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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Ratlosigkeit bei Wohnsituation
05.07.2019 | 19:06
Aaronne

Mein Vater ist 93 Jahre alt und leidet seit einigen Jahren an Gedächtnisstörungen, die im Januar 2018 in einem MRT als Demenz diagnostiziert wurden.
Seit 2007 hat mein Vater eine Freundin, bei der er auch seit einigen Jahren lebt.
Die Dame ist 82 Jahre alt.
Nun ist die Situation folgendermassen: Ca. Alle 2 Wochen ruft die Dame bei mir an, dass sie "nicht mehr kann". Dann schickt sie meinen Vater nach Hause zu uns und erwartet von mir, dass ich mich sofort kümmere. Ich bin jedoch voll berufstätig und muss mir dann jedes mal kurzfristig Urlaub nehmen. So ist mein frei verfügbarer Urlaub für dieses Jahr fast aufgebraucht. Unsere komplette Freizeit- und auch Urlaubsplanung ist ungewiss, da man nicht mehr abschätzen kann, wann es wieder so weit ist und wir nach meinem Vater sehen müssen. Alleine lassen kann ich ihn bei uns gar nicht.
Was jedoch das Schlimmste ist, ist der Umstand, dass die Dame nicht weiß, was sie meinem Vater damit antut. Letztens brauchte sie mal spontan eine Auszeit und fuhr 5 Tage fort. Mein Vater war in dieser Zeit bei uns und könnte gar nicht verstehen, warum er nicht mitfahren durfte. Da ihm seine gewohnte Umgebung sowie seine Bezugsperson fehlten, bekam er einen heftigen Delir. Er wusste nicht mehr, wo er war, wer wir waren, lief nachts nackt durch die Gegend etc.
Daraufhin kamen wir gemeinsam überein, dass es an der Zeit ist, einen Platz in einem Heim zu suchen. Das ist nicht das erste mal. Ich hatte schon Plätze in der Tagespflege, Kurzzeitpflege, u.s.w. Ich verbringe fast meine komplette Freizeit mit der Suche nach Möglichkeiten der Betreuung für meinen Vater.
Jetzt könnte er am Montag einen Platz in dem Altenheim bei uns um die Ecke haben. Bis heute war auch alles gut, doch heute merke ich, sie macht schon wieder einen Rückzieher.
Ich habe eine Vorsorgevollmacht und weiß nicht mehr wirklich, was ich machen soll. Ich möchte auch nicht die Verantwortung für diese unsäglichen Situationen übernehmen, in die mein Vater manchmal gerät.
Ich hätte ihn einfach gerne gut und sicher versorgt.
Was kann ich denn noch tun?

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 05.07.2019 um 19:07.]

05.07.2019 | 20:19
hanne63

Hallo Aaronne,
Ihre Situation erinnert mich an die meiner beiden dementen Eltern....
ich hatte zwar ursprünglich die Vorsorgevollmacht und war somit zur Entscheidung befugt.....allerdingst widersprach immer einer von beiden......

In Ihrem Fall hat aber doch die Lebenspartnerin Ihres Vaters gar keine Vollmacht und Sie selbst wären allein entscheidungsbefugt.....
...dann sollten Sie meiner Meinung nach auch entscheiden und falls der Vater freiwillig in das Heim gehen würde, ihn dorthin bringen......die Freundin kann ihn ja dann dort besuchen.....es ist sowieso schon sehr schwierig Heimplatz zu bekommen.....

andernfalls werden Sie selbst noch oft "in die Bresche" springen müssen....
.....Alternative ist: es auflaufen zu lassen, nicht mehr zur Verfügung zu stehen....da Sie aber die Vollmacht haben....sehe ich das als schwierig an...und Sie wären am Ende auch in der Haftung.......

andere haben vielleicht noch bessere Ideen....
Lassen Sie sich unbedingt auch beraten (Angehörigen-Beratung, evtl sozialpsychiatrischer Dienst beim Gesundheistamt/Landratsamt).

viele Grüße und starke Nerven

06.07.2019 | 00:07
sohn

Guten Abend Aaronne,

für mich liegt auf der Hand, was Sie tun können und sollten: die Gelegenheit am Schopfe packen, ihn am Montag im Heim unterzubringen!

Aus ganz einfachen Gründen:
- Er selber scheint außerstande, sinnvoll für sich selber entscheiden zu können.
- Seine Lebensgefährtin scheint ebenfalls ohne Konzept und ohne Plan vorzugehen; das führt nur zu Problemen.
- Sie selber scheinen Einzelkind zu sein, jedenfalls schreiben Sie nicht, daß es außer Ihnen noch jemand gibt, der/die sich kümmern könnte/sollte/möchte. Also bleiben nur Sie, um zu entscheiden.

Die von Ihnen geschilderte Situation (Berufstätigkeit; ständige Abrufbereitschaft; schon fast der gesamte Urlaub für dieses Jahr aufgebraucht für Vater-Dienste) legt nahe, daß auch bei Ihnen in der Familie niemals rechtzeitig etwas auf den Weg gebracht wurde. Unter dieser Voraussetzung bleibt einem als Kind (an legalen Möglichkeiten) dann irgendwann nur noch, die Reißleine zu ziehen und den Elternteil zur Versorgung in eine Einrichtung zu geben. Jedenfalls schreiben Sie nichts davon, daß der Vater und/oder seine Lebensgefährtin Vorkehrungen und Anordnungen getroffen hat für den jetzigen Zustand, also müssen Sie das tun, was jetzt das Naheliegendste ist.

Sie können ja noch mit den Bediensteten im Heim sprechen und deren Empfehlungen abwarten, aber meiner Erfahrung nach ist der Tenor überall derselbe.

06.07.2019 | 09:15
martinhamborg

Hallo Aaronne, Sie beschreiben eine sehr schwierige oder "prekäre" Situation Ihres Vaters. Er ist dem Hin und Her seiner Partnerin ausgeliefert und Sie haben wahrscheinlich eine Ahnung, was vorher passiert. Ihr Vater kommt dabei sogar in ein bedrohliches Delir. Damit liegt nahe, dass Sie wie Hanne63 oder Sohn empfehlen, die Reißleine ziehen. Gibt es noch irgend eine Möglichkeit, die häusliche Situation zu stabilisieren?

Für einen Umzug in ein Heim wurden viele Gründe genannt, er wird sich jetzt vermutlich noch gut einleben können und Sie haben die Möglichkeit, dies über eine Pflegezeit 2 Wochen intensiv zu unterstützen. Vielleicht werden Sie den Einfluss der Partnerin begrenzen. Wie hätte Ihr Vater früher reagiert, wenn er unvermittelt vor die Tür gesetzt würde?

Wenn es sofort nicht möglich ist, können Sie jetzt die notwendige innere Entschlossenheit aufbauen. Dies könnte sogar dazu führen, dass sich die Situation zeitweise entspannt. Aber spätestens bei dem nächsten Hinweis auf ein Delir, mit der Gefahr von erheblichen Komplikationen, könnte ein Krankenhaus (Geriatrie oder Gerontopsychiatrie) der bessere Ort sein. Dort könnten auch mögliche körperliche Einflüsse erkannt und behandelt werden. Der Sozialdienst ist dazu da, bei der Suche nach einem geeigenten Heim oder einer WG zu helfen.

Gibt es Hinweise darauf, dass das Verhalten der Partnerin als existenzieller Hilfeschrei für eine stabile langfristige Lösung zu verstehen ist?
Viel Erfolg Ihr Martin Hamborg



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