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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Überleitung in ein Altersheim
27.09.2011 | 21:59
Annemarie

Sehr geehrte Herren,
meine Mutter ist seit drei Wochen in einer gerontopsychat. Abteilung. Dort teilte man uns mit, dass sie nicht mehr ohne Betreuung leben könne. Dementsprechend habe ich an ihrem Wohnort einen Platz in einem schönen Altenheim reservieren lassen. Leider sieht meine Mutter immernoch nicht die Notwendigkeit ein. Das Altenheim hat leider keine beschützende Einrichtung - trotzdem liegt mir natürlich unheimlich viel daran, dass sie dort bleibt und nicht zurück in ihre Wohnung geht. Kann ich irgendetwas für dieses Gelingen tun? Ich hab ihr jetzt gesagt, sie sollte mal zur Probe einziehen, aber wenn es ihr nicht gefällt, was dann??? LG

29.09.2011 | 12:26
klauspawletko

Hallo Annemarie,
Sie als Tochter sind in dieser Situation natürlich ganz besonders gefordert: Tun Sie alles, damit das Vertrauen Ihrer Mutter zu Ihnen erhalten bleiben kann. Seien Sie ihr in dieser für alle schweren Zeit ganz besonders nah.
Die Aufgabe der eigenen Wohnung ist für alte Menschen ein traumatisches Ereignis und mit vielen Ängsten verbunden. Gehen Sie auf diese Ängste ein. Das ist wahrscheinlich sehr viel sinnvoller, als Ihre Mutter mit Argumenten überzeugen zu wollen ("es ist das Beste für Dich"). Ihre Mutter ist in dieser Frage ganz bestimmt anderer Ansicht!

Wie sehen Sie selbst denn die Chancen eines weiteren Verbleibs Ihrer Mutter in der eigenen Wohnung?
Sind dort schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft? Haben Sie denn eine Generalvollmacht für einen Vertragsabschluss mit dem Heim? Oder haben Sie eine gesetzliche Betreuung für Ihre Mutter? Formaljuristisch wäre Ihre Mutter ansonsten noch geschäftsfähig und müsste den Heimvertrag selbst unterschreiben.
Hat das "schöne Heim" denn spezielle Angebote für Menschen mit Demenz? Wenn ja, dann könnten Sie mit Ihrer Mutter zusammen diese besuchen und auf diese Weise einen Gewöhnungs-Effekt erzielen.
Wenn das Heim, wie Sie schreiben, keinen geschützten Wohnbereich für Menschen mit Demenz hat, ist die Gefahr, dass Ihre Mutter "ausbüchsen" will allerdings groß. Um das zu verhindern greifen dann manche Einrichtungen im schlimmsten Fall zur -medikativen- Ruhigstellung. Ich will das dem von Ihnen ausgesuchten Haus nicht unterstellen, aber Sie sollten in jedem Fall mit der Heim- oder Pflegedienstleitung eine Strategie für einen solchen Fall besprechen.
Die Heim-Mitarbeiter haben doch bestimmt Erfahrungen mit Fällen wie Ihrem! Lassen Sie sich doch von denen beraten und besprechen Sie gemeinsam, wie ein Umzug Ihrer Mutter - wenn er denn wirklich nötig ist! - zu bewerkstelligen ist.

Vielleicht gibt ja noch andere Forum-Teilnehmer, die diese Situation bereits bewältigt haben und Ihre Erfahrungen beisteuern können. Ich freue mich darauf.

Ich drücke Ihnen jedenfalls die Daumen für eine Lösung, mit der alle Beteiligten zufrieden sind.

Beste Grüße von

Klaus-W. Pawletko

29.09.2011 | 14:04
Annemarie

Die Chancen, dass meine Mutter allein in ihrer Wohnung weiterlebt, stehen schlecht, denn sie hat bislang alle Hilfsangebote abgelehnt, auch drei Pflegedienste abbestellt. Ich selbst lebe nicht mehr in meinem Heimatort, folglich kann ich mich auch nicht so kümmern, wie es erforderlich wäre. Das "schöne" Altenheim kennt meine Mutter von Besuchen und genau das wollte sie immer, wenn sie auch irgendeinmal in ein Heim müsste. Ein Vorsorgevollmacht habe ich bereits - daher kann ich auch den Mietverstrag unterschreiben.
mfG

30.09.2011 | 00:41
klauspawletko

Hallo Annemarie,
wenn Sie nicht am selben Ort wohnen, ist es natürlich schwierig, Ihre Mutter in der Weise zu begleiten, wie es in ihrer Situation gut wäre.
Gibt es eventuell eine Einrichtung in Ihrer Nähe, wo Ihre Mutter gut versorgt wäre?
Erfahrungsgemäß spielt eine räumliche Vertrautheit bei zunehmender Demenz eine immer geringere Rolle und eine persönliche Vertrautheit (gerade zur eigenen Tochter!) und Nähe wird immer wichtiger.
Wir hatten eine ähnliche Situation mit meiner Schwiegermutter: Die Familie glaubte, dass sie ihr einen Gefallen täte, wenn sie eine Einrichtung am vertrauten Wohnort suchen würde. Auch in ihrem Falle wohnte keines der Kinder in der Nähe. Wir waren uns später einig, dass es besser gewesen wäre, sie in einem Heim unterzubringen, dass in der Nähe eines der Kinder gewesen wäre.
Das setzt natürlich ein gutes Verhältnis voraus.
Vielleicht denken Sie einmal in diese Richtung.

Beste Grüße von

Klaus-W. Pawletko

30.09.2011 | 06:15
Annemarie

Sehr geehrte Herren,
diese Entscheidung habe ich mir nicht leicht gemacht, Ich habe hier an meinem Wohnort mindestens 10 Heime angeschaut, teilweise sogar mit meiner Mutter und einen Platz reservieren lassen. Dann sagte man mir immer wieder, dass mir meine Mutter diesen Ortswechsel nie verzeihen würde, wenn ich sie aus ihrer Umgebung ganz rausreiße. Ausserdem hat sie an ihrerm Heimatort noch eine Schwester und ein paar Bekannte. Bei mir wäre sie ausschließlich auf mich angewiesen. So hab ich mich entschieden, die nächste Zeit weiterhin zu ihr zu fahren - was für mich wesentlich aufwendiger ist und irgendwann, wenn die Demenz fortschreitet, sie zu mir zu holen. Meine Mutter hat zu früheren Zeiten auch immer wieder diesen Wunsch geäussert und mir ist sehr daran gelegen, dass ein gutes Verhältnis erhalten bleibt, soweit das bei dieser Krankheit überhaupt möglich ist.MfG
mfG

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 30.09.2011 um 06:18.]



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