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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Dementiell erkrankte Eheleute - Heim oder 24h-Kraft?
02.01.2012 | 21:30
Lotta172

Hallo,
meine Eltern (sie 77, er 80) leiden beide an Demenz im fortgeschrittenen Stadium mit starken Halluzinationen, Wahrnehmungsstörungen, fehlendem Tag-Nacht-Rhythmus, teilweise kein Erkennen der Kinder bzw. des Ehepartners. Noch wohnen sie beide in ihrem Haus und werden durch einen Pflegedienst sowie eine Haushaltshilfe versorgt. Da das aber definitiv nicht mehr reicht, stehen mein Bruder und ich nun vor der Entscheidung: Heim oder 24-Stunden-Kraft? Meine Frage ist, ob eine Betreuung von zwei dementiell Erkrankten, die teilweise die ganze Nacht durch das Haus tigern, durch eine 24-Stunden-Kraft überhaupt realistisch ist? Können Sie mir dazu etwas sagen? Alternativ dazu haben wir ein 2-Zi-Appartement in einem Pflegeheim an der Hand. Ich muss dazu sagen, dass weder mein Bruder noch ich in der gleichen Stadt leben wie meine Eltern. Das heißt, kurzfristig können wir nie vor Ort sein.
Vielen Dank

03.01.2012 | 12:44
klauspawletko

Hallo Lotta 172,
so wie Sie die Situation Ihrer Eltern schildern, scheint ja aus dem Umstand im angestammten Zuhause zu wohnen, keine erkennbare Lebensqualität (mehr) zu erwachsen.
Ich teile Ihre Skepsis, ob eine 24-Stunden-Kraft in der Lage wäre, eine angemessene Versorgung Ihrer Eltern sicher zu stellen, zumal ja ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus vorliegt.
Eine aus meiner Sicht gute Lösung wäre eine Einrichtung oder Wohngemeinschaft, die in der Nähe der Kinder (oder zumindest eines Kindes) liegt und auf Bewohner mit Demenz vorbereitet ist. Da sich Ihre Eltern scheinbar nicht immer erkennen, sind zwei getrennte Räume sicherlich auch hilfreich.

Soweit erst einmal für heute. Beste Wünsche für das neue Jahr von

Klaus-W. Pawletko

03.01.2012 | 21:34
Lotta172

Hallo,
vielen Dank für Ihre Antwort.
Die Entscheidung fällt meinem Bruder und mir äußerst schwer. Mit seinen eingeschränkten Möglichkeiten macht unser Vater immer wieder vehement deutlich, dass er sein Haus nicht verlassen möchte. Natürlich ist uns bewusst, dass er seine Situation nicht mehr zutreffend einschätzen kann, aber trotzdem erschwert dies unsere Entscheidung zusätzlich.
Der Vorteil des Hauses besteht auch jetzt noch darin, dass unsere Eltern sich darin noch zurechtfinden, d.h. sie finden die Toilette, ihr Bett etc. Und sicherlich wird auch immer mal wieder zumindest kurz das Gefühl da sein, zu Hause zu sein.
Heute nacht standen meine Eltern mitten in der Nacht halb angezogen draußen vor der Haustür und kamen nicht mehr hinein. Das hat uns so schockiert, dass wir uns jetzt wohl für die Heimlösung entschieden haben. Verunsichernd ist, dass unser Hausarzt uns immer wieder wärmstens die 24h-Kraft-Lösung ans Herz legt. Aber ich denke, ohne einen Angehörigen vor Ort, der auftretende Probleme zeitnah lösen kann, ist eine solche Lösung nicht vertretbar. Mein Bruder wohnt 1,5 Autostunden und ich 3 Stunden von meinen Eltern entfernt. Außerdem muss ich an meine beiden Kinder denken, die beide noch unter 2 sind. Somit werden wir jetzt wohl das Pflegeheim in meiner Stadt nehmen, probieren dabei aber erst einmal noch das Zusammenwohnen in einem 2-Zi-Appartement aus.
Wenn es mit der Eingewöhnung in der neuen Umgebung gar nicht klappt, müssen wir halt wieder zurück ins Haus.
Das ist die bislang schwerste Entscheidung und schwerste Zeit meines Lebens.
Viele Grüße
Lotta

