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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Ist das normal im Pflegeheim?
20.08.2019 | 11:36
Cinderella

Hallo zusammen,
meine Mutter leidet an Alzheimer Demenz mittlerweile hochgradig. Sie hat komplett die Sprache verloren und sitzt nach einem Sturz, bei dem sie sich die Hand gebrochen hatte, im Rollstuhl.

Vor 2 Jahren hatten wir sie in einer WG untergebracht, das ging gewaltig schief. Ich hatte damals auch gute Ratschläge aus dem Forum hier bekommen. Wir mussten sie dort rausholen und hatten sie in einem sehr schönen Heim, das auf Demenzkranke spezialisiert ist gut untergebracht. Das Heim war gut, sie lebte sich dort schnell ein, nur es war weit weg von unserem Wohnort, sodass wir nur am Wochenende einmal hinfahren konnten.
Meine Mutter ist im Sommer dort gestürtzt und musste seitdem im Rollstuhl sitzen. Nun konnte sie sich in dem Heim nicht mehr frei bewegen und wurde immer zu den anderen Leuten an den Tisch gesetzt (konnte da ja nicht weg) Meine Mutter hasste das (wissen wir, weil sie mit den anderen Bewohnern nichts am Hut hat, es kam sogar zu Handgreiflichkeiten).
Ich machte mir Sorgen und als ein Heim an unserem Wohnort einen Platz frei hatte, haben wir zugeschlagen. Es ist ein geschützter Bereich und sie schließen die ZImmer immer ab, wenn die Bewohner draußen sind. Okay, find ich nicht so gut, aber meine Mutter kann sich eh nicht mehr mit Rollstuhl frei bewegen. Die Aufnahme war leider katastrophal, sodass wir lieber am ersten Tag wieder zurückgefahren wären, aber mittlerweile hat sie sich eingelebt und es gibt dort auch sehr nette und kompetente Pflegerinnen. Nun zu meinem Problem: Meine Mutter versteht sich nicht mit den Bewohnern und wehrt sich auch physisch (sie kann ja nicht mehr sprechen) Nun wird sie mit einer anderen Bewohnerin immer auf den Flur an einen Tisch gesetzt, zum Essen versteh ich das ja, aber sie wird doch hingeschoben, die Bremsen festgemacht und dann muss sie da bleiben. Wenn ich nicht hingehe, sitzt sie dort wahrscheinlich fest. Morgens gibt es da Beschäftigung, nachmittags nicht. Ich habe schon öfters bemerkt, dass sie vom Essen total beschmiert ist und die Kleidung, wird 2 Tage hintereinander angezogen, ist auch versaut . Ist das normal?
Dann wurde sie im Zimmer auf Toilettenstuhl fixiert, Tür zugemacht. Wir haben das nur bemerkt, weil wir sie da überraschenderweise besucht haben. Pflegerin meinte: ach war grad soviel Streß, weil Arzt da war usw. Ist das üblich?
Die Unterbringung in diesem Heim ist für mich mittlerweile auch belastend, da ich mich gezwungen sehe, jeden Tag hinzugehen um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Bin ich zu anspurchsvoll? Ist das normal in Pflegeheimen?

20.08.2019 | 17:40
martinhamborg

Hallo Cinderella, klare Antwort, nein, das ist nicht normal und eine Fixierung steht unter engen fachlichen und gesetzlichen Regeln.
Für mich bleiben da auch viele offenen Fragen, z.B.
- Gibt es einen Grund, dass Ihre Mutter gegen den Willen in den Gemeinschaftsraum gefahren wird? (Zwangskontakte sind fachlich nicht zu rechtfertigen und wenn für die soziale Betreuung ausdrücklich der Wunsch nach Rückzug in das eigene Zimmer und die Besuche durch Sie dokumentiert sind, sollte das auch bei den Prüfungen des MDK`s und der Heimaufsicht respektiert werden. Im Zweifel können Sie dort auch nachfragen)
- Benötigt Ihre Mutter eigentlich eine geschlossene Unterbringung, wenn sie nun dauerhaft im Rollstuhl ist?
Bitte verlieren Sie nach den schlechten Erfahrungen nicht das Vertrauen, Ihr Martin Hamborg

