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Ein älterer Herr und eine ältere Dame sitzen in einem Gemeinschaftsraum in roten Sesseln; ein Pfle-ger hilft der älteren Dame beim Essen

Herkömmliche Pflegeheime

In Deutschland gibt es derzeit mehr als zehntausend Pflegeheime und es werden ständig mehr. Da auch die Zahl der Demenzkranken in unserer Gesellschaft steigt, müssen sich die Einrichtungen auf die besonderen Ansprüche solcher Bewohnerinnen und Bewohner einstellen. Angehörige sollten bei der Wahl eines herkömmlichen Pflegeheims darauf achten, dass bestimmte Qualitätskriterien erfüllt sind.

Die meisten Pflegeheime nehmen sowohl geistig klare Menschen als auch Demenzkranke auf. Das hat durchaus Vorteile. Für leichter Erkrankte kann es eine Hilfe sein, sich an dem Verhalten der geistig Rüstigen zu orientieren. Wissen sie beispielsweise nicht mehr, wie das Essbesteck benutzt wird, können sie es sich bei anderen abschauen. Allerdings kann die gemischte Gruppe auch zur Belastung werden. Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz fühlen sich oft unter Druck gesetzt, wenn bestimmte Fähigkeiten als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Geistig Gesunde dagegen reagieren mitunter schroff, wenn ihr Gegenüber Gesprächen nicht folgen kann oder immer wieder das Gleiche fragt. Außerdem verhalten sich manche Demenzkranke enthemmt oder suchen zu viel Nähe. Das kann zu Konflikten führen. Viele Pflegeheime gehen daher dazu über, spezielle Betreuungsangebote oder auch besondere Wohn- und Pflegebereiche für Demenzkranke zu schaffen.

Rat für Angehörige

Wann immer Sie die Entscheidung für ein Pflegeheim treffen, werten Sie diesen Schritt nicht als persönliches Versagen. Übersteigt die Belastung die eigenen Grenzen, leiden nicht nur Sie, sondern auch Ihr demenzkrankes Familienmitglied. Ein gutes Pflegeheim kann beispielsweise Ihrer demenzkranken Mutter oder Ihrem Großvater besser bekommen als ein Haushalt, in dem Stress herrscht.

Eine jüngere Frau hält für eine ältere Frau ein ausklappbares Buch mit Menschen und Tieren fest
Foto: Michael Uhlmann

Je eher Sie in der Familie beraten und Heime anschauen, desto leichter fällt allen Beteiligten zu gegebener Zeit die Entscheidung. Welches Heim am besten geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab: Wie nah soll es Ihrem Wohnort sein? Wünschen Sie besondere Betreuungsangebote? Auf welche Ausstattung legen Sie Wert?

Lassen Sie sich für Ihre Besuche jeweils einen Termin mit der Heimleitung geben. Sprechen Sie vor Ort über den Pflegeansatz und halten Sie Augen, Ohren und Nase offen. Vertrauen Sie dabei auf Ihre Intuition. Macht das Personal einen gehetzten Eindruck oder geht es auf die alten Menschen ein? Wirkt die Einrichtung freundlich, sauber, hell und übersichtlich?

Beratung zu den Verträgen nach dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG)

Das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG) trat am 1. Oktober 2009 in Kraft und dient der Verwirklichung des Anspruchs auf Selbstbestimmung und Hilfe zur Selbsthilfe, der in der Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen kodifiziert ist.

Als Verbraucherschutzgesetz findet es auf Verträge Anwendung, bei denen die Überlassung von Wohnraum mit der Erbringung von Pflege- oder Betreuungsleistungen verbunden wird. Vertragspartner sind der Unternehmer, zum Beispiel eine Pflegeeinrichtung, und der Verbraucher, zum Beispiel ein älterer Mensch mit Pflegebedarf. Im Mittelpunkt des Gesetzes stehen Vorschriften über den Abschluss und die Umsetzung eines Wohn- und Betreuungsvertrages (ehemals "Heimvertrag") mit einem Unternehmer, die die Verbraucher besonders schützen sollen. Eine rechtliche Beratung und Prüfung der Verträge nach dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz können Verbraucherinnen und Verbraucher über eine Rechtsberatung, etwa durch einen Rechtsanwalt oder zum Beispiel über die Rechtsberatung der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebedürftige Menschen (BIVA), erhalten.

