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Demenz und Migration

Laut 12. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über Teilhabe, Chancengleichheit und Rechtsentwicklung in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland ist die Zahl der älteren Menschen mit Migrationshintergrund gewachsen und wird weiter ansteigen. Somit wächst auch die Gruppe der Migrantinnen und Migranten weiter an, die an einer Demenz erkranken können. Nach neueren Studien treten Demenzerkrankungen bei älteren Menschen mit Migrationshintergrund in etwa gleich häufig auf wie bei Menschen ohne Migrationshintergrund. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Zahl der Erkrankten insgesamt bis zum Jahr 2050 auf rund 3 Millionen erhöht, sofern kein Mittel zur Heilung entwickelt wird.

Der kultursensiblen Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund mit einer Demenzerkrankung kommt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren gestiegenen Zuwanderung, eine zunehmend wichtige Bedeutung zu. Krankenhäuser, Beratungsstellen, Pflegedienste, Pflegeeinrichtungen und viele weitere Träger rechnen in Zukunft mit einem Anstieg der Zahl an Demenz erkrankter Migrantinnen und Migranten.

Menschen mit Migrationshintergrund und einer Demenzerkrankung sind daher meist besonders belastet, da ihr Umfeld ihnen oft „doppelt fremd“ erscheint: Nicht nur Erinnerungen an das eigene Herkunftsland verblassen, auch die früheren im Herkunftsland erworbenen soziokulturellen Wertvorstellungen rücken häufig wieder in den Vordergrund. Die aktuellen Lebensbedingungen, an die sich die betroffenen Migrantinnen und Migranten bereits erfolgreich gewöhnt hatten, erscheinen jedoch zunehmend fremder. Hinzu kommt der Verlust der in der Regel spät erlernten deutschen Sprache.

Daten und Fakten

Im Jahr 2016 lebten in Deutschland 18,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, davon mehr als 1,8 Millionen, die über 65 Jahre alt sind (Statistisches Bundesamt, 2016). Bundesweit gibt es etwa 108.000 Menschen mit Migrationshintergrund, die an einer Demenz erkrankt sind (Demenz-Servicezentrum NRW für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, 2015). Da die Zahl älterer Migrantinnen und Migranten in Deutschland wächst, ist davon auszugehen, dass Demenzerkrankungen in den nächsten Jahren auch in dieser Bevölkerungsgruppe deutlich zunehmen werden. Unter den älteren Menschen mit Migrationshintergrund bilden derzeit Spätaussiedler und Migranten aus Mittel- und Osteuropa die mit Abstand größte Gruppe. Die Anzahl der über 65-Jährigen russischsprachigen Migrantinnen und Migranten ist deutlich größer als die der älteren türkischstämmigen Migrantinnen und Migranten.

Demenz und Migration

Demenz und Migration bietet als Projekt-Internetseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Hinweise und Informationen zum kultursensiblen Umgang mit Demenz. Die Seite gibt wesentliche Informationen zum Thema Demenz auch in türkischer, polnischer und russischer Sprache. Darüber hinaus listet sie muttersprachliche Beratungsstellen auf. Menschen mit Demenz und Migrationshintergrund hilft es in besonderem Maße, wenn ihre kulturelle Identität von anderen geachtet wird, da sich durch die Demenz das Gefühl von Fremdheit und Unsicherheit noch verstärkt. Die eigene Kultur vermittelt ihnen Orientierung und Sicherheit, da auch die erlernte deutsche Sprache mit der Krankheit zunehmend verloren geht. Das Projekt wird vom Bundesfamilienministerium gefördert.

Rat und Hilfe von Gleichgesinnten

Der Kontakt zu Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, kann helfen mit der eigenen Situation besser zurechtzukommen. Vernetzung spielt eine ebenso große Rolle wie professionelle Beratung. Beratungsstellen, lokale Alzheimer-Gesellschaften oder Wohlfahrtsverbände bieten häufig Selbsthilfegruppen für Angehörige von Demenzkranken an. Unser Angehörigen-Weblog bietet hier eine Plattform für den persönlichen Austausch, der hilfreich sein kann.