Navigation und Service

Zuhause wohnen

Trotz Demenzdiagnose zu Hause wohnen – das geht. Am besten gelingt dies jenen, die zur richtigen Zeit professionelle Hilfe bekommen und auch zulassen. Deshalb ist es wichtig, dass sich Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gründlich mit der Situation auseinandersetzen und offen besprechen, in welchem Umfang Hilfen aus dem privaten Umfeld umsetzbar sind und in welchen Bereichen externe Hilfen benötigt werden.
Die eigene Wohnung ist für viele alte Menschen ein Ort, mit dem sie jahrzehntelange Erinnerungen verbinden. Erhalten sie die Diagnose Demenz, kommt zum Schock über die Krankheit oft eine Sorge hinzu: "Muss ich jetzt umziehen?" Die Erfahrung zeigt jedoch: Viele Menschen im frühen Stadium der Alzheimerkrankheit oder einer anderen Form der Demenz finden sich noch jahrelang in der gewohnten Umgebung zurecht. Ihnen genügt meistens Hilfe bei Tätigkeiten, die viel Konzentration verlangen. Zum Beispiel beim Schriftverkehr mit Behörden oder in der Bank oder Sparkasse.
Auch später ist ein Umzug nicht zwangsläufig notwendig. Die Bedingung dafür ist, dass Angehörige öfter am Tag nach dem Rechten sehen, beim Kochen zur Hand gehen oder sich um " Essen auf Rädern" kümmern. Auch gute Nachbarn bieten mitunter ihre Hilfe an und sei es nur, indem sie den an Demenz Erkrankten an Termine erinnern – oder daran, dass er oder sie schon zu lange nichts mehr getrunken hat.

Pflegegeld

Menschen mit Demenz, die zu Hause von ihren Angehörigen versorgt werden und mindestens in dem Pflegegrad 2 eingestuft sind, haben Anspruch auf Pflegegeld. Das Pflegegeld wird von der Pflegeversicherung auf das Konto der pflegebedürftigen Person überwiesen. Das Pflegegeld dient als Anerkennung für die Pflegeperson.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Gesetzliche Leistungen/Soziale Pflegeversicherung

Betreuungsgruppen

Die Wohlfahrtsverbände (wie Caritas und Diakonie), die regionalen Alzheimer Gesellschaften, MGH (Mehrgenerationenhäuser) und andere Organisationen bieten in vielen Städten und Gemeinden Gruppenbetreuung für Demenzkranke an. Menschen mit Demenz im frühen und mittleren Stadium kommen regelmäßig zusammen, um gemeinsam schöne Stunden zu verbringen. Unterstützt werden sie meistens von geschulten ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich ganz auf ihre Bedürfnisse einstellen.

Es können Spielnachmittage, Gesangskreise, Gesprächsrunden oder Bastelkreise angeboten werden, welche direkt auf die Bedürfnisse für Menschen mit Demenz abgestimmt sind. Anders als im herkömmlichen Kränzchen erwartet hier niemand, dass die Teilnehmer langen Gesprächen folgen und sich Details merken. Sie dürfen ganz sie selbst sein. Dazu gibt es häufig Kaffee und Kuchen oder auch ein Mittagessen.

Betreuung in der Gruppe

Geschultes Personal oder Ehrenamtliche sorgen für eine angenehme, konflikt- und stressfreie Atmosphäre. Außerdem trainieren sie mit einfachen Spielen das Gedächtnis ihrer Gäste, machen altersgerechte gymnastische Übungen und unternehmen Zeitreisen in die Vergangenheit. Denn dort kennen sich Demenzkranke oft noch sehr gut aus. Bei diesen Reisen helfen Fotos, vor allem aber Musik. Schlager aus den 1950er- und 1960er-Jahren oder Volksmusik lösen bei vielen Demenzkranken angenehme Gefühle aus – und sorgen dafür, dass sie heiter aus der Betreuungsgruppe heimkehren.

Finanzierung

Die Kosten für solche Zusammenkünfte halten sich für die Demenzkranken in Grenzen. Meistens zahlen sie nur einen kleinen Betrag für Speisen und Getränke. Dafür können sie Geld nutzen, das sie bei ihrer Krankenkasse für sogenannte niedrigschwellige Betreuungsangebote (Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI) beantragen können.