03.01.2012 | 22:31
klauspawletko

Hallo Lotta,
mit den Informationen, die Sie nun hinzu gefügt haben, klingt die Situation schon ein wenig anders. Haben Sie schon einmal über einen gesetzlichen Betreuer oder eine andere Person Ihres Vertrauens gedacht, die die Koordinierung "vor Ort" übernehmen könnte? Wenn eine 24-Std. Kraft für 1.800 € zu haben ist (das kann wohl keine erfahrene Pflege-/Betreuungskraft sein, oder?), bleibt vielleicht ein wenig Geld übrig, eine solche Person zu finanzieren. Alternativ könnten Sie auch noch einen ambulanten Pflegedienst involvieren, der jeden Tag "nach dem Rechten" schaut.
Wie eine osteuropäische Betreuungskraft den gestörten Tag-/Nacht - Rhythmus erträgt, muss abgewartet werden. Vielleicht gelingt es ihr ja auch, Ihre Eltern tagsüber so zu beschäftigen, dass sie nachts müde sind. Gibt es denn eine Tagespflege bei Ihren Eltern in der Nähe? Auch das wäre eine mögliche Ergänzung des Betreuungsangebots - vorausgesetzt Ihre Eltern haben eine Pflegestufe.
Haben Sie schon ergänzende Mittel nach § 45 Pflegeversicherung beantragt? Auch diese ermöglichen zusätzliche Betreuungsangebote. Vielleicht sollten Sie einen Versuch mit der 24-Std. Kraft wagen in dem Bewusstsein, dass es auch schief gehen kann. Sie sollten aber in jedem Fall eine regelmäßige Unterstützung und Kontrolle von außen
organisieren. Haben Sie einen Pflegestützpunkt (Beratungsstelle!) oder ähnliche Beratungsinstanzen in Ihrer Nähe? Sie sollten sich für die Organisation der verschiedenen Alternativen maximale Unterstützung holen.
In welcher Stadt wohnen Ihre Eltern denn?
Sie könnten auf jeden Fall schon mal in der Datenbank dieser Webseite nachschauen, welche Beratungsinstanzen es gibt.
Wenn Sie irgendwo nicht weiter kommen, melden Sie sich noch einmal.
Bis dahin beste Grüße von

Klaus-W. Pawletko

20.01.2012 | 15:41
Lotta172

Vielen Dank für die weiteren Anregungen!
Zwar haben wir unsere Eltern inzwischen in das Altenheim nach Hamburg geholt, wo ich lebe, aber nach nunmehr einer Woche bin ich ehrlich gesagt doch ziemlich enttäuscht über das, was sich dort abspielt. Die Pflegekräfte scheinen mit der Situation bei meinen Eltern völlig überfordert. Obwohl das Heim es immer als völlig absurd zurückgewiesen hatte, dass es erforderlich werden könnte, beruhigende Mittel zu verabreichen, sollten diese bereits am zweiten Tag zum Einsatz kommen. Gleich in der ersten Nacht wurde ich von einem völlig hilflosen Pfleger aufgefordert, doch über Nacht dort zu bleiben. Zwar mahnen wir uns alle zu Geduld und werden sicherlich noch einige Wochen abwarten, ob es besser wird. Dennoch ist es sehr gut möglich, dass wir dann ggf. meine Eltern zurück in ihr Haus bringen, vielleicht mit zwei 24h-Kräften arbeiten und einem ambulanten Pflegedienst sowie Ergotherapeuten. Bei den zur Zeit 5.500,- Euro monatlich, die wir für das Heim zahlen, ist auch ambulant einiges machbar.
Danke nochmal und Gruß aus Hamburg
Lotta

20.01.2012 | 16:53
klauspawletko

Hallo Lotta 172,
es ist nicht verwunderlich, dass die neue Situation für Ihre Eltern und die Heim-Mitarbeiter schwierig ist. Gerade bei der dünnen Nacht-Besetzung in Pflegeheimen ist eine doppelte Nachtaktivität schon eine ernste Herausforderung. Sie haben aber recht, wenn Sie gegenüber der Vergabe von sedierenden Medikamenten skeptisch sind. Allerdings sollten Sie Psychopharmaka nicht pauschal verteufeln: Wenn Ihre Eltern unter der inneren Unruhe leiden, kann es durchaus vertretbar sein, diesen Zustand medikamentös zu beeinflussen (wenn die Medikation nicht zu Apathie o.ä. führt).
Ziehen Sie einen Neurologen Ihres Vertrauens hinzu und entscheiden Sie nach der Konsultation.
Es ist in jedem Fall beruhigend, dass Sie sich für einige Wochen einen "Plan B" offen halten. Auf Dauer wird sich Ihre Situation aber nur beruhigen, wenn Sie sich für eine Alternative entscheiden. Dazu wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen!

