respekt wäre schon nicht schlecht.Wenn man in einigen Gesprächen tiefer auf das Thema eingeht kommt man schnell zu dem Ergebnis,dass inzwischen jeder in ähnlichen Situationen steckt oder gesteckt hat. Ich habe einfach in der Vergangenheit Fehler gemacht und muss da jetzt durch. Und ich gebe nicht so schnell auf. Validation habe ich auf dem Zettel und werde mich kümmern. Mein Arbeitgeber bietet auch Telearbeit an, Da bin ich auch dran.
Neuerdings schläft sie fast den ganzen Tag und will einfach nicht mehr aufstehen.Nachts wandert sie dann in der Wohnung herum und weckt mich desöfteren auf.
Ich habe jetzt endlich angefangen mir aktiv Hilfe zu suchen, weil ich es alleine einfach nicht mehr schaffe.Ich habe bereits Kontakt zu einer Seniorenbetreuerin und einer Haushaltshilfe aufgenommen und warte auf Rückruf.
Da muss jetzt was passieren.
Ich merke jeden Tag wie wichtig Familie in solchen Fällen ist
An Sohn: Ich habe auch niemanden weit und Breit. Sogenannte "Freunde" haben ganz schnell das Weite gesucht als es schwierig wurde. Aber ich habe ja sch viele Beiträge in diesen Foren von Ihnen gelesen. Der Aufwand, den Sie offenbar betreiben steht meinen Bemühungen in nichts nach.

Es geht immer weiter



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