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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wer kümmert sich, wenn Angehörige nicht wollen?
14.12.2019 | 15:23
Uschi_23

Hallo zusammen,

ich stehe vor folgendem Problem.
Der Mann eines Ehepaares aus der Nachbarschaft ist dement. Nun ist seine Frau ins Krankenhaus gekommen (Krebs, psychisch vollkommen am Ende). Sie konnte noch rechtzeitig eine stundenweise Betreuung (tägl. 5 Std.) für den Demenzkranken organisieren. Die Frau ist praktisch nicht mehr ansprechbar und kann keine weitere Hilfe organisieren. Sie hat eine Schwester, die sich aber in keinster Weise um den dementen Mann kümmern will. Der Demenzkranke hat einen Sohn, der auch nichts von ihm wissen will. Die Demenz schreitet leider immer weiter fort. Wir haben einen Schlüssel für die Wohnung und schauen gelegentlich nach dem Rechten. Letzt haben wir bemerkt, dass mehrere Kerzen stundenlang in der Wohnung gebrannt haben. Eine Ansprechpartnerin in unserem Ort, die Auskunft für demente Angehörige gibt, meint, wir müssten uns jetzt um eine Pflegestelle kümmern. Natürlich sind wir gerne unterstützend tätig aber wir wissen ja noch nicht mal welcher Krankenkasse der Demenzkranke angehört. An wen können wir uns wenden der sich in diesem Fall um eine Pflegestelle kümmert? Wir sind kurz davor, die 112 oder 110 zu rufen, in der Hoffnung, dass dann einiges in die Gänge kommt.

14.12.2019 | 18:23
hanne63

Hallo Uschi_23,
eine gute Anlaufstelle ist der Sozialpsychiatrische Dienst (meist beim Landratsamt bzw. Gesundheitsamt angesiedelt). Von dort aus kann sich dann auch ein Amtsarzt einschalten.
Im Notfall natürlich auch tatsächlich Polizei oder Rettungsdienst; die schalten in solchen Fällen dann auch den Sozialpsychiatrischen Dienst/Amtsarzt ein.......

15.12.2019 | 10:17
Uschi_23

Hallo hanne63,
vielen Dank für deine Antwort. Ich denke, damit habe ich erstmal einen Ansatzpunkt und das hilft mir weiter.

Schön zu wissen, hier Hilfe zu bekommen.

15.12.2019 | 19:30
sonnenblümchen

Hallo Uschi,
ein großes Lob, dass Sie sich kümmern wollen !!!! Aber hier ist doch erst mal der Sohn in der Verantwortung. Egal, ob er dies möchte oder nicht. Sie haben doch weniger Verantwortung als Nachbarn, als der eigene Sohn!!!
LG

16.12.2019 | 08:47
martinhamborg

Hallo Uschi, auch ich freue mich sehr, wenn Nachbarn Verantwortung übernehmen und hoffe, dass Sie nicht alleingelassen werden. Deshalb möchte ich noch einige Gedanken dazufügen:
Das Hilfenetz ist in jeder Region unterschiedlich augestellt.
In unserer Datenbank können Sie nachsehen, welche Beratungsangebote es gibt. Sie können beim "Pflegestützpunkt" nachfragen oder anregen, ob der Sozialdienst aus dem Krankenhaus die Ehefrau in dieser Situation unterstützt. In diesen Fällen ist eine Tagespflege oft eine gute Alternative.
Mein Wunsch ist, dass das helfende Netz die Verantwortung übernimmt und Sie nur den Teil leisten, den Sie können und wollen!
Ihr Martin Hamborg

16.12.2019 | 10:25
Uschi_23

Hallo,
danke für die Meldungen.
Die Situation scheint sich jetzt erstmal zu entspannen, da die 5-Std.-Betreuung auf eine 24-Std.-Betreuung ausgeweitet werden soll. Wegen einer Heimunterbringung warten wir jetzt erst nochmal ab. Da ich für meine inzwischen verstorbene, bettlägige Mutter auch schon mal einen Platz in einem Pflegeheim suchen musste, habe ich eine gewisse Erfahrung.
Ich werde allerdings keine Minute investieren, den Angehörigen ins Gewissen zu reden, die sind beide über 100 km entfernt und wurden bisher eher vom Demenzkranken (auch finanziell) unterstützt. Da sollen sich zu gegebener Zeit andere Institutionen drum kümmern. Ich investiere meine/unsere Zeit lieber dazu, mich um unsere (befreundeten) Nachbarn zu kümmern.
Wichtig war jetzt erstmal Schaden abzuwehren; wir, d.h. ich und der Betreuer haben jetzt erstmal alle Kerzen, Streichhölzer und Feuerzeuge aus der Wohnung geschafft. Das Problem ist, dass der demente Nachbar zur Bank gehen kann, wo er persönlich bekannt ist, sich dort Geld holen kann und im Laden um die Ecke sich alles kaufen kann, auch neue Kerzen und Streichhölzer.
Ich habe mit dem Filialleiter gesprochen und ihm die Situation erklärt. Dieser meinte jedoch, auch wenn er dement ist, ist er jetzt noch voll geschäftsfähig und solange ihm keine (amtlichen) Papiere vorliegen, er ihm Geld auszahlen wird.
Mir wäre es am liebsten gewesen wenn der Nachbar keinen Pfennig hätte, denn ich habe auch Angst davor , dass er sich ins Taxi setzt, um seine Frau im Krankenhaus zu besuchen (was wir natürlich regelmäßig mit ihm machen), denn ich bin sicher, dass er dann zum falschen Ort fahren würde. Wenn er kein Geld hätte, würde der Taxifahrer die Polizei holen und er würde irgendwie wieder zurück kommen. Das sind übrigens keine Hingespinste, sowas ähnliches ist schonmal passiert. Er ging schonmal "verloren" und seine Frau wurde von einer Gaststätte aus dem Nachbarort aus angerufen, wo er hingelaufen war und nicht mehr zurückfand. Die Frau bat darum ihn in ein Taxi zu setzen und hat ihre Adresse angegeben. Dummerweise hat dann der Kranke (Alzheimer) dem Taxifahrer die Adresse genannt. So sind sie dann zu dem Ort gefahren, wo der Kranke in der Jugend aufgewachsen ist (zum Glück nicht hunderte km entfernt) und nicht zum aktuellen Wohnort. Aber es ist nochmal alles gutgegangen.
Sorry, dass ich vom Thema abgeschweift bin, aber ich mache mir wirklich Sorgen und habe natürlich das Gefühl mitverantwortlich zu sein, wenn etwas passiert, aber mit der 24-Std.-Betreuung wird sich das hoffentlich entspannen.