Alles Gute wünscht

Klaus-W. Pawletko

31.01.2012 | 03:08
PetraFrankSeydel

Hallo Lotta 172,

habe Ihre Situation die letzten Wochen mit verfolgt über dieses Forum und glaube Ihnen fest, wie schwer die neue Umstellung für Sie und gerade die Ihrer Eltern ist. Aus eigener langjähriger beruflicher Erfahrung in Pflegeheimen kann ich die Zeit von Ihnen und die Ihrer Eltern in diesem Übergangsprozess sehr gut nachvollziehen. Daher verstehe ich auch Ihre Besorgniss der letzten Wochen, die so wie ich aus ihren Informationen bisher entnehmen kann, auch ein ,,typischen Ablauf zeigen" erstmal bezüglich der neuen Wohnsituation für Ihre Eltern. Ich möchte es nicht verharmlosen, denn es ist ja auch etwas realität für Eltern, von einem auf den anderen Tag aufeinmal in einer fremden Umgebung sich zu befinden, wo man sich nicht zu Hause fühlt und alles anders ist. Es würde auch uns nicht anders gehen als Leihe, da ich ja Ihren Aussagen zufolge entnehmen konnte, das es zumindest für Ihren Vater immer da war ,,das zu Hause" sind diese ,,Verhaltensweisen" ganz normal denn Ihre Eltern haben ja schließlich ein Leben lang dort gewohnt. Daher ist es auch aufgrund der Erkrankung Ihrer Eltern früher oder später notwendig in eine Vollzeitpflege verschiedenster Art einzuziehen, da ja das fortschreiten der Krankheit bislang ja nur hinausgezögert werden kann aber nicht rückgängig gemacht werden kann und daraus ja eben auch eine riesen große Entscheidung für SIe und Ihren Bruder auf Sie beide zugekommen ist bezüglich was ist das beste für unsere Eltern. Und ich möchte Ihnen sagen, sie handeln immer im besten gewissen! Auch die Entscheidung für Vollstationäre Einrichtung ist ein Schritt für Ihrer beider erstmaligen beruhigung gewesen, das war richtig wenn ich das sagen darf, denn auch daraus haben sie beide ja schon etwas sicherheit gewinnen können, Ihre Eltern sind schon mal in der Nähe und nicht 1,5h bis 3,0h entfernt so das einem die Hände gebunden sind und man ja ,,Handlungsunfähig" war in bestimmten Situationen. Diese Krankheit Ihrer Eltern ist ein Prozess für Ihre Eltern selbst und auch für SIe ,,beide" und kann verschidenste Richtungen und Wege gehen. Das SIe das Gefühl erleben das dass Pflegepersonal situativ überfordert ist, ist sicherlich darauf zurückführen durch den Wohnortwechsel, das ist ,,eigentlich" ein häufiges und ganz natürliches Verhalten. Und hierbei ist eben mit sanfter Ruhe und Akzeption ,,angemessen" umzugehen der Angehörigen sowie dem Pflegepersonal mit der neuen Situation für Ihre Eltern. Ohne Frage glaube ich Ihnen das es schwer mit anzusehen ist wie sie die neue SItuation Ihrer Eltern erleben. Und was ich jetzt sage, soll keine Floskel sein, es wird sich mit der Zeit legen. Auch ist das was klauspawletko bezüglich der medikatösen Einnahme von Medikamenten wiedergab, in diesem Prozess auch teilweise erforderlich und das ist darauf bezogen für die jeweiligen Gegebenheiten, es ist schwer sich damit abzufinden, das man weiß die eigenen Eltern erhalten dann Bedarfsmedikation.Doch dies Dient nur dazu die Aufregung und Unruhe der Eltern etwas zu nehmen.Was ich Ihnen nur ans Herz legen kann, egal wie die Krankheit sich weiter ausprägt, es ist irgendwann von notwendigkeit, die Krankheit in ihren Formen und begebenheiten selbst zu verstehen und dann versuchen zu akzeptieren und trotz allem was komme behutsam damit zu leben. Es ist für Sie beide,deffinitiv eine Gute Enscheidung gewesen Ihre Eltern in Ihre nähe zu holen, denn sie haben sich damit etwas Ruhe und Sicherheit geschaffen, was einem schon einges an Last nehmen kann.Versuchen Sie die Phase der EIngewöhnungszeit Ihrer Eltern so schwer sie auch ist zu meistern.Es ist nachwirkend vielleicht für SIe schon mal eine Zeit der Gewissheit und Beruhigung.

Alles Gute F. Seydel



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