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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Persönliche Gestaltung des Zimmers
22.09.2011 | 09:35
Rahel

Ich suche in diesem Forum Rat darüber, wie man am besten das Wohnumfeld, sprich das Zimmer einer mir nahestehenden Heimbewohnerin gestalten soll. Die Verwandten der alten Dame sind der Meinung, dass es sie zu sehr belasten würde,wenn man ihr sagt, dass sie nicht mehr nach Hause zurückkann, und deswegen hat die Familie in bester Absicht darauf verzichtet, das Zimmer mit persönlichen Möbeln auszustatten. Die Dame würde daraus sofort schliessen, dass sie nun für immer im Heim bleiben müsse. Mir fällt es sehr schwer, das mitanzusehen, weil die alte Dame völlig orientierungslos ist und nun nicht mal in ihrem Zimmer mehr etwas Vertrautes vorfindet. Das Pflegepersonal hat sogar darauf hingewiesen, dass die Dame mehr Persönliche Dinge haben sollte.
Was wiegt wohl schwerer, dies Leben ohne vertraute Dinge, oder das Wissen, nicht mehr nach Hause zu können?
Überhaupt suche ich nach Informationen darüber, wie man die Zimmer dementer alter Menschen im Heim gestalten soll, und wie eine ganz fremde Umgebung sich auswirkt.Für den Umgang mit den Angehörigen, die ja in bester Absicht handeln, wäre eine sachliche information z.B. durch Bücher oder Fachartikel, mit konkreten Vorschlägen, hilfreich und leichter zu akzeptierren. Kann mir da jemand weiterhelfen?

26.09.2011 | 20:54
klauspawletko

Hallo Rahel,
vertraute Dinge können im Alltag eines leicht bis mittelschwer demenzkranken Menschen seine/ihre Idendität enorm stützen. Insofern sind vertraute Möbel, Bilder und sonstige persönliche Gegenstände durchaus hilfreich. Das Argument der Verwandten der Dame, dass ihre Möbel ihr vor Augen führen würden, dass sie nicht mehr "nach Hause" kommen wird, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Irgendwann muss man ihr ja erzählen, dass das Heim ihr neues Zuhause ist. Bei anderen Varianten ("Du bist hier im Krankenhaus") wird Ihre Bekannte immer wieder fragen, wann sie denn nun wieder nach Hause gehen kann. Das wird zwar auch passieren, wenn man ihr "reinen Wein" einschenkt, aber sehr wahrscheinlich in geringerem Maße und wahrscheinlich nachlassend.
Bei zunehmender Demenz spielen vertraute Dinge dann immer weniger eine Rolle: dann ist "zu Hause" dort, wo man liebevoll behandelt wird und sich wohl fühlt.
Für das jetzige Stadium scheinen mir aber vertraute Dinge, mit denen sich Ihre Bekannte umgeben kann sehr wichtig zu sein, besonders , wenn sie sich lange Zeit in ihrem Zimmer aufhält. Womit soll sie sich denn dort beschäftigen, wenn nicht persönliche Dinge da sind, in denen sie "kramen" kann? Nach meiner Erfahrung fällt das Abschied nehmen vom alten Leben mit vertrauten Möbeln und Gegenständen nicht schwerer als ohne. Es erleichter im Gegenteil die Gewöhnung an eine neue Umgebung. Alle milieutherapeutisch orientierten Konzepte in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz unterstreichen die Bedeutung von vertrauten Dingen in Stadien von leichter bis mittlerer Demenz. Zum Thema "Milieutherapie" gibt es zahlreiche Aufsätze, die Sie "ergoogeln" können.
Ich bin auch sehr gespannt, was andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums für Erfahrungen dazu beisteuern können.

Soweit erst einmal für heute. Beste Grüße von

Klaus-W. Pawletko



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