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DAS WEBLOG

Drei Wünsche für meine letzten Stunden

Sterben gehört zum Leben

Jeder Mensch muss sterben. Wie gehe ich mit diesem Thema um? Verdränge ich es oder lebe ich dauernd mit Todesangst? Pflegebibel-Kolumnist Uli Zeller wünscht sich einen natürlichen Umgang mit dem Tod.

Unser Kolumnist ist Krankenpfleger und Seelsorger in einem Altenheim. Regelmäßig begleitet er Sterbende. Dabei beobachtet er viel – und wird sich über seine Wünsche für sein eigenes Sterben klar. Hier sechs Wünsche an diejenigen, die ihn einmal beim Sterben begleiten...

Bleib bei mir und lass mich auch mal allein
Frau Hinz lag im Sterben. Ihre Atmung setzte aus. Ihr Mann und ihre Kinder waren die ganze Zeit bei ihr - und hielten ihre Hand. Dann verließen sie das Zimmer. Für fünf Minuten. In diesem Augenblick passierte es: Frau Hinz starb. Bei Herrn Baumgärtner war es gerade anders herum: Als sein Sohn das Zimmer betrat, den er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte, dauerte es keine zehn Minuten, bis Herr Baumgärtner starb. Ich wünsche mir, dass ich im Sterben nicht alleine bin – aber ich möchte auch nicht rund um die Uhr von Menschen umgeben sein. Besucht mich ohne Scheu - aber lasst mich auch allein. Beschenkt mich mit eurer Anwesenheit – aber gönnt mir auch Ruhe und Zeiten, in denen ich alleine bin.

Halte meine Hand und lass mich los
Wenn Angehörige Sterbenden krampfhaft die Hand halten, drückt das manchmal ihre eigene Unbeholfenheit aus. Im Idealfall können Berührungen dem Betroffenen das Gefühl geben, gehalten zu werden. Denke nach über die Art, wie du mich begrüßt, wäschst, massierst, meine Atmung unterstützt oder meinen Kopf hältst. Sei aber auch bereit dazu, mich los zu lassen. Ich sterbe. Ich werde nicht mehr da sein. Dein Leben wird auch ohne mich weitergehen. Nur anders. Sei nicht nur traurig darüber, dass du mich verlierst. Freue dich lieber noch viel mehr über unsere schönen gemeinsamen Zeiten. Lass mich los.

Erzähle mir und sei auch mal ruhig
Wenn Angehörige an meinem Sterbebett sind, möchte ich nicht das Gefühl haben, dass sie jetzt nur noch heulen und für sie die Welt untergeht. Ich wünsche mir, dass sie dankbar dafür sind, dass wir gemeinsam eine Strecke des Lebens gehen konnten. Ich würde mich freuen, wenn sie mir Geschichten aus meinem Leben erzählen. Lustige und traurige Episoden. Tiefsinniges und Oberflächliches. Ich würde mich freuen, wenn meine Angehörigen an meinem Sterbebett etwas zu lachen haben. Aber ich möchte auch nicht, dass nur geredet wird, um die peinliche Stille zu übertönen. Nein, es ist auch schön, wenn alle einmal ruhig sein können…

Informationen zum Autor

Foto des Weblogautors Uli Zeller
Foto: Uli Zeller

Uli Zeller ist Seelsorger in einem Altenheim in Singen. Der Familienvater liebt Geschichten - und schreibt auch welche für Menschen mit Demenz. Er ist Autor mehrerer Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und Ratgeber für deren Angehörige und Betreuungskräfte. Alle seine Bücher finden Sie hier: http://t1p.de/BestZeller
Der Krankenpfleger und Theologe ist in der Aus- und Weiterbildung von Betreuungskräften tätig. Er ist zu Lesungen unterwegs und hält Vorträge über den Umgang mit Demenz. Seine Kolumne "Uli & die Demenz" finden Sie regelmäßig auf der "Pflegebibel": http://www.die-pflegebibel.de/author/uli-zeller/

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