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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Bruder mit Demenz - einige Fragen
15.12.2019 | 22:26
Sagota56

Hallo,
ich habe einen Bruder, der unter Demenz leidet, seine Frau (Chinesin, sehr reisefreudig und bis vor Kurzem eigenes Reisebüro) fährt/fliegt oftmals mit ihm in Urlaub. Vor 3 Mon. sagte er zu, mit nach Malta zu wollen (x-mas), doch nun empfindet er es als eher strapaziös. (Ich sende den beiden eine Urlaubsliste der Alzheimer Ges. mit Hotels etc., die speziell den Bedürfnissen Angehöriger und des Kranken gerecht werden). Fliegt sie alleine, so ist mein Bruder (so z.B. von Ende Oktober bis Anfang Dez.) in seiner und unserer Geburtsstadt bei meiner Schwester.
Benötigt diese für einen Zeitraum, der 3-6 Wochen umfassen kann die letzten Jahre, eine rechtliche Befugnis durch die Betreuerin, der Ehefrau?

2. Mein Bruder rief mich heute (nicht zum ersten Mal passiert) 4-5 mal an, auch 3 x auf dem handy, da er von 8 - 18 Uhr wohl alleine war. Nicht wusste, wo seine Frau ist - und auch nicht, wann sie wiederkommt.
Es ging ihm sehr schlecht. Ich riet ihm, (abgesehen davon, ihn zu beruhigen), sie anzurufen und ihr dies zu sagen (Was er auch tat).

Meine Frage: Ist das Verhalten meiner Schwägerin eigentlich nicht rechtlich sehr grenzwürdig, einen kranken Mann den ganzen Tag alleine zu lassen? Es gibt ausser den Nachbarn kein soziales Umfeld, Freunde....

Er tat mir sehr leid - und wir wohnen einige 100 km auseinander. Ich kann also nicht vorbeischauen, denke aber, ich werde (was ich gestern Abend noch getan HABE!), meiner Schwägerin sagen, sie möge ihn nicht alleine lassen. Jedenfalls nicht den ganzen Tag. Wie seht ihr das und was kann ich bestenfalls für ihn tun?
Er hängt übrigens sehr an seiner Ehefrau, ist jedoch auch vollkommen abhängig von ihr - alle Rechtsgeschäfte tätigt sie. Ich (und auch meine Schwester, die sich sehr um ihn sorgt) hätte gerne, dass MEHR für ihn getan wird (Ergotherapie, Gegensteuerung Inkontinenz etc.), soziale Kontakte....

Welche Möglichkeiten hat man da als Schwester? Danke vorab für eure Meinungen!

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 15.12.2019 um 22:29.]

16.12.2019 | 08:32
martinhamborg

Hallo Sagota, es ist sehr schwer zu ertragen, aus der Ferne mitzubekommen, wie der Bruder leidet. In den Telefonaten können Sie ein schwesterliches Ohr haben und ihn trösten. Sie informieren Ihre Schwägerin über die Wirkung der Urlaube und geben Ihr wichtige Informationen. Und Sie suchen einer einvernehmlichen Lösungen ... viel mehr ist leider im Augenblick nicht möglich.
Wir haben hier in dem Forum viele Beispiele, wie schwierig der Rechtsweg ist und wie sehr Familien durch diese Fürsorgekonflikte belastet werden.
Nur wenn große Gefahren bestehen, werden die Betreuungsgerichte aktiv, aber Sie können sich dort auf jeden Fall beraten lassen. Auf diesem Forum können und dürfen wir keine Rechtsberatung machen.

Viel erfolgreicher ist eine Familienkonferenz in der die Sorgen und Belastungen ausgetauscht und nach Lösungen gesucht werden könnte. Vielleicht hilft eine Unterstützung durch die regionale Alzheimer Gesellschaft?
Ihr Martin Hamborg

17.12.2019 | 00:37
Sagota56

Herzlichen Dank für Ihre Antwort, Herr Hamborg - ich hatte heute ein aufschlussreiches und informatives Telefonat mit dem "Alzheimer Telefon" in Berlin - und wende mich an den hiesigen Pflegestützpunkt.
Ich kann (seit vielen Jahren) nur beratend zur Seite stehen, werde flyer und Infos an die Schwägerin weiterleiten und sie bitten, sich vor Ort über Unterstützungsmöglichkeiten an eine Beratungsstelle/Pflegestützpunkt etc. zu wenden.
Mehr kann ich wohl nicht tun - letztendlich liegt es in der Hand des Betreuers/der Betreuerin, was konkret umgesetzt wird.
Da ist man als Angehöriger völlig machtlos - und hat keine Mitspracherechte. Im Einzelfall ist das schade. Besonders, wenn der Erkrankte ansonsten keinerlei "Fürsprecher" hat - und auf Gedeih und Verderb eben dem rechtlichen Betreuer ausgeliefert ist.
Ich werde mich mit Diplomatie kümmern und hoffe, die Bedürfnisse meines Bruders werden zukünftig mehr respektiert - und mehr getan für ihn.
Viele Grüße aus dem SW und eine schöne Adventswoche!



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