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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Unterwäsche-Schwund
26.12.2019 | 22:15
Gewi

Hallo,
im Heim meiner Mutter verschwinden hauptsächlichl Unterwäsche und Socken, obwohl ich selbst wasche und Hinweisschilder im Zimmer hängen. Ich besuche meine Mutter fast täglich. Im letzten Kalenderjahr ca. 20 Sätze Unterwäsche mit Namen und alle dünneren Socken. Sie hat nur noch zwei Hemden und 1 Slip sowie 3 Paar dicke Vliessocken.
Heute wurde ich von der Betreuungskraft etwas eigenartig darauf hingewiesen, dass Nachschub kommen müsse. Die Betreuungskraft hat nichts mit der Pflege und der Wäsche zu tun und fand es lustig, dass ich an Weihnachten keine Wäsche habe. Hier auf dem Lande gibt es nicht an jeder Ecke Wäschegeschäfte mit den richtigen Größen.
Ich finde, dass es so nicht weitergeht. Ich habe vor, wenn das Heim nicht auf die Suche nach dem Verbleib der Wäsche geht, Strafanzeige zu stellen. Oder hat jemand noch eine andere Idee?

Danke im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
Gewi

27.12.2019 | 20:49
Elisabetha

Guten Abend, Gewi,

die Erfahrung des Unterwäsche-Schwundes habe ich ebenfalls gemacht, als der Mann meiner Mutter stationär in der Gerontoopsychatrie aufgenommen wurde.

Zunächst fiel mir auf, dass er bei meinem Besuch zielsicher beim Betreten seines Bett-Zimmers den Schlafanzug seines Nachbarn in sein Nachttischschränkchen verstaute. Obwohl er von uns ständig neue Kleidung zum Wechseln bekam (Socken und Unterwäsche zusätzlich in mehrfacher Ausfertigung) bekam, waren bei der Entlassung war lediglich eine Unterhose mit passendem Hemd eingepackt. Beim Ausräumen seiner Tasche entdeckte ich den randvollen Kulturbeutel seines Nachbarn nebst besagtem Schlafanzug. Erschüttert war ich über die Entdeckung einer alten Rasierklinge, die ich umgehend entsorgte.

Als ich die Station über die Verwechslung informierte und die Kleidung nebst Utensilien zurückbrachte, zeigte man sich wenig beeindruckt über die Rasierklinge, oder die falsch gepackten Sachen.

Obwohl die Zimmer inklusive der Zimmerschränke so oft wie möglich abgeschlossen werden, gibt es dennoch große Zeitlücken, in denen sich die Mitpatienten ungestört in den anderen Zimmern umschauen können.

Ich habe erlebt, wie sich ein älterer Herr seiner Kleidung entledigte und ein anderer Patient fast aus seinem Rollstuhl herausrutschte. Obwohl mehrere Pfleger auf Station waren, gelang es mir nur, mit größter Mühe, auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen. Als ich dieses Erlebnis bei der Alzheimer Gesellschaft erwähnte, unterbrach man mich und gab mir die Antwort: "Ja, das ist der Vorhof zur Hölle!" Ich war derart geschockt, weil diese Dame wohl mittlerweile durch persönliche Erfahrung jegliche Illusion verloren hatte. Mit meiner Anmerkung möchte ich nur zum Ausdruck bringen, dass sich gravierende Dinge zutragen können, ohne dass sofort eingegriffen wird oder werden kann. Dies sei ohne Verurteilung gesagt, es ist ohnehin unglaublich, was das Pflegepersonal jeden Tag leistet.

Ob eine Strafanzeige Erfolg haben könnte, sei dahin gestellt. Ich frage mich nur, welche Konsequenz dieser Schritt für Ihre Mutter haben würde. Würde das Pflegepersonal unparteiisch und neutral bleiben können? Die Verständigung zwischen dem Heim und Ihnen läge sicherlich danach auf Eis. Selbstredend sind die Vorkommnisse für Sie nicht hinnehmbar. Könnten Sie sich vorstellen, mit einer neutralen Anlaufstelle (z. Bsp. die Alzheimer Gesellschaft in Berlin oder der ortsansässige Pflegestützpunkt) eine einvernehmliche Lösung zu finden. Sicher gibt es noch weitere Vorschläge von unserem Expertenteam dieses Forums. Es wäre so schade, wenn nur noch der Weg einer Anzeige die erforderliche Lösung bringen würde.

Viel Erfolg und alles Liebe für Sie und Ihre Familie

Elisabetha





28.12.2019 | 09:26
martinhamborg

Hallo Gewi, während das Taschengeld eindeutig in der Verantwortung der Einrichtung liegt, ist der Schwund von Wäsche schwerer einzugrenzen. Menschen mit Demenz gehen gern auch in andere Zimmer und sind der festen Überzeugung, alles sei ihres. Üblich ist es dann, die Wäsche wieder zurück zu sortieren. Andere entsorgen die unsaubere Wäsche in der Toilette oder im Müll...
Hier ist also eine gemeinsame Ursachenerforschung der erste Schritt um nach Lösungen zu suchen. Auch bei diesem Thema ist die Heimaufsicht die richtige Adresse, die Sie auch beratend hinzuziehen oder aufsuchen können, wenn es keine ernsthaften Lösungsansätze gibt. Die Sorge, ob Ihre Mutter dann darunter zu leiden haben könnte, sollten Sie auf jeden Fall thematisieren, es besteht immer auch die Möglichkeit einer anonymen Beschwerde. Selbstverständlich stehen Ihnen auch alle rechtlichen Mittel zur Verfügung, doch die Heimaufsicht kann unmittelbar ordnungsrechtlich tätig werden
Ihr Martin Hamborg



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