16.12.2019 | 16:24
sonnenblümchen

Hallo Uschi,
bitte nicht falsch verstehen, aber ich fand es schon befremdlich, dass sie als Nachbarin zur Bank gehen und dort den
Leiter über den Gesundheitszustand des Nachbarn zu informieren. Ich stelle mir dieses gerade in meiner Situation vor. Ist Ihr Verhalten nicht ,,übergriffig"? Sie schreiben Ihr Nachbar hat einen Betreuer. Wenn dieser vom Amtsgericht eingesetzt worden ist sind auch dessen Aufgabengebiete festgelegt (evtl. gehören Geldgeschäfte dazu). Ich finde es gut, dass nicht einfach ein Nachbar zur Bank gehen kann und der Mensch mit Demenz bekommt nicht mehr sein Geld. Stellen Sie sich vor,dass Sie dieser Mensch wären.

16.12.2019 | 17:30
Uschi_23

Hallo sonnenblümchen,

natürlich habe ich den Filialleiter nicht über den Gesundheitszustand informiert; dieser hat mir selbst gesagt, er weiß bescheid (die beiden kennen sich selbst seit Jahren persönlich). Ich wollte mich lediglich informieren, ob es irgendwelche kurzfristige Möglichkeiten gibt. Stell dir vor das Haus wäre abgebrannt; und die Gefahr besteht ja immer noch. Da würde ich mir aber Vorwürfe machen, nicht alles versucht zu haben.
Wie ich schon eingangs geschrieben habe, hat die Frau noch vor Ihrer Krankenhauseinlieferung die Betreuung organisiert, da ist kein Amtsarzt eingeschaltet. Der Betreuer ist kein Pfleger sondern kümmert sich um haushaltsnahe Tätigkeiten wie Einkaufen, tlw. Kochen, Waschen, Bügeln, die regelmäßige Tabletteneinnahme (da achte ich auch mit drauf), gemeinsame Spaziergänge usw.. Mehrmals in der Woche holen wir den Kranken zu uns zum Abendessen, aber in der Nacht ist er derzeit allein.
Falls der Eindruck entstanden sein sollte, nein es ist kein "fremder" Nachbar, wir kennen uns schon seit Jahren.

16.12.2019 | 18:18
sonnenblümchen

Hallo Uschi,
als Sie von ,,Betreuer" sprachen habe ich an einen ,,Betreuer" gedacht, den man selber für den Fall der Fälle bestimmt hat oder der per Amtsgericht benannt wurde. So wie sie es jetzt darstellen handelt es sich um eine Person, die ,,betreut" aber ohne weitreichende Befugnisse. Jetzt ist es für mich klarer.
Betr. der Brandgefahr gebe ich Ihnen Recht, dass es gut war, dass sie gehandelt haben. Es wäre hilfreich,wenn Ihr Nachbar Zimmermelder (Brandmelder) hätte. Oft fehlt es bei den älteren Leutchen auch an diesen Meldern. Bei Gasheizung CO2 Melder!
LG

18.12.2019 | 10:55
martinhamborg

Hallo Uschi_23, schön zu lesen, wie Sie all das ganz selbstverständlich machen, was Alzheimer Gesellschaften und Allianzen für Menschen mit Demenz tun, um eine demenzfreundliche Kommune zu entwickeln.
Der Mitarbeiter im Supermarkt kann z.B. darauf achten, dass die Kerzen selbstlöschend sind und noch besser in Richtung LED-Kerzen beraten.
Sie können leider nicht vermeiden, dass sich Ihr Nachbar weiterhin Streichhölzer kauft - wäre dann ein Feuerzeug für ihn sicherer?
Können Sie ihn "beraten" ob und dass die Kerzen sicher stehen und die Brandgefahr im Umfeld eingeschränkt ist?
Ein funktionierender Feuermelder ist eine sehr gute Idee.
Im Gespräch kann der Verweis auf die Sorge für andere helfen, doch besser nach Alternativen zu suchen.
Die Fahrten mit dem Taxi an einen anderen Ort können Sie nur schwer begrenzen. Aber vielleicht können Sie gemeinsam eine Notfall- oder Erinnerungskarte basteln, so dass die Informationen in schwierigen Situationen vorliegen. Auch die Polizei spielt in der demenzfreundlichen Kommune eine wichtige Rolle und ein Einsatz kann Anlass sein, dass sie sich bei den Alzheimergesellschaften schulen lässt...

Manchmal helfen auch Erinnerungszettel oder eine kleine Tafel an der Haustür: "Nächster Krankenhausbesuch am ... wir fahren Dich" .
Ihnen wünsche ich weiterhin eine wunderbare Weihnachtszeit in demenzfreundlicher Nachbarschaft.
Ihr Martin Hamborg



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