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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Hilfe für Angehörige
28.06.2019 | 20:20
Andy96

Hallo zusammen!
Ich bin schon in meinem Freundeskreis, aber auch innerhalb der Famillie mit dem Thema Demenz in Berührung gekommen und habe immer gesehen, wie schwierig die Erkrankung für die Familie und Angehörige war.
Im Rahmen eines Uni-Projektes wollte ich genau dieses Thema aufgreifen: Angehörigen von Demenzerkrankten zu helfen. Wir haben bereits mehrere Ideen entwickelt und wollen deshalb nach eurer Meinung fragen!
Als Grundidee haben wir einen Sprachassistenten für die Demenzerkrankten dessen Stimme die Stimme eines Angehörigen ist. Dieser Assistent kann bspw. jeden morgen „Guten Morgen“, bzw. „Guten Abend“ wünschen oder auch Sprachnachrichten abspielen. Als Medium würden wir ein Hörgerät, einen „smarten“ Lautsprecher, wie ein Google Home oder Amazon Echo, oder eine eigensentwickelte Glühbirne mit Lautsprecher verwenden. Hintergrund der Idee ist, dass man als Angehöriger nicht immer vor Ort sein kann, bzw. Zeit hat und so mithilfe der eigenen Stimme den Erkrankten helfen kann.
Was haltet ihr von der Idee? Würde sie euch im Alltag helfen/entlasten? Was könnten weitere Funktionen sein, die vorstellbar sind?
Ich bin für jede Antwort sehr, sehr dankbar!
Ich wünsche euch allen einen schönen Abend und das best!
Liebe Grüße
Andy

28.06.2019 | 23:10
sohn

Hallo Andy,

ich zumindest bin skeptisch. Zwar habe ich erst kürzlich gelesen, daß ein Einsatz von Robotern in der Pflege demnächst kommen wird, aber dennoch glaube ich, daß der emotionale Aspekt der Betreuung durch einen echten und im Idealfall auch noch empathischen, warmherzigen Menschen nicht zu ersetzen ist.

Da dies aber für sehr viele Betroffene zweifelsohne Wunschdenken ist und bleibt, möchte ich behaupten, daß Dein/Euer Projekt immer noch besser ist als gar keine Ansprache.

Auch wenn Du als junger Mensch (Uni = Student ?; 96 = Dein Geburtsjahr 1996 ?) gefühlt noch Lichtjahre entfernt bist von den Befindlichkeiten einer demenzkranken Person, kannst Du einfach mal Dich selber fragen, wie Du z. B. im Krankheitsfalle versorgt werden möchtest: von jemandem, mit dem Du individuell kommunizieren kannst und der/die auf Deine speziellen Bedürfnisse eingehen kann oder mit einem Automaten, der lediglich die immer selben Phrasen herunterrasselt.

Zweifelsohne ist die Technologie extrem auf dem Vormarsch, aber ob das alles so wünschenswert sein kann und ist, möchte ich mit einem riesengroßen Fragezeichen versehen. Wenn man sich anschaut, was es alles an modernen Errungenschaften gibt (Facebook, Twitter, Instagram, Uber und vieles mehr), möchte ich das mal eher als Erkrankungen bezeichnen denn als Fortschritt. Egal wohin man schaut, sieht man (junge) Leute, die sich auf ihr Elektronikspielzeug fokussieren und daran herumspielen, anstatt sich mal mit den real um sie herum vorhandenen Menschen zu befassen.

Fazit: vieles, was die Technologie an Möglichkeiten und derzeitiger Entwicklung bietet, halte ich für schädlich bis gefährlich.

Sich mit seinen Mitmenschen auf niveauvollere Art zu befassen als wie es üblich ist (siehe die oben genannten Plattformen) halte ich für wesentlich sinnvoller als immer nur technologische Lösungen für alles finden zu wollen.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.06.2019 um 11:02.]

29.06.2019 | 18:44
sonnenblümchen

Hallo Andy,
es kommt wohl auf den Menschen mit der Demenz an. Meine Mama ist über 90 Jahre. Sie kann an manchen Tagen nicht mehr die Stimmen aus dem Radio zuortnen. Wenn sie ihre eigene Stimme auf einmal hören würde...hätte sie Angst und wenn sie meine hören würde, würde sie mich suchen. Ich glaube so ein Gerät würde mehr Verwirrung stiften als helfen. Vielleicht ist es etwas für jüngere Menschen (60Jahre plus), welche mehr Technikerfahrung haben.
LG

01.07.2019 | 09:09
martinhamborg

Hallo Andy96, es freut mich sehr, dass Sie und Ihre Kollegen in das Thema einsteigen und mit Ihrem Wissen um neue Techniken nach genialen Lösungen für Menschen mit Demenz suchen. Manchmal ist es wunderbar, wenn man/frau 1 und 1 zusammenzählt und es kommt nicht eine 2 sondern eine 11 heraus...
Dies ging mir so, als ich vor 25 Jahren eine Klingelmatte im Elektronikversand entdeckte und wir danach unzähligen Menschen z.B. bei dem Toilettengang helfen konnten, die sie vor der Wohnungstür suchten... Heute gibt es manche Geschäftsmodelle aus dieser alten Idee, die ich natürlich auch u.a. über die Alzheimer Gesellschaft verbreitet habe.

Auf der anderen Seite teile ich die Bedenken, die Sohn und Sonnenblümchen äußern und bin manchmal entsetzt, was an teuren Techniken angeboten wird und wie durch Roboter die so notwendige menschliche Nähe ersetzt werden soll.

Aber, ich sehe immer mehr Senioren, für die das Smartphone zum ständigen Begleiter wird und die damit auch ihrer beginnenden Demenz begegnen.
Es gibt nicht DIE Lösung für alle, sondern viele gute Ideen für Einzelne und insofern unterstütze ich sehr Ihren Aufruf und freue mich, wenn sich viele mit Ideen beteiligen!

Erlauben Sie mir noch einen Gedanken:
Geniale Ideen können durch Aha-Erlebnisse in tiefen und manchmal krisenhaften Erfahrungen entstehen. Wenn Sie in das Thema einsteigen und sich vielleicht auch beruflich entfalten wollen, helfen persönliche Erfahrungen. Heim, ambulante Dienste und Ehrenamtsbüros freuen sich über kreative Menschen!
Ihr Martin Hamborg



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