21.08.2019 | 09:55
Cinderella

Hallo Martinhamborg, Hallo Sonnenblümchen,
vielen lieben Dank für Eure Antworten.
Meine SChwester und ich sind gesetzliche Betreuer unserer Mutter und sind mit der Unterbringung im geschlossenen Bereich einverstanden. Ebenso haben wir einer Fixierung (Gurt) im Rollstuhl zugestimmt, da sie sonst höchstwahrscheinlich herausfallen würde, sie beugt sich immer nach vorne.
Auch mit dem Bettgitter waren wir einverstanden, da unsere Mutter schwach auf den Beinen ist und wahrscheinlich aus dem Bett fallen würde. Allerdings habe ich zum Bettgitter nun neue Bedenken, da mir gestern mehrere blaue Flecken am Arm aufgefallen sind. Pflegerin gefragt, die wusste auch nichts, aber meine Mutter würde sich ja überall stoßen oder auf den Tisch hauen.

Zu der Sache mit der Gemeinschaft: Wir haben direkt nach der Ankunft im neuen Heim gesagt, dass sich unsere Mutter nicht gerne zu den Bewohnern setzt, sie lieber alleine isst und das Geschehen aus der "Ferne" beobachtet. Pflegerin missachtete unsre Anweisung und prompt hat meine Mutter eine andere Frau "angegriffen". So wurde es uns geschildert.
Nun sitzt sie zum Essen mit einer Bewohnerin an einem Tisch auf dem Flur. Das find ich nicht so schlimm, aber sie bleibt da sitzen, weil ihr Rollstuhl dort eingeklemmt wird.

Die Bewohner alleine auf dem Zimmer geht leider nicht, da in dem Heim die Türen zugemacht werden, Wenn meine Mutter aus dem Rollstuhl fällt oder sonst was passiert, DANN BEKOMMT DAS NIEMAND MIT.
Unsere Mutter sieht gerne Fernsehen, hatten wir gesagt, aber wenn wir! sie nicht vor den Fernseher schieben, dann wird das nichts.

Zu der Sache mit dem Toilettenstuhl: Sie wurde nach dem Mittagsschlaf auf den Toilettenstuhl gesetzt und es wurde ein Riegel vorgeschoben. Keine Klingel oder so in der Nähe, wäre eh nutzlos, da meine Mutter keine KLingel mehr betätigen wird. Sie versteht das nicht mehr.

Meine Mutter hat KLeidungsschutz während des Essens an und das etwas daneben geht versteh ich ja. Aber ich weiß nicht, ob es normal ist, dass ich die Flecken aus dem Gesicht, vom Hals waschen muss. Es kommt immer darauf an, wer pflegt.

Wir haben demnächst ein Gespräch mit der Pflegeleitung.

Unsere Mutter ist im geschützten Bereich besser untergebracht, trotz Rollstuhl, in einer gemischten Gruppe oder mit Menschen, die nur schwach an Demenz erkrankt sind, wird es nicht mehr funktionieren.

21.08.2019 | 14:33
hanne63

Hallo Cinderella,
aus eigener Erfahrung.....ich weiß auch nicht so genau, was in einem Pflegeheim normal ist und was man erwarten kann...

Grundversorgung....ok....was kann man genau darunter verstehen? (satt und sauber habe ich einmal irgendwo gelesen)......und falls (!) es zusätzliche Betreuungskräfte im Heim gibt, sind dann ca 10 Minuten pro Bewohner für individuelle Beschäftigung möglich...

Gespräche mit Pflegdienstleitung sollten Sie sehr (!!!) vorsichtig und feinfühlig führen.....sonst bekommen Sie am Ende zu hören, dass es genügend Leute auf der Warteliste stehen, die dankbar sind einen Platz zu bekommen.....
Achten Sie daher am besten auf jedes Wort, dass Sie sagen dort.

viele Grüße
hanne63

26.08.2019 | 10:48
Cinderella

Vielen Dank für Eure Antworten. Wir haben für die Unterbringung, den Gurt am Rollstuhl und das Bettgitter einen richterlichen Beschluß. Ich habe auch nichts gegen diese Art der Fixierung, da sie notwendig ist, aber es muss alles im Rahmen bleiben.
Unsere Mutter hat vor ein paar Tagen schwere blaue Flecken am Arm, wahrscheinlich weil sie immer gegen das Bettgitter gehauen hat. Nun soll vor das Bettgitter ein SChutz angebracht werden. Bewohner auf Toilettenstuhl zu setzen, den Riegel vorzumachen und dann wegzugehen ist dort Usus, wie ich beobachtet habe. Im vorigen Heim wurde entweder die Windel frisch gemacht oder der Bewohner wurde in Anwesenheit des Pflegers auf die Toilette gesetzt, niemals alleine.
Da unsere Mutter immer an den Tisch auf den Flur geschoben wird und dann dort festgesetzt wird, Bremsen am Rollstuhl, kommt es immer häufiger vor, dass sie wie wild auf den Tisch klopft.
Gestern haben wir das live erlebt. Ich habe aber meiner Mutter angesehen, dass sie sich unwohl fühlte und vermutete dass der Grund die Inkontinenz ist. Mussten dann wieder eine Pflegerin bitten unsere Mutter zu säubern. Einmal haben meine SChwester und ich das komplett alleine gemacht, weil eine Pflegerin unbedingt erst das Abendessen über die Bühne bringen wollte. Ganz ehrlich, wer will schon mit "voller Hose" sein Abendbrot essen?

Es klappt dort nur, wenn bestimmte Pflegerinnen vor Ort sind, ansonsten geht es da auch nur nach dem Motto: Satt, Sauber (?) und Warm. Allerdings muss ich zugeben, dass freundlich mit den Bewohnern gesprochen wird. Anscheinend kann man nichts besseres erwarten und wir Angehörigen müssen mit unserem schlechten Gefühl leben.

26.08.2019 | 17:04
Cinderella

Wir haben einige Punkte in einem Gespräch klären können. Es war ein gutes Gespräch gewesen und wir konnten Vorschläge anbringen und Unklarheiten aus dem Weg räumen.
Schauen wir mal, wie sich die Dinge in der Praxis entwickeln.

02.09.2019 | 10:18
martinhamborg

Hallo Cinderella, nun möchte ich mich kurz aus dem Urlaub melden. Das was Sie schreiben ist nicht normal sondern unwürdig. Wenn die Zeit eng ist, hoffe ich sehr, dass Sie im Gespräch Lösungen finden können. Ist es möglich, wenn Sie Ihrer Mutter etwas in die Hand geben, sodass Sie etwas entdecken kann - eine Decke mit aufgenähten Knöpfen oder anderen Dingen wirkt da manchmal Wunder. Ihr Martin Hamborg

02.09.2019 | 11:24
Cinderella

Hallo Martinhamborg,

das Gespräch hat wirklich etwas gebracht. Unsere Mutter bewegt sich nun frei mit dem Rollstuhl im Heim und wir stehen nicht ständig in der Pflicht, jeden Tag dahin hin zu gehen. Meine Mutter ist nun viel ausgeglichener und besser gelaunt. Sie hat eine selbstgemachte Nesteldecke, aber wenn diese ihr niemand gibt, nützt es auch nichts.
Wir haben auch das Vorgehen mit den Toilettenstühlen angesprochen. Dies ist aber in dem Heim normal, da sie der Meinung sind der Bewohner braucht in dieser Zeit seine Privatsphäre.
Ein freundliches und ehrliches Gespräch mit Verbesserungsvorschlägen kann etwas bewirken.



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