Darüber hinaus besteht bei Rechtsstreitigkeiten für Verbraucherinnen und Verbraucher seit dem 1. April 2016 auf Grundlage des neuen Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes bundesweit die Möglichkeit, sich an die sogenannte Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung e. V. mit Sitz in Kehl zu wenden. Eine außergerichtliche Streitschlichtung bietet den Vorteil, über ein leicht zugängliches und für die Verbraucher unentgeltliches Verfahren zu einer schnellen Konfliktlösung mit Hilfe eines Streitmittlers als neutralem und unabhängigem Dritten zu gelangen. Die Teilnahme an einer außergerichtlichen Streitbeilegung ist für den Unternehmer grundsätzlich freiwillig. Der Unternehmer muss den Verbraucher aber bei Vertragsabschlüssen ab dem 1. April 2016 im Vertrag darüber in Kenntnis setzen, inwieweit er bereit oder verpflichtet ist, an Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen. Verbraucherinnen und Verbraucher haben somit ein weiteres Entscheidungskriterium für die Wahl einer Pflegeeinrichtung.

Weitere Informationen sind zu finden auf:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - Außergerichtliche Streitbeilegung für mehr Verbraucherschutz im Pflegebereich

 

 

Mit der Heimleitung sollten Sie unter anderem folgende Fragen besprechen:

  • Wie ist die medizinische Versorgung geregelt?
  • Gibt es individuelle Betreuungspläne, die auch die Vorlieben und Biografien der Demenzkranken berücksichtigen? Wie geht das Heim mit persönlichen Informationen und Anregungen um, die es von Angehörigen erhält?
  • Wie ist das Miteinander von Demenzkranken und geistig Gesunden geregelt?

Qualität und Preis

Pflegeheime unterscheiden sich auch im Preis. Seniorenresidenzen und Wohnstifte sind teurer als Einrichtungen von Wohlfahrtsverbänden. Das muss aber kein Qualitätsmerkmal sein. Manche Ratgeberbücher empfehlen Angehörigen, sich den Prüfbericht des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) zeigen zu lassen. Darin sind Pflegemängel aufgelistet und die Heime erhalten Noten. Diese Art der Bewertung ist allerdings umstritten. Angehörige sollten auch die Stellungnahme der Einrichtung zu dieser Note lesen.

Mit Augenmaß urteilen

In manchen Ratgebern ist zu lesen, in einer Pflegeeinrichtung solle sich eine Pflegekraft um maximal drei Bewohner kümmern. Die wenigsten Einrichtungen können diesen Wunsch erfüllen. Angehörige sollten vielmehr fragen, wie das Heim mit dieser Situation umgeht.

Zuwendung erleichtert die Eingewöhnung

Wenn der Umzug konkret wird, ist viel Einfühlungsvermögen gefragt. Demenzkranke können auf Ortswechsel sehr sensibel reagieren. Eventuell kann sich ihr Allgemeinzustand verschlechtern. Deshalb ist es wichtig, dass Angehörige und Pflegekräfte die Eingewöhnung erleichtern. Nahestehende Menschen sollten Demenzkranke in die neue Situation begleiten. Nach der Eingewöhnungsphase können sie sich unbelastet von täglichen pflegerischen Aufgaben weiter um die Erkrankten kümmern, ihnen vorlesen, sie streicheln und umhegen. Manchmal ist es gut, einfach nur mit am Tisch zu sitzen, gemeinsam fernzusehen, vorzulesen oder mit Fotoalben in Erinnerungen zu schwelgen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Pflegeheime sind oft die Lösung, wenn Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz zu Hause nicht mehr angemessen versorgt werden können.
  • Da in herkömmlichen Pflegeheimen geistig klare Menschen mit Demenzkranken zusammenleben, sollte für professionelle Pflege und ausreichend Zusatzangebote gesorgt sein.
  • Frühzeitige Planung und Besuche in den stationären Einrichtungen vor Ort erleichtern die Entscheidung.

Weitere Informationen

Wenn Sie unseren Expertinnen und Experten eine Frage zum Thema stellen wollen, können Sie dies in unserem Ratgeberforum Wohnen, Betreuung und Pflege tun.

Downloads

Checkliste Pflegeheime

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat einen Katalog von Fragen herausgegeben, die bei der Auswahl eines Pflegeheims helfen.

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