Weitere Informationen

finden Sie in der Adressdatenbank

Ehrenamtliche Hilfe

Menschen mit fortgeschrittener Demenz brauchen nicht nur Unterstützung, wenn sie essen oder sich ankleiden. Es ist auch wichtig, sie angemessen zu beschäftigen und ihnen Bewegung zu verschaffen. Professionelle Pflegekräfte können solche Leistungen aber nicht "nebenbei" erbringen. Angehörige sollten sie entweder vertraglich vereinbaren ( zum Beispiel über einen Pflegedienst) – oder eine kostengünstige Alternative wählen: ehrenamtliche Hilfe.
Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sollen und dürfen nicht zur klassischen Pflege herangezogen werden. Diese Männer und Frauen kommen also nicht ins Haus, um beispielsweise bei der Intimpflege zu helfen. Aber sie können viele andere wichtige Tätigkeiten übernehmen. In der Betreuung demenzkranker Menschen kommt es darauf an, auf sensible Weise das Gehirn zu aktivieren und angenehme Gefühle und Erinnerungen zu wecken. Solche "niedrigschwelligen Angebote", wie sie bei den Pflegekassen heißen, fördern das Wohlbefinden der Betroffenen.
Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer werden oft über die freien Träger der Altenpflege organisiert, aber auch die Gemeinde oder die Kirche vermitteln Ehrenamtliche. Dabei gilt zu beachten: Die Dienstleistungen von Ehrenamtlichen sind selten kostenlos. Das hat gute Gründe: Die Institutionen, die Ehrenamtliche vermitteln, müssen die Dienste dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter planen und sie für ihren Einsatz schulen.

Finanzierung

Ob und wie viel pflegende Angehörige für ehrenamtliche Hilfe zahlen müssen, erfragen sie am besten im Pflegestützpunkt, bei der Altenhilfe oder der Agentur, die Ehrenamtliche schult und vermittelt. Um die Kosten abzudecken, bietet sich das Pflegegeld an. Die Pflegekassen lassen die stundenweise Unterstützung durch Ehrenamtliche auch als Verhinderungspflege gelten. Dazu ist ein entsprechender Antrag notwendig.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Adressdatenbank

Gesetzliche Leistung SGB XI - unter "Entlastungsbetrag"

Netzwerk Pflegebegleitung

Alzheimer Ethik e. V.

Ambulanter Pflegedienst

Professionelle ambulante Hilfe ermöglicht es alleinlebenden Demenzkranken, länger zu Hause zu bleiben, und entlasten Angehörige. Angehörige gewinnen Zeit, um beruflichen Pflichten nachzugehen, Einkäufe zu machen oder auch einfach zu entspannen. Die Kasse zahlt allerdings nur, wenn die Pflegekraft von ihr zugelassen ist oder bei einem ihrer Vertragspartner arbeitet. Solche Partner sind die Wohlfahrtsverbände Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Paritätischer Verband, Rotes Kreuz und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Überall in Deutschland gibt es aber auch private Pflegedienstleister, die bei Pflegekassen unter Vertrag stehen.
Manchmal bietet es sich an, zuerst einen Pflegedienst auszusuchen und dann den Antrag bei der Pflegekasse zu stellen. Viele Dienstleister helfen kostenlos beim Ausfüllen des Antrags. Außerdem sollten sich Angehörige ein Bild von den Angeboten vor Ort machen und diese vergleichen. Pflegedienste sind selten auf demenzkranke Menschen spezialisiert, sondern bieten allgemeine Leistungen der Altenpflege an. Alzheimer und andere Formen der Demenz erfordern aber besondere Kenntnisse und Fähigkeiten.
Verlinkung intern zur Adressdatenbank

Tipps für Menschen mit Demenz und deren Angehörige

Erste Anhaltspunkte für die Auswahl können Gespräche mit Nachbarn und Bekannten liefern. Vielleicht haben Sie eine ehemalige Kollegin oder Kollegen, die ebenfalls einen Demenzkranken gepflegt haben und mit einer professionellen Pflegekraft zufrieden war? Um die Meinung anderer Familien einzuholen, können Sie sich auch an eine örtliche Selbsthilfegruppe oder die Alzheimer Gesellschaft wenden.
Danach lassen Sie sich am besten bei den Pflegediensten vor Ort Termine geben, um über den Pflegeansatz zu sprechen und praktische Fragen zu klären. Achten Sie auf Folgendes:

