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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor keine Körperhygiene mehr..
23.09.2019 | 17:00
wernloco

Meine Mutter ist 77 Jahre alt und ist dement. Sie lebt mit meinem Vater, 79 Jahr alt, seit jeher in einem wunderschönen Bauernhaus 2-stöckig. Ich putze seit ca 2 Jahren 1x wöchtlich die 2 Bäder und wechsle die Bettwäsche und schaue dass die Tabletten richtig eingenommen werden. Mein Mami wäscht sich seit einiger Zeit nicht mehr. Ich merke das, weil ich sehe dass die Flasche mit dem Duschgel immer fast gleich voll ist. Ich wollte ihr anbieten, 1x die Woche die Haare zu waschen weil dies ja viel einfacher wäre für sie. Sie nimmt nicht gerne Hilfe an. Wenn ich putze hat sie manchmal Schweissausbrüche und hat Stress und sie sagt dass sie 1x in der Badewanne pro Woch ein Bad nimmt und dann die Haare wäscht. (das war früher immer so!!) Aber ich sehe, dass die Badewanne keinen Tropfen Wasser abkriegt. Sie riecht mittlerweilen sehr stark.. nein... sie stinkt. Das tut weh über das zu reden. Es ist für mich so schwierig dass meine Eltern keine Hilfe annehmen! Wer kann mir helfen wie ich in meiner Situation vorgehen soll? Mein Vater hat das Gefühl alles sei in Bester Ordnung!

23.09.2019 | 18:52
martinhamborg

Hallo Wernloco, es ist wirklich ein großes Problem, wenn die Eltern keine Hilfe annehmen und in eine unwürdige Situation kommen. Das Thema haben wir hier in diesem Forum schon oft besprochen, haben Sie schon einmal ein bisschen "durchgeklickt?"
Was haben Sie schon alles ausprobiert, denn manchmal gelingt es mit Einsicht, mal mit Zureden, mal mit dem ansprechen von Scham, mal mit ehrlicher Sorge über den Zustand.
Ich nutze in solchen Situationen gern die Formulierungen: "darf ich Dir etwas unangenehmes sagen?" "Es ist normal, wenn man den eigenen Geruch nicht mehr riecht, aber da ist es doch gut, wenn es Menschen gibt, die einem darauf aufmerksam machen" ...
Gibt es Formulierungen, die Ihre Mutter früher in Ihrer Kindheit benutzt hat?
Vielleicht gelingt es ja erst einmal Ihren Vater zu gewinnen, sodass Sie sich gegenseitig unterstützen können.
Soweit einige Gedanken, Ihr Martin Hamborg

24.09.2019 | 08:12
Jutta60

Hallo Wernloco,
zu dem Thema werden Sie hier im Forum viel finden. Bei meiner Mutter hat eine Waschschüssel mit Waschlappen gut geklappt. Und heute (?) habe ich in einer Zeitung einen interessanten Rat gelesen: Demente erkennen sich im ja selbst nicht mehr, deshalb haben meiner Mutter z.B. Spiegel immer Angst gemacht. Ich habe jedenfalls gelesen, dass der Demente u.U. das Bad für "besetzt" hält, weil er die Person, die er im Spiegel sieht, nicht als sich selbst erkennt. Wäre so etwas denkbar? Alles Gute für Sie und Ihre Eltern!

24.09.2019 | 09:43
wernloco

Hallo zusammen! Vielen Dank für eure Ratschläge!
Das mit dem sich nicht erkennen im Spiegel ist interessant... meine Mutter lege ich auch ein Waschlappen und frische Badetücher hin. Diese sind benutzt ich weiss aber nicht genau wie.
In zwei Wochen fahren meine Eltern mit einem Bus 5 Tage ins Tirol. Ich bin jetzt jeden Tag am Kleider waschen und meine grosse Angst ist, dass sie Reklamationen von anderen Reisenden erhalten. Ich freue mich dass sie gehen auf der anderen Seite gibts Probleme.
Ich weiss dass ich mit meinem Vater reden muss er ist aber sehr dominant und hat das Gefühl es ist alles gut. Beispiel: der Staubsauger ist seit einer Woche kaputt und ich wollte ein neuer kaufen worauf er gesagt hat nein das wär nicht nötig man kann ja den Boden wischen. Er setzt sich überhaupt gar nicht mit der Krankheit auseinander und akzeptiert sie auch nicht.

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 24.09.2019 um 09:46.]

27.09.2019 | 10:06
martinhamborg

Hallo Wernloco, ich kann gut nachvollziehen, wie sehr Sie sich für Ihre Eltern schämen, wenn Sie an mögliche Probleme bei der Reise denken. Können Sie darüber sprechen?
Ich würde Sie gern in Ihrem Mut bestärken, je mehr Sie offen handeln, desto leichter wird es Ihnen fallen, die schwierigen Themen anzusprechen. Der kaputte Staubsauger ist da eine willkommene Gelegenheit, denn eigentlich ist es so absurd, dass man gemeinsam herzlich darüber lachen könnte. Humor kann helfen, auch wenn einem nicht zum lachen zumute ist.
Was hält Sie ab, den Staubsauger zu kaufen, Sie machen die Arbeit und Sie entscheiden wie - oder?

