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Die linke Hand eines älteren Mannes liegt auf der Tastatur eines Klaviers

Sich entlasten – Überforderung vermeiden

Es ist gut und richtig, füreinander da zu sein. Doch niemand verlangt von Pflegenden, dass sie sich selbst aufgeben. Um selbst gesund zu bleiben, sollten sie von Verwandten, Freunden, Nachbarn und professionellen Pflegekräften Hilfe einfordern. Das schafft Freiräume, schützt vor Überlastung und verhindert, dass die Demenz eines Familienmitglieds das eigene Leben vollständig bestimmt. 

Sich um ein demenzkrankes Familienmitglied zu kümmern, strengt körperlich und seelisch an – egal ob die 40-jährige Tochter oder der 70-jährige Ehemann diese Aufgabe übernimmt. Die eine ist berufstätig, dem anderen fallen viele Tätigkeiten aufgrund seines Alters schwer. Es ist daher selbstverständlich, dass pflegende Angehörige Unterstützung brauchen, vor allem weil sich die Pflege von Demenzkranken mit der Zeit zu einem 24-Stunden-Job entwickelt.

Rat für Angehörige

Manche Angehörige neigen dazu, sich aus Pflichtgefühl völlig aufzuopfern. Sie fürchten beispielsweise, dass die Nachbarn tratschen, wenn sie einen Ausflug ohne ihren demenzkranken Vater machen. Oder sie möchten nicht beim Joggen im Park "erwischt" werden, während sich ein ambulanter Dienstleister um die Schwiegermutter kümmert. Dieses schlechte Gewissen ist aber völlig fehl am Platz. Expertinnen und Experten raten vielmehr: Nehmen Sie sich Auszeiten von der Pflege. Lassen Sie es nicht so weit kommen, dass die Sorge um einen pflegebedürftigen Menschen Sie "auffrisst".

Überforderung und Gewalt vermeiden

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz kann - je weiter die Krankheit voranschreitet - zur Überforderung und in manchen Fällen auch zur Anwendung von physischer oder psychischer Gewalt führen. Denn die Pflegenden, oft die ebenfalls hochaltrigen Lebenspartner oder die Lebenspartnerinnen, fühlen sich mit dem für sie belastenden Situationen allein gelassen.

Um solchen Situationen vorzubeugen, aber auch Hilfe und Unterstützung zu geben, wenn es bereits zu Gewalthandlungen gekommen ist, können entsprechende Beratungs- und Anlaufstellen Hilfe und Unterstützung geben.

Der vom BMFSFJ geförderte Themenreport „Gewaltprävention in der Pflege“ der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) informiert zum Thema Gewalt in der Pflege und kann zu deren Vermeidung beitragen.

Warnzeichen für Überforderung

Nur wer sich gut um sich selber kümmert, kann sich gut um andere kümmern. Dies sollten Sie sich und anderen selbstbewusst vor Augen führen. Nehmen Sie deshalb folgende Warnzeichen ernst, die für Überlastung sprechen:

  • Sie fühlen sich gehetzt und fürchten, nicht alles zu schaffen.
  • Ihre Gedanken kreisen ständig darum, was Sie als Nächstes für Ihre demenzkranke Mutter oder Ihren Schwiegervater tun müssen.
  • Sie fallen todmüde ins Bett und schlafen trotzdem schlecht.
  • Sie sind anfällig für Erkältungen und andere Krankheiten geworden.
  • Sie nehmen stark ab, weil Sie unregelmäßig essen.
  • Sie nehmen stark zu, weil Naschen Sie kurzzeitig von Ihren Sorgen ablenkt.
  • Sie reagieren gereizt auf Ihr demenzkrankes Familienmitglied. Sie werden ihm gegenüber laut. Sie fassen hart zu und beginnen, Ihren Pflegling zu schütteln.
  • Sie sehen Ihre Freunde kaum.
  • Sie hatten seit Wochen keine Zeit mehr für Ihr liebstes Hobby.

Ehrenamtliche einbeziehen

Auch Ehrenamtliche verschaffen pflegenden Angehörigen Freiräume. Sie kommen, um zum Beispiel mit den Erkrankten zu lesen, zu spielen oder spazieren zu gehen. Außerdem haben sie für die Probleme der Angehörigen ein offenes Ohr. Vielen Menschen bereitet es Freude, anderen etwas Gutes zu tun.

Sich entlasten: Auszeiten von der Pflege

Suchen Sie am besten schon Rat und Hilfe, bevor Sie in solche Situationen geraten. Versuchen Sie nicht, mit Ihren Problemen allein zurechtzukommen. Tauschen Sie sich vielmehr mit Menschen aus, die ähnliche Fragen und Probleme haben wie Sie. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe Selbsthilfegruppen. Auch die Alzheimer Gesellschaft, Wohlfahrtsverbände und andere Organisationen vermitteln Kontakte und beraten gern.

Weder Ihrem demenzkranken Familienmitglied noch irgendjemandem sonst ist gedient, wenn Sie aus Überforderung selbst erkranken. Sorgen Sie also für Ihre Gesundheit, indem Sie sich Zeit für sich selbst nehmen. Entspannen Sie sich bewusst, indem Sie zum Yoga gehen oder sich in einer Bibliothek anmelden. Treffen Sie sich mit Freunden zum Essen, gehen Sie Ihren Hobbys nach. Laufen Sie sich im Park den Kopf frei. Spielen Sie Squash oder fahren Sie am Wochenende mit dem Rad aufs Land. Sie haben Anspruch auf Unterstützung bei der Betreuung und Pflege.

Planen für später

Wichtig ist auch, dass Sie frühzeitig besprechen, bis zu welchem Stadium der Krankheit Sie pflegen können und pflegen wollen. Die Entscheidung, wo ein Mensch mit Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz wohnen soll, fällt optimalerweise möglichst früh und sollte gemeinsam mit den Betroffenen und der gesamten Familie überlegt werden. Im Zentrum der Überlegungen sollten nur der oder die Demenzkranke, Sie und die Familie stehen. Die Meinung von Nachbarn und Bekannten, die nur reden, aber nicht helfen, kann Ihnen egal sein.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Sich entlasten finden Sie im Weblog-Beitrag Willkommen im Café Domino und im Videofilm GemeinsamerUrlaub mit Demenz.

Informationen zum Thema Überforderung und Gewalt vermeiden finden Sie hier:

Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)
Zentrum für Qualität in der Pflege - Gewaltprävention in der Pflege

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