  • Verfügt der Dienstleister über ein schriftliches Konzept, in dem er seinen Pflegeansatz darlegt?
  • Geht der Dienstleister darin auf die Bedürfnisse demenzkranker Menschen ein?
  • Gibt es Fachkräfte, die speziell für die Pflege von Demenzkranken ausgebildet beziehungsweise geschult sind?
  • Gewährleistet der Dienstleister, dass sich eine begrenzte Zahl von Pflegekräften abwechselt? Das ist wichtig, weil Demenzkranke Bezugspersonen brauchen. In Ratgebern sind allerdings oft unrealistische Zahlen zu lesen: Zwei bis drei Bezugspersonen mögen wünschenswert sein. Realistisch sind solche Forderungen nicht
  • Erscheint die Pflegekraft in einem vereinbarten Zeitfenster von etwa einer halben Stunde? Das hilft nicht nur Ihnen bei der Tagesplanung, sondern strukturiert den Tag Ihres demenzkranken Familienmitglieds
  • Minutengenaue Vereinbarungen sind dagegen weder realistisch noch wünschenswert. Bedenken Sie: Will der Dienstleister Punkt halb neun vor der Tür eines Kunden stehen, muss er bei einem anderen alles "stehen und liegen" lassen. Das spräche eher gegen als für Qualität
  • Falls Sie nur bestimmte "Verrichtungen des täglichen Lebens" an den Dienstleister abgeben möchten – geht er auf Ihre Wünsche ein?
  • Bietet der Dienstleister eine 24-Stunden-Bereitschaft für Notfälle?
  • Organisiert der Dienstleister eventuell eine Betreuungsgruppe?
  • Bietet der Dienstleister Ihnen die Hilfe von Ehrenamtlichen an, die Sie entlasten können?
  • Arbeitet der Pflegedienst mit Einrichtungen der Tagespflege oder kurzzeitigen Pflege zusammen, sodass im Notfall rasch teilstationäre Hilfen zur Verfügung stehen?
  • Kooperiert der Pflegedienst mit einem Anbieter professioneller Sterbebegleitung, beispielsweise einer Hospizinitiative?

Grenzen ambulanter Pflege

Fragen Sie Pflegedienste auch, wo sie die Grenze ihrer Hilfe ziehen. Die Pflege mancher Demenzkranken ist so anspruchsvoll, dass selbst Fachkräfte nicht mehr ausreichend unterstützen können. Das kann beispielsweise passieren, wenn ein demenzkranker Mensch stark verhaltensauffällig wird und sich oder andere gefährdet. In solchen Fällen kann es für alle Beteiligten besser sein, sich rechtzeitig nach einem guten Pflegeheim umzusehen.

Finanzierung

Die Kosten übernehmen bis zu einem festgelegten Betrag (Pflegesachleistungen), welcher vom Pflegegrad abhängig ist, die Pflegeversicherungen. Wenn der Betrag der Pflegeversicherung nicht ausreicht, um die Leistungen des Pflegedienstes zu bezahlen, muss der Restbetrag aus eigenen Mitteln finanziert werden oder es kann beim zuständigen Sozialamt ein Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ (SGB XII) gestellt werden.
Erfolgt die Pflege durch einen Pflegedienst und einen Angehörigen, können Kombinationsleistungen (Kostenübernahme Pflegesachleistungen + anteiliges Pflegegeld) bei der Pflegeversicherung beantragt werden (SGB XI).

