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Eine Schwester bereitet die Untersuchung für eine Kernspintomographie vor. Ihre Kollegin sitzt in einem Vorraum und bearbeitet Unterlagen

Schluckstörungen und künstliche Ernährung bei Demenz

Eine fortgeschrittene Demenz kann Schluckstörungen auslösen, die Essen und Trinken erschweren. Bei der Ursachensuche und Festlegung der geeigneten Therapie empfiehlt der Medizinische Dienst der Kranken- und Pflegekassen (MDK), auch Logopäden oder andere geschulte Therapeuten zum Beispiel Dysphagietherapeuten, Ergo- und Physiotherapeuten, hinzuzuziehen.

Vor- und Nachteile der künstlichen Ernährung bei Demenz

Ob eine PEG-Magensonde

Ein in den Magen eingebrachter Kunststoffschlauch wird durch die Bauchdecke nach außen geführt und ermöglicht so eine Nahrungszufuhr direkt in dem Magen.
PEG-Magensonde
medizinisch sinnvoll ist oder andere Behandlungsmethoden besser greifen, muss von Fall zu Fall entschieden werden, zumal mittlerweile erwiesen ist, dass an Demenz erkrankte Menschen mit einer PEG-Magensonde

Ein in den Magen eingebrachter Kunststoffschlauch wird durch die Bauchdecke nach außen geführt und ermöglicht so eine Nahrungszufuhr direkt in dem Magen.
PEG-Magensonde
nicht länger leben als ohne. Dafür gibt es mehrere Erklärungen:

  • Der Krankenhausaufenthalt und eine Operation sind eine große Belastung
  • Sondenkost wird nicht immer gut vertragen
  • Wenn Nahrung oder Flüssigkeit via Nasensonde zu schnell oder im Liegen verabreicht werden, können diese in die Lunge gelangen und eine Lungenentzündung auslösen
  • Die Hilfe beim Essen und Trinken ist eine besondere Form der Zuwendung. Wenn diese ausbleibt, hat dies psychische Folgen.

Bei einer PEG-Magensonde

Ein in den Magen eingebrachter Kunststoffschlauch wird durch die Bauchdecke nach außen geführt und ermöglicht so eine Nahrungszufuhr direkt in dem Magen.
PEG-Magensonde
ist außerdem die Zustimmung des Patienten wichtig. Bei Demenzerkrankten ist die Einholung dieser oft nicht mehr möglich. Maßgeblich für die ärztliche Entscheidung für oder gegen eine künstliche Ernährung ist deshalb der mutmaßliche Patientenwille – also ob noch ein starker Lebenswille erkennbar ist. Dafür ist eine sorgfältige Beobachtung des Patienten notwendig. Einzubeziehen sind aber auch Angehörige, die Auskunft geben können zum Willen des Erkrankten.

Den mutmaßlichen Willen an Demenz erkrankter Patienten erkennen

Lehnt ein Mensch mit Demenz Angebote zur Nahrungsaufnahme ab, sollten zunächst alle Ursachen dafür abgeklärt werden. Neben Krankheiten, die einen direkten Einfluss auf den „Schluckapparat“ haben, gibt es auch Krankheiten und Medikamente, die indirekt wirken. Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit, Mundtrockenheit, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen oder Schmerzen sind nur einige bekannte Symptome oder Nebenwirkungen. Auch Probleme mit Zähnen, Zahnfleisch und Zahnprothesen können der Grund für eine Nahrungsverweigerung sein.

Hinzu kommt, dass demenzerkrankte Menschen...

  • ... oftmals nicht mehr erkennen, dass sich unter einem Thermodeckel ein Essen befindet
  • ... die Bedeutung von Teller oder Besteck nicht mehr verstehen, aber problemlos mit kleinen Hilfestellungen essen können
  • ... eine Störung der Handlungssteuerung haben, so dass oft ein kleiner Impuls genügt, um die Handlungsprogramme aufzurufen
  • ... nicht im Bett essen möchten oder keinen Appetit auf kalte oder unbekannte Nahrungsmittel haben
  • ... stressfrei und ohne Druck essen möchten.

Auch „Gewalt in der Pflege“ darf beim Thema Ernährung nicht außer Acht gelassen werden. Sie sollten den Mut haben, sich zu beschweren, wenn ...

  • ... Essen unerreichbar gestellt wird
  • ... Essen und Trinken im Liegen gereicht werden, denn das erhöht die Gefahr sich zu verschlucken oder zu kleckern
  • ... Menschen trotz ihrer Schluckstörungen im Rollstuhl mit Fußstützen essen sollen, denn für das Schlucken ist wichtig, dass die Hüfte Halt über die Füße bekommt.

Im Krankenhaus spielt es auch eine Rolle, wie viel Zeit und Ruhe Pflegekräfte sich für die Hilfe bei der Nahrungsaufnahme nehmen können. Wenn Angehörige oder Ehrenamtliche diese wichtige persönliche Zuwendung übernehmen, ist es weit mehr, als nur eine Entlastung der Pflegekräfte.

Wenn all diese Aspekte bedacht wurden und der Mensch mit Demenz trotzdem den Mund verschließt, den Kopf abwendet, Essen oder Trinken ausspuckt, stellt sich die Frage nach dem mutmaßlichen Willen.

Demenzkranke in Würde gehen lassen

Wenn der mutmaßliche Lebenswille nicht mehr erkennbar ist und andere Ursachen für die Verweigerung der Nahrungsaufnahme ausgeschlossen sind, müssen sich Angehörige und Ärzte die Frage stellen, ob lebenserhaltende Maßnahmen noch gerechtfertigt sind. In manchen Krankenhäusern gibt es dafür ethische Fallbesprechungen.

Eine Entscheidung muss nicht sofort fallen. Denn ein Mensch kann im Notfall bis zu zwei Wochen ohne Flüssigkeit auskommen. Außerdem bilden sich beim Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit körpereigene Schmerzmittel. Ein demenzkranker Mensch kann sich allerdings von einem Moment zum nächsten anders entscheiden. Deshalb sollten Nahrung und Getränke ohne Zwang und Druck immer wieder angeboten werden. Wenn ein demenzkranker Mensch dies annimmt, ist es ein Hinweis des aktuellen Lebenswillens.

Weiterführende Informationen

„Ethische Fragestellungen“: Auf dieser Seite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. finden sie weiterführende Informationen zu den unseren Themen (z. B. Ernährung, medizinische Behandlung) unter ethischen Gesichtspunkten.
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. - Ethische Fragestellungen

Wenn Schwerkranke nicht mehr leben wollen - Verhungern sanfter als Sterbehilfe?
Zitiert wird ein kurzer Onlinebericht des Medical Tribune für ein würdiges Sterben durch Verhungern als Möglichkeit für einen Freitod.
Ernährung und Demenz - Blog zum Ernährungsmanagement in der Pflege

Mythos PEG: In einer Handreichung zur Entscheidungsfindung hat die Deutsche Expertengruppe Dementenbetreuung e. V. u. a. „verbreitete Irrtümer“ (Seite 18) zusammengestellt und gibt mit einer umfangreichen Checkliste viele Anregungen, wie an biografische Informationen angeknüpft werden kann (Ernährungsbiografie, Seiten 22-25)
Deutsche Expertengruppe Dementenbetreuung e. V. - Veröffentlichungen

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