Vermutlich können Sie von Ihrem Vater (noch) nicht erwarten, dass er Ihnen zustimmt, aber das muss Sie nicht hindern, Ihre Meinung zu sagen und für sich zu sorgen. Es entlastet vielleicht, wenn Sie sagen können: "Mir ist das peinlich, und ich weiß dass Du das weißt. Du musst dazu nichts sagen, ich merke ja, dass es im Inneren arbeitet". Jetzt vor der Reise fällt es Ihnen hoffentlich leichter, es anzusprechen.

Sollte es in Tirol dazu kommen, dass Ihre Eltern von Fremden mit ihrem Geruch konfrontiert werden, kann das etwas bewegen, auch wenn sie sich erstmal nur darüber ärgern. Manchmal hilft die Rückmeldung von Fremden mehr als von den eigenen Kindern.
Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

27.09.2019 | 10:57
wernloco

Hallo Herr Homburg
Vielen Dank für Ihre Worte und Ratschläge. Ich denke ja auch, dass nur darüber sprechen hilft. Zu meiner Situation ich habe noch eine ältere Schwester welche leider nur zusieht und nichts tun kann oder will. Ich habe im Moment keinen Kontakt zu ihr als ich letztes Mal gesagt habe dass ich das Gefühl habe es braucht eine Pflege Unterstützung (gibt es tausend verschiedene Institutionen welche ich der Schweiz über die KK abgerechnet wird) meinte sie nur nein Vater will das nicht dänn tut sie auch nichts und als ich sie fragte ob Sie mir helfen würde im Haus putzen etc. sagte sie nein.
Mein Vater ist so glaube ich auch Alters Dement. Er duscht nicht mehr schön über Jahre nur mit Waschlappen wird gereinigt. Wenn ich waschen gehe hat es nie Kleider von ihm. Er meint das werde überbewertet mit der Hygiene. Sie sehen er ist ein sehr schwieriger Mensch mit extrem eigensinnigen lebensvorstellungen Wenn er noch richtig Sorgen könnte für mein Mami wäre es viel einfacher.

Ich habe heute einen Coiffeur Termin für mein Mami gemacht. Sie freut sich sehr und ich auch! Er meinte nur schön wieder so viel Geld öb das nötig sei....

Und ich werde schon den Staubsauger kaufen aber von ihm kein Geld erhalten. Es muss ja schon gerecht sein finde ich. Das putzen mache ich freiwillig. Ich möchte halt meinen Eltern etwas zurückgeben schliesslich haben sie mich sehr liebevoll aufgezogen! Liebe Grüsse Wernloco

07.10.2019 | 10:12
martinhamborg

Hallo Wernloco, es freut mich zu lesen, wie Sie ganz selbstverständlich handeln und nicht auf Einsicht und auf andere warten. Sie tun das alles, weil es Ihnen wichtig ist und nicht damit Ihre Schwester genausoviel macht. Aber wenn Sie auch etwas beiträgt, würden Sie sich sicher freuen...
Je selbstverständlicher Sie handeln, um so mehr wird Ihr Vater das akzeptieren und vielleicht auch irgendwann dankbar sein. Und manchmal hilft etwas Humor, selbst die großen Könige haben sich mehr gepudert als gewaschen...
Ihr Martin Hamborg

07.10.2019 | 18:33
klauspawletko

Hallo wernloco,
Gibt es denn in der Familie einen Hausarzt oder einen Menschen, der eine gewisse Autorität besitzt? Dann könnte man mit medizinischen Gründen argumentieren und würde damit das peinliche Thema Körpergeruch umschiffen.
Bei Ihrer Mutter könnten Sie mit einem neuen "Wundermittel" probieren, das - als Badezusatz - ganz grandiose Wirkungen hat.
Wenn das Verhältnis zu Ihrer Mutter es zulässt, könnten Sie auch zusammen in die Wanne steigen....
Viel Erfolg beim experimentieren wünscht Klaus-W Pawletko

08.10.2019 | 11:34
klauspawletko

Haĺlo Sonnenblümchen,
mit meiner Mutter sicher nicht. Aber mit meinem Vater schon...

10.10.2019 | 19:25
hanne63

Hallo in die Runde,
wegen gemeinsamer Badewannensitzungen....kann ich mir zwar nicht selbst vorstellen...aber halte es für denkbar und machbar, wenn die Familie vielleicht schon früher offen für Sauna, FKK etc war. Ich sehe z. B. hier an meinem Wohnort manchmal einen sehr alten Mann zusammen mit seinem ebenfalls schon recht alten Sohn in der Sauna. Allein könnte er wohl nicht mehr saunieren gehen...und so ist gleichzeitig auch fürs Duschen gesorgt :-).....es scheint mir jedenfalls eine Möglichkeit zum Ausprobieren.
Viele Grüße



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