Lesen Sie mehr zum Thema:

Soziale Pflegeversicherung

Sozialhilfe

Tagespflege

Wenn Menschen mit Demenz nicht mehr alleine bleiben und ihre Angehörigen sie nicht rund um die Uhr versorgen können, oder um den Pflegepersonen eine Pause zu verschaffen, kann ein Besuch in der Tagespflege eine gute Lösung sein. Die Pflegebedürftigen verbringen ein oder mehrere Tage pro Woche gemeinsam in einer Einrichtung, die auf ihre Bedürfnisse eingestellt ist. Hierzu werden sie morgens abgeholt und kehren am Nachmittag wieder in ihre Familien zurück. Vor Ort werden unterschiedlichste Aktivitäten angeboten, um Fähigkeiten zu fördern und Menschen mit Demenz zu aktivieren. Im § 43b SGB XI wurde geregelt, dass zusätzliche Betreuungs- und Aktivierungsangebote anzubieten und durchzuführen sind. Die pflegerische Betreuung wird in der Tagespflege ebenfalls sichergestellt.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Adressdatenbank

Gesetzliche Leistungen

Tagespflege: Tipps für Angehörige

Sie sollten sich eine Einrichtung der Tagespflege genau ansehen, bevor Sie eine Betreuung vereinbaren. Achten Sie unter anderem auf Folgendes:

  • Gibt es kleine Gruppen beziehungsweise feste Tischnachbarn, sodass sich Vertrautheit einstellen kann?
  • Schlagen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen bestimmten Tag vor, um Ihr demenzkrankes Familienmitglied in eine passende Gruppe zu integrieren?
  • Können Sie einen Probetag vereinbaren?
  • Gibt es ein Konzept, um einen neuen Gast einzugewöhnen? Kann er beispielsweise zunächst stundenweise kommen? Dürfen Sie am Anfang dabei sein?
  • Verhindert die Einrichtung auf menschenwürdige Weise, dass demenzkranke Menschen allein das Gebäude verlassen?
  • Wirken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelassen? Gehen sie mit ruhigen Gesten auf die alten Menschen ein?
  • Werden die zu Betreuenden angeregt, sich zu bewegen?
  • Geht jemand mit zur Toilette, wenn ein Mensch mit Demenz unruhig wird?

Demenzkranke alte Menschen brauchen normalerweise ein wenig Zeit, um sich an eine Tagespflegeeinrichtung zu gewöhnen. Entscheidend ist, dass ihnen die Aufenthalte dort zur Routine werden. Angehörige sollten mindestens zwei oder drei Aufenthalte in der Woche, am besten an direkt aufeinanderfolgenden Tagen einplanen. Allerdings hängt die Zahl der Aufenthalte nicht nur von den Wünschen der Familie ab, sondern auch vom Geld.

Finanzierung

Die Kosten übernehmen bis zu einem festgelegten Betrag (Pflegesachleistung bei teilstationärer Versorgung), welcher vom Pflegegrad abhängig ist, die Pflegeversicherungen. Wenn der Betrag der Pflegeversicherung nicht ausreicht, um die Leistungen der Tagespflege zu bezahlen, muss der Restbetrag aus eigenen Mitteln finanziert werden oder es kann bei Bedarf beim zuständigen Sozialamt ein Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ (SGB XII) gestellt werden.
Die Kosten können zusätzlich zum Pflegegeld oder Pflegesachleistungen abgerechnet werden. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie gesondert berechenbare Investitionskosten müssen dagegen privat getragen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Soziale Pflegeversicherung

Sozialhilfe

Nachtpflege

Menschen mit Demenz leiden häufig unter Schlafproblemen und damit einhergehend unter einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus. Für viele pflegende Angehörige bedeutet das, dass sie nachts nicht durchschlafen können und auch während der Nacht sich um die Pflegebedürftigen kümmern müssen. Um endlich einmal wieder ruhig durchschlafen zu können, gibt es die Nachtpflege. Es wird bisher nur vereinzelt die Nachtpflege angeboten. Vorreiter ist der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), welcher die Nachtpflege unter anderem in Bramsche, Karlsruhe oder in Bremen anbietet. Jede Einrichtung für Nachtpflege ist verpflichtet zusätzliche Betreuungs- und Aktivierungsangebote, welche über die normale Versorgung hinausgehen, anzubieten und durchzuführen. Dieses ist im § 43b SGB XI geregelt.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Adressdatenbank

Gesetzliche Leistungen

Finanzierung

Die Kosten übernehmen bis zu einem festgelegten Betrag (Pflegesachleistung bei teilstationärer Versorgung), welcher vom Pflegegrad abhängig ist, die Pflegeversicherungen. Wenn der Betrag der Pflegeversicherung nicht ausreicht, um die Leistungen der Nachtpflege zu bezahlen, muss der Restbetrag aus eigenen Mitteln finanziert werden oder es kann bei Bedarf beim zuständigen Sozialamt ein Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ (SGB XII) gestellt werden.
Die Kosten können zusätzlich zum Pflegegeld oder Pflegesachleistungen abgerechnet werden. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie gesondert berechenbare Investitionskosten müssen dagegen privat getragen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Soziale Pflegeversicherung

Sozialhilfe

Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege

Auch pflegende Angehörige werden mal krank oder haben einen Urlaub nötig. In solchen Fällen bieten sich mehrere Möglichkeiten für die Verhinderungspflege an. Es ist möglich, dass die pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz von Angehörigen, Freunden oder Nachbarn durchgeführt wird. Falls dieses nicht umsetzbar ist, kann auch ein ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen werden.

Pro Jahr stehen Ihnen 42 Tage Verhinderungspflege zur Verfügung. Diese können aufgeteilt werden: Wenn sie drei Tage krankgeschrieben sind und jemand anderes die Pflege übernimmt, bleiben also noch 39 Tage übrig. Außerdem dürfen sie ihr "Tage-Konto" auch stundenweise nutzen. Ein Beispiel: Eine Frau pflegt ihre demenzkranke Mutter. Einmal in der Woche kommt ein ehrenamtlicher Helfer ins Haus, der mit der Mutter singt, Fotoalben anschaut, ihr Kuchen in verzehrfertige Stückchen schneidet und sie zur Toilette begleitet. In dieser Zeit hat die Tochter Zeit, zu Behörden oder zum Friseur zu gehen oder einfach mal auszuspannen. Dafür rechnet die Kasse drei Stunden Verhinderungspflege an.

Angenommen, ein Mann pflegt seine demenzkranke Frau in der gemeinsamen Wohnung. Er erkältet sich schwer und braucht Ruhe, um gesund zu werden. Dann kann es ratsam sein, die Ehefrau ein paar Tage lang stationär pflegen zu lassen. Für diese Fälle können Leistungen der Kurzzeitpflege genutzt werden. Manche Pflegeheime halten Plätze für solche Kurzzeitgäste vor. Jede Einrichtung für Kurzzeitpflege ist verpflichtet, zusätzliche Betreuungs- und Aktivierungsangebote, welche über die normale Versorgung hinausgehen, anzubieten und durchzuführen. Dieses ist im § 43b SGB XI geregelt. Die Pflegekasse übernimmt auf Antrag die Kosten für Kurzzeitpflege, wenn die gewählte Einrichtung bei ihr unter Vertrag steht.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Soziale Pflegeversicherung 

Betreuungskräfte/Haushaltshilfen aus Ländern der Europäischen Union

Die Dienstleistungsfreiheit im Rahmen der EU ermöglicht es, Pflegekräfte und Haushaltshilfen aus den EU-Mitgliedstaaten in Deutschland zu beschäftigen. Verschiedene Modelle sind möglich:

1. Das Arbeitgebermodell:

Der oder die Pflegebedürftige oder die Angehörigen stellen selbst eine Betreuungskraft ein, fungieren also als Arbeitgeber. Diese Voraussetzungen müssen vom Arbeitgeber erfüllt werden:

  • Die Auftraggeber sind mit allen Pflichten und Rechten Arbeitgeber (alle Formalitäten, wie Verträge abschließen, Abgaben und Steuern entrichten liegen in ihrer Verantwortung)
  • Eine angemessene Unterkunft im eigenen Haushalt der Pflegebedürftigen oder in der Nähe muss für die Arbeitskraft zur Verfügung gestellt werden
  • Die Unterkunfts- und Verpflegungskosten für die Arbeitskraft müssen übernommen werden
  • Die wöchentliche Arbeitszeit entspricht der tarifrechtlichen oder üblichen Vollzeitstundenzahl (38,5 Stunden/Woche) bei sechs Tagen pro Woche
  • Der monatliche Brutto-Arbeitslohn richtet sich nach dem im jeweiligen Bundesland gültigen Tariflohn
  • Die Kosten für die Arbeitgeber errechnen sich aus dem Bruttolohn, dem Arbeitgeberanteil bei den Sozialversicherungsabgaben, den Unterkunfts- und Verpflegungskosten sowie den An- und Abreisekosten der Arbeitskraft
  • Der Arbeitgeber muss eine Unfallversicherung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft abschließen
  • Diese Haushaltshilfen/Pflegekräfte dürfen folgende Tätigkeiten übernehmen:
  • pflegerische Alltagshilfen (zum Beispiel einfache Hilfestellungen bei der Körperpflege, der Ernährung, bei Toilettengängen und der Mobilität) und Haushaltshilfe.

Der Dauer der Beschäftigung sind keine zeitlichen Grenzen gesetzt. Die Pflichten der Arbeitskräfte sind:

  • Sie müssen sich beim Einwohnermeldeamt anmelden und
  • eine Steuer-Identifikationsnummer beim Finanzamt beantragen.

Nähere Informationen erhalten Sie bei der:
Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)
Adresse: Villemombler Straße 76, 53123 Bonn
Telefon: 0228 7132132
E-Mail: zav.haushaltshilfen[at]arbeitsagentur.de

Weitere Informationen finden Sie hier:

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung - Bundesagentur für Arbeit

2. Das Entsendemodell:

Hierbei handelt es sich um eine zeitlich befristete Entsendung von Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eines europäischen Unternehmens aus EU-Mitglied-Staaten nach Deutschland, wobei die Pflegebedürftigen/Angehörigen hier nicht zu Arbeitgebern werden. Sie schließen mit einem europäischen oder deutschen Unternehmen einen Dienstleistervertrag über Pflege, Betreuung und/oder hauswirtschaftliche Hilfen. Die Voraussetzungen sind hier:

  • Die Arbeitskraft ist bei einem der oben genannten Unternehmen angestellt
  • Das Unternehmen entrichtet die Sozialversicherungsabgaben und Steuern. Der Nachweis hierfür ist die Entsendebescheinigung A-1
  • Die Entsendung erfolgt nur vorübergehend (bis zu 12 Monate)
  • Die Arbeitskräfte wechseln in einem bestimmten Rhythmus (drei Monate)
  • Für die Arbeitnehmer gelten die deutschen Arbeitsrechts- und Arbeitsschutzbestimmungen wie Probezeit, Arbeitszeit, Urlaub, Kündigungsfristen, Tariflohn/Mindestlohn
  • Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus dem Tariflohn/Mindestlohn, den Kosten für Unterkunft, Verpflegung und An- und Abreisekosten der Arbeitskraft. In der Regel wird eine einmalige Vermittlungs- und Bearbeitungsgebühr von den Unternehmen erhoben.

Finanzierung

Es ist nicht möglich, die Pflegesachleistungen, mit denen die Leistungen eines von den Pflegekassen anerkannten Pflegedienstes bezahlt werden, für Haushaltshilfen aus der Europäischen Union einzusetzen. Lediglich das Pflegegeld steht Ihnen zur Verfügung, vorausgesetzt Sie haben einen Pflegegrad, sind also per Gesetz als pflegebedürftig anerkannt. Außerdem können Sie noch die Erstattungen für die Verhinderungspflege sowie die 50 Prozent der Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Ausländische Betreuungskräfte - Verbraucherzentrale

Verbraucherzentrale - grauer Pflegemarkt

 

Wohnungsumgestaltung

Praktische Tipps und Informationen, wie Sie Ihr Zuhause sicher, hilfreich und behaglich gestalten können, auch wenn durch das Älterwerden oder eine Demenz besondere Anforderungen notwendig werden, erfahren Sie über Musterwohnungen.

Zur Musterwohnung "Sicher wohnen mit Demenz" finden Sie hier nähere Informationen.

In guten wie in schlechten Zeiten (Deutsch)

Alltagstipps bei Demenz – Farb- und Raumgestaltung (Russische Untertitel)

Alltagstipps bei Demenz – Farb- und Raumgestaltung (Türkische Untertitel)

Bauernhöfe als Orte für Menschen mit Demenz